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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-07-27 · Heft 31 (27.7.1846) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 31 (27.7.1846)
Date
1846-07-27
Page
Seite 444 (sequence 4)
Language
German
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444 Kollision an, und will sie erleichtern, und wacht daher folgende Anträge: 1) daß alle nicht aufschiebbaren Geschäfte nicht aufzuhören brauchen; 2) daß alle in's geistige Gebiet gehörenden Arbeiten nicht aufzuhören brauchen; 3) daß unsre Gotteshäuser dieselbe Bedeutung wie der Tempel in Jerusalem haben, und daher den Gottesdienst zu besuchen hohe Pflicht sei; 4) daß das Land, dem wir angehören, unser Vaterland sei, dem wir verpflichtet sind mit Gut und Blut; 5) wie es mit der Vorfeier des S. zu haltend 6) Sowol Frühals Nachmittagsgottesdienst feierlich zu halten, damit auch die dienende Klaffe ihn besuchen könne; 7) was das häusliche Leben verschönert, ist am S. erlaubt. — Stein hält einen warmen, aus innerstem Gewüthe quillenden Vortrag, worin er seine ganze Anhänglichkeit am Sabbatgesetze darlegt, darauf dringt, daß wir den S. durch alle mögliche Weihe heben, sich gegen jede Definition erklärt, und will, daß eine Kom. Mission erwählt werde, welche die bestehenden Gesetze einzeln durchgehe, prüfe und zur Bearbeitung vorlege. Philippson spricht*): Die beiden letzten Redner haben nur die praktische Seite der vorliegenden, heiligen Sache besprochen, und er wünschte, ihnen folgen zu können. Aber die früheren Sprecher haben einmal Theorieeu aufgestellt, und so könnten diese nicht einseitig stehen bleiben. Er legt sich den Gegenstand zurecht als 1) Begriff, 2) Gesetz, 3) Kollision mit der Strömung des wirklichen Lebens. Bevor er den ersten gebe, müsse er seinen Standpunkt kurz andeutcu. Er sehe (gegen Aenßerungen, die früher gefallen,) in Moses nicht den schlichten Gesetzgeber, sondern den von Gott unmittelbar begeisterten, inspirirten Mann, der ewige Wahrheiten verkündete und Institutionen einsetzte, welche zwar in der Form wechseln können, die aber in ihrem Innern wiederum die ewige Wahrheit enthalten, so daß sie zu ewigen Satzungen geworden, denen die ganze Menschheit dereinst sich zuwenden werde. (Allgemeine Zustimmung.) Man habe nun den Begriff des S. theils rational, theils symbolisch aufgestellt. Es verhalte sich aber so. Der S. ist eine Nothwendigkeit für die geistige Natur des Menschen. Die heilige Schrift giebt in ihren ersten 12 Kapiteln die Entwickelung des Menschengeschlechts, wie in ihr die Offenbarung nothwendig geworden. Da hebt sie den Gegensatz im Menschen her- *) Es ist natürlich, daß wir unsere eigenen Vorträge ausführlicher geben, da die Rede» der anderen Mitglieder wir nur nach schnell niedergeschriebenen Notizen in ihren Hauptgedanken skrzziren können. Redakt. vor, der noch jetzt den Menschen gefangen hält, in den beiden Sätzen: der Mensch ist im Ebenbilds Gottes geschaffen, und im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod verzehren. Der Mensch ist also einerseits dergottebenbildliche Geist, dessen Bestimmung es ist, nach immer größerer Gottähnlichkeit zu streben, und andrerseits der Knecht des materiellen Lebens. Zwar liegt auch hierin Segen, denn auch da entwickelt sich der Menschengeist. Aber der Gegensatz ist da, und für ihn mußte die Offenbarung die Lösung geben, und diese ist — der Sabbat. Der S. ist daher dualistischer Natur, indem er einerseits die Knechtschaft des materiellen Lebens in die Freiheit bringt durch die Ruhe, andrerseits den Geist zur Erhebung, Heiligung bringt. Wenn daher auch Ruhe und Erhebung im Wesen verschieden sind, so werden sie doch im Faktum identisch; denn da im menschlichen Geiste der ewige Drang der Entwickelung liegt, so beginnt auch sofort seine Erhebung, sobald die bewußte Ruhe, die Entfernung vom materiellen Leben eintritt. Zwar hat man die Erhebung einen erst später in den S. hineingetragenen Begriff genannt, aber sehr mit Unrecht. Die Erhebung zu Gott, die Heiligung ist ein der Schrift so in* tegrireud in ne wohnender Begriff, daß er im S. nimmer fehlen kann. „Du sollst lieben deinen Gott", „ihm sollst du auhangen", „vollkommen sei mit dem Ewigen" rc., vor Allem „du sollst dich heiligen wie Gott heilig ist", diese Sätze geben die Erhebung, die Heiligung nach allen Nuancen, und impb, 'nb winp, btim S. kann nichts Anderes ausdrücken. — So ist allerdings der S. rational; er kann keine in eine Symbol verhüllte Idee sein, weil er eine geistige Raturnothwendigkeit für den Menschen ist. Allein ganz können wir ihm die symbolische Natur auch nicht nehmen, er wird ein ms genannt. Aber er ist kein Symbol au sich, sondern es ist ihm nur eine symbolische Analogie gegeben, als er in den mosaischen Kultus nun als bestimmte Kultform erntrat. In diesen Kultus eintretend, konnte er nicht mehr bloß rational bleiben, sondern es mußte ihm auch eine symbolische Analogie werden; und da konnte er nichts Anderes als die Idee der göttlichen Schöpfung mit ihrer zeitlichen Vollendung enthalten. Warum dann sieben Tage? Wir brauchen nicht, wie geschehen ist, zum SabäiSmus zu greifen, nicht sechs Zeiträume anzunehmen (denn die Naturwissenschaft kann keine Aufeinanderfolge der einzelnen Naturreiche nach und nach in verschiedenen Zeiträumen zugeben, sondern jeder Zeitraum der Entwickelung muß eine ganze Schöpfung auf seiner Stufe sein), sondern ganz

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