Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1846)
- Date
- 1846-07-27
- Page
- Seite 448 (sequence 8)
- Language
- German
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443 ungefähr sieben Mitglieder. Da aber der Präses nur eine kurze Auseinandersetzung gestatten wollte, Philrppson -ieS aber nicht annehmen wollte, da „kurz" subjektiv ist, und eine Abstimmung der Versammlung verlangte, so entschied die Majorität, daß PH. sein Amendement, weil der erste Theil desselben schon einmal verworfen worden, nicht motiviren sollte. PH. wollte darauf das Amendement zurückziehen, auf Zuruf jedoch ließ er darüber einfach abstimmen, wobei es von circa 9 Stimmen bejaht, von 17 Stimmen verworfen wurde. Wir werden das, was wir zur Motivirung sagen wollten, in der nächsten Rümmer dieser Ztg. aussprechen. Hierauf kamen die Anträge des Dr. Salomon, die wir oben mitgetheilt, zur Abstimmung, und wurde nur der Punkt angenommen: 8) Jede geistige Thätigkeit verletzt den Sabbat nicht. Philippson enthielt sich der Abstimmung. Run kam der Antrag 4 der Kommission, der im vorjährigen Bericht Ro. 5 war, zur motivirten Abstimmung, und wurde in dreien Theilen einstimmig angenommen. 9) Die Versammlung wolle erklären, daß die Betheiligung am Staatswohle eine so hohe Pflicht ist, daß ihr in Kollisionsfällen die Sabbatfeier weichen muß. Sie erklärt daher den Soldaten, sobald es die Disziplin erfordert, von der Beobachtung des Sabbats dispensirt; sie erklärt, daß der Beamte, insoweit er sich am S. den Amtsgeschäften nicht entziehen kann, seinen Amtspflichten genügen müsse, vorausgesetzt, daß er in andrer Weise, namentlich im Hause die Weihe des SabbatS herzustellen bemüht ist. Hiermit war die Diskussion der Sabbatfrage beendet. Wir werden nur noch Ln nächster Nummer unsere Motivirung gegen den Verlaus der Anträge nachholen. In der morgenden Sitzung ist die Diskussion über die zweiten Festtage an der Tagesordnung. Zeitungsnachrichten. Nordamerika. New-Uokk, I«. April. (Aus dem Privatschreiben eines Anhängers des dortigen deutschen Tempels.) Diesen Peßach ist unsre Tempelgemeinde ein Jahr alt geworden, und wenn sie voriges Jahr ihrer Geburt, ihres Anfangs sich erfreute und der schönen Hoffnung einer Vervollkommnung sich hingab, so ist es am Ende jenes Jahres eine ganz andere Freude und eine zuversichtlichere Hoffnung, die sie für die kommende Zeit beseelt. Ich will nur kurz bemerken, daß von den hier wohnenden Israeliten allerdings 31/a2 roh und ignorant sind, und daß dieser große Theil die Opposition gegen den Tempel bildet, versteht stch von selbst. Die drei jüdisch-deutschen Gemeinden erniedrigten ihre Eintrittspreise und sonstigen Abgaben, um dadurch Mitglieder zu gewinnen und sie dem Tempel abtrünnig zu machen. Was gegen den Tempel nur immer anzufangen war, es unterblieb nicht. Dieser selbst hatte wegen der schwachen Anzahl seiner Mitglieder einen starken Kampf zu kämpfen, denn die Bedürfnisse waren groß und die Finanzen sehr klein. Es trat eine Krisis ein, der Art, daß die Auflösung der Lempelgemeinde nicht mehr bezweifelt und allgemein bedauert wurde. In dieser Zeit der Krisis kam der Dr. Lilienthal hier an und acht Tage nach seiner Ankunft war in allen englischen Zeitungen zu lesen: Dr. Lilienthal, cbief-rabby of Russia, will give a lectnre in the Synagogue „Anshe chesed“, Saturday next etc. Was Beine hatte richtete sie selbigen Tages nach dieser Synagoge zu in Bewegung, und ich fehlte auch nicht. Wir hörten da einen Vortrag, der Groß und Klein, Alt und Jung, den Gebildeten und Ungebildeten, kurz Jeden, wer er auch sein mochte, erbaute. Die Opponenten glaubten sich schon ihres Sieges gewiß und die Templaner fürchteten ihre Niederlage. Erstere freuten sich schon der dritten Tempel-Zerstörung. Die Zeit kam heran, in der sich das Fortbestehen der jungen Gemeinde zeigen mußte. Das letzte Viertel vom Jahre kam heran, die Tempelgemeinde hielt ein General-Meeting und das Resultat war: Fortbestehen mit Kraft und Ausdauer, allen Hindernissen trotzen in dem Bewußtsein — j i:»:' („Jmanu el" ist der Name unsrer Kongrel gation). Seitdem hat die Gemeinde an Mitgliedern j dern bedeutend gewonnen, der Chor leistet Vortreff- ) liches und der Prediger, obgleich ein schwächlicher Mann, giebt uns gediegene, belehrende und erbauende Reden. Ja, die Tempelgemeinde ist sogar jetzt derart gestellt, daß sie von Außen durchaus nicht zu erschüttern ist. Und nun noch Einiges nachträglich von Dr. Lilien»