Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1846)
- Date
- 1846-07-27
- Page
- Seite 443 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225475--07894-3238680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
443 jede anstrengende Thätigkeit, und das zweitens die Schöpfung symbolisirt, wodurch jede produktive Thätigkeit verboten ist. Das Staatswohl ist religiös, und muß daher Ln Kollisionsfallen den S. zurückdrängen. In der Rach Mittagssitzung verlas der Präses zunächst einen Antrag des Herrn I. May zu Breslau, daß Trauung und Beschneidung auch bei nur zwei Zeugen gestattet seien. Die Sabbatdebatte wurde fortgesetzt, und Hold heim sprach zuerst. Ihm ist die Ruhe, die absolute Ruhe der Begriff des S., und zwar als Symbol des Verhältnisses Gottes zur Zeit; die Zeit ist der Begriff der Veränderung, der Beweglichkeit, des Unvollkommens, der sinnliche Reflex des Nichtseins; dahingegen ist die Ruhe der Reflex des Vollkommnen, des absoluten Seins, Gottes. Erst später wurde in den S. der Begriff der Erhebung zu Gott hineingetragen. Auf dem biblischen Standpunkt ist lediglich die Ruhe im S., und damit dieser das Bekenntniß der Grundwahrheit, daß Gott das absolute Sein ist. Aber jetzt? Bethätigen wir noch diese Grundwahrheit mit der Ruhe? Wir fassen jetzt die Wahrheit durch die Ueberzeugung, nicht mehr durch das Symbol. Daher ist der nicht mehr abtrünnig von der Wahrheit des Judenthums, welcher den S. verletzt, wenn .er auch sündhaft ist. Uns ist die Erhebung zu Gott die Hauptsache, der Gottesdienst. Für Arbeiten durch Richtjuden kann er nicht stimmen, denn was ich nicht thun darf, kann ich Andere nicht thun lassen. Hier ist das Zeremoniekle identisch mit dem Sittlichen, weshalb kein Unterschied zwischen Thun und Thunlassen. Weil aber die Ruhe im S. ursprünglich symbolisch, für uns aber nicht mehr symbolisch, so ist der Tag der Ruhe gleich, und der S. könnte verlegt werden, wofür er aber den Antrag nicht einmal stellen wolle. Ihm entgegnete A. Adler, daß der S. nicht symbolisch, sondern religiös und in Palästina zugleich staatlich war, weshalb die Todesstrafe auf seine Verletzung. Weil er aber staatlich war, trat die Weihe nicht so scharf hervor. Er kann aber kein Symbol sein, weil eine Unthätigkeit, eine Ruhe kein Symbol sein kann, zu dem stets ein Thätiges gehöre. — Dem stimmte Heß bei, der S. sei kein Symbol, denn man trage da eine neue Anschauung hinein. Die Schrift nennt darum die verbotenen Arbeiten nicht, weil das Volk sie schon kannte. Er trägt darum darauf an, daß gesagt werde, „wo das Leben oder die ganze zeitliche Wohlfarth in Gefahr stände". Auch Gosen und Herxheimer sprechen ihre Ansichten aus. Die dritte Sitzung, den 15. Juli. Zu Anfang wird eine Adresse der Gemeinde zu Köslin verlesen, durch den Dr. Jolowicz überreicht. Die Gemeinde hat für ihren Gottesdienst die Beschlüsse der zweiten Rabb. Vers, angenommen, indem sie diese jedoch nur als Gutachten ansieht, nicht als Vorschriften, als welche die Rabb. Vers, sie auch nicht ansgebe. — Ter Präs, rcsumirt die gestrige Debatte, und vertheidigt den Kommissionsbericht gegen die Angriffe, die er erfahren. Der S. ist auch in der Bibel kein Symbol, 1) weil er in den Zehnworten steht, in denen kein Symbol; 2) weil der Versöhnnngstag dieselben Gesetze, und doch einen andern Zweck hat. Wenn andrerseits die Tradition als das alte lebendige Volksbewußtsein hingestellt würde, so sei sie auch nicht abzuschließen, denn auch jetzt gestalte sich ein lebendiges Volksbewußtsein. — Hierauf spricht Pick (aus Teplitz): Der S. ist das Denkmal der Schöpfung und der Befreiung aus Aegypten. Daher ist die Ruhe nur nebensächlich, nicht einmal Mittel, indem die Unthätigkeit Nichts zur Erhebung des Geistes thut, sondern nur das störende Moment entfernt. Jede Arbeit, die zur Verwirklichung der Sabbatidee dient, ist daher gestattet, die diese stört, verboten. Wir stimmen darin dem Talmud bei, indem nur die Absicht, der Zweck den Charakter der Sabbatverletzungbewirkt.— Herzfeld will das Wort der Schrift ganz schlicht und einfach betrachtet wissen. ri2n ist Ruhe, nicht Heiligung, da 'die Israeliten am S. nicht einmal nach Jerusalem gingen, auch nicht die Ruhe als Mittel, sondern als Selbstzweck. Die Ruhe ist die Erholung. Die Weihe am S. kommt erst durch einen Gedanken herein, der mit ihm verbunden wird. Wir glauben nicht, daß Gott in sieben Tagen die Welt geschaffen, sondern es ist der Gedanke: daß ein Gott die Welt geschaffen, nicht sieben, wie im Sabäismus. Er will auch die geistige Arbeit verboten haben. Das Verbot des Feneranzündens ist zur Verhütung des Kochens. Der S. darf nicht verlegt werden. Er stimmt gegen Uebertragung auf Nichtjuden, weil der Israelit dann leicht sich betheiligen werde. Der Gottesdienst ist noch wichtiger als die Ruhe, weil sonst die Schrift vergessen wird. Staatsdienst verdrängt den S., weil er Verwirklichung der sittlichen Idee, jedoch nur, sobald das Individuum unumgänglichen Beruf dazu hat. Die Nachmittagssitzung wurde von Sal omon, Stein und Phitippson ausgefülli. Der Erstcretadelt die theoretischen Auseinandersetzungen, will das einfache Wort der Schrift geltend machen, wie es klar dastehe, erkennt die