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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-07-20 · Heft 30 (20.7.1846) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 30 (20.7.1846)
Date
1846-07-20
Page
Seite 437 (sequence 9)
Language
German
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437 geruht, daß den zu Unteroffizieren beförderten jüdischen Soldaten, welche durch die vorgeschrubene Dienstzeit sich Zivil-Bersorgungs-Ansprüche erworben haben, gleich den übrigen anstellungsberechtigten Unteroffizieren, der Eintritt in solche Subalternstcllen gestattet werden soll, mit denen die Ausübung einer obrigkeitlichen Autorität nicht verbunden ist. Die Beleidigung beim Antritt des Zivildienstes ist nach den für Zeugeneide der Juden bestehenden Vorschriften zu bewirken. Bei der Anstellung solcher Unteroffiziere jüdischer Abkunft im Zivildicnst ist als leitender Grundsatz festzuhalten, daß unter der ausschließenden obrigkeitlichen Autorität jedes richterliche oder polizeiliche und jedes mit einer exkutiven Gewalt verbundene Amt verstanden werden muß, vermöge besten derDcamte mit dem Publikum in unmittelbare persönliche Berührung tritt. Es werden sonach dergleichen Juden zu den Stellen der Registratoren, Kanzlisten, Kalkulatoren, Kanzleidiener und Boten, sofern Letztere nicht etwa zu gleicher Zeit als Erekutoren fungircn, und dergleichen Stellen nicht den Militär-Invaliden ausschließlich Vorbehalten sind, zugelassen werden können. Der königl. Regierung werden diese allerhöchsten Vorschriften und Bestimmungen zur Kenntnißnahme und Beachtung bekannt gemacht. Berlin, den 2k. Marz 1846. DerFinanzministcr. Flottwell. Für den Minister des Innern. Im Aufträge, v. Manteuffel. Berlin, 9. Juli. (Privatmitth.) Ein ebenso erfreuliches als gewichtiges Ercigniß hat sich hier in diesen Tagen zugetragen. Es ist nämlich bekannt, daß die Regierung von der Unzulänglichkeit und Unangemessenheit der alten Judenreglements - Bestimmungen für unsre Gegenwart vielfach überzeugt, seit Jahren ein neues jüdisches Kultusgcsetz vorbereiten ließ, das auch vollständig ausgearbeitet bereits vor einigen Monaten den Rabbinen und Vorstehern der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Preußens zur Begutachten vorgelegt worden ist. Man sah darauf der Publikation dieses Gesetzes täglich entgegen. Allein das Ministerium glaubte, in Anbetracht der großen Wichtigkeit des Gegenstandes noch nicht genug gcthan zu haben und wollte vorerst noch die Ansicht einiger Männer der hiesigen Gemeinde über denselben vernehmen. Es hatten demnach die Herren Dr. Sachs, Dr. Veit, Joel Meyer von der alten Gemeinde, wie die Herren Dr. Stern, Dr. Bresler und Adolph Meyer von der Rcformgenoffenschaft in diesen Tagen zwei fünfstündige Audienzen beim Oberpräsidente» der Provinz Brandenburg, Herrn v. Meding Erz., in denen die einzelnen §§. des Gesetzes nochmals durchgesprochen wurden. Die Veranlassung zu diesem mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Schritt der Regierung wird hier etwas verschieden angegeben. Während die Einen behaupten, die Regierung hätte sich aus freien Stücken lediglich durch die neue und unerwartete Wendung, welche die jüdischen Gemeindeverhältnisse sowol anderswo als auch besonders in hiesiger Residenz grade in jüngster Zeit genommen haben, zu dieser nochmaligen Konsultation bewogen gefunden, erzählen Andere, ein hiesiger jüdischer Bürger hatte das Ministerium darauf aufmerksam gemacht, wie wünschenswerth cs wäre, wenn die jüngsten Bestrebungen und Gestaltungen auf dem Gebiete des Judenthums einer nochmaligen Prüfung unterworfen würden und dieser habe als die geeignetsten Männer, welche hierüber die gründlichste Auskunft geben könnten, nur die ersten drei der obengenannten Herren in Vorschlag gebracht. Allein die Regierung hatte sich aus den Rath dieser allein, da sie Alle mehr oder minder Gegner der Reform sind, nicht ganz verlassen zu dürfen geglaubt und zog daher eine gleiche Anzahl Reformer hinzu, um so ein möglichst unparteiisches Urtheil zu gewinnen. Wie dem nun aber auch sei, jedenfalls müssen wir die eben so eifrige als zarte Fürsorge, welche höchsten Orts unseren jüdischen Verhältnissen gewidmet, als ein erfreuliches Zeichen der Zeit begrüßen, das uns zugleich zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Aber auch jenen Männern fühlen wir uns gedrungen öffentlich unsre Anerkennung dafür auszusprechcn, daß sie mit Hintansetzung jedes Parteiinteresses, jeder Privatleidenschaft, jeder persönlichen Gehässigkeit ausschließlich das Gesammtwohl der Judenheit im Auge behalten und die allgemeine Wohlfahrt als die einzige Richtschnur ihrer Urtheile und Ansichten bcthätigt haben. Denn, wie ich aus autentischerQuelle weiß, haben diese Herren sowol in ihrem Benehmen als in ihren Worten eine so würdige Haltung, eine so uneigennützige Hingebung an die Sache deS Judenthums bewiesen, daß durchaus keine Spur eines Gegensatzes, einer feindseligen Stellung im Leben sich zeigte, und nicht selten sah sich ein Reformer oder 39*

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