Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1846)
- Date
- 1846-07-20
- Page
- Seite 438 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225474--07888-3238673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
438 Konservativer von seinen Kollegen widersprochen und von der entgegengesetzten Partei unterstützt. Dieses charaktervolle Auftreten hat nicht nur auf die Regierung, sondern auch auf die Parteien selbst einen höchst günstigen Eindruck gemacht und kann man gleich eigentlich nicht sagen, daß diese sich hiedurch einander genähert haben, so dürfte doch die gegenseitige Achtung gewachsen sein, welcher Umstand, wie wir hoffen, nicht ohne Einfluß bleiben wird auf die friedliche Lösung der Differenzen der alten und neuen Gemeinde. Krakau. Breslau, 30. Juni. In vielfachen Privatmittheilungen aus Krakau wird über die jetzige Lage der dortigen Juden sehr geklagt. Di« neu auferlegte Kontribution für die Besatzung trifft die Juden mehr als die ganze übrige Stadt, indem sie nach dem Verhältnisse des Kopfgeldes entrichtet werden muß, welches bei den Juden die Summe von 50,000 poln. Fl. beträgt, während die ganze christliche Bevölkerung weit weniger zu zahlen hat. Mit dennoch anderweitigen Abgaben an Matratzen u. dgl. für das Militär kommt den Juden die neue Steuer ebenfalls auf ungefähr 50,000 poln. Fl. zu stehen. Bei dem Daniederliegcn des Handels und bei der sonstigen durchschnittlichen Armuth der Juden in Krakau müssen aber solche Abgaben für sie bald unerschwinglich werden, so daß sie bereits die Hülfe ihrer auswärtigen Glaubensgenossen in Anspruch nehmen. Die aus Wien ihnen zugegangene Unterstützung von 6000 Fl. mußte unter 1800 Familien vertheilt werden. Von den wenigen der Thcilnahme an der Revolution verdächtigten und zur Haft gezogenen Juden sind Alle bis auf den Rechtsgelehrten Krzepicki wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Dieser, welcher aus Befehl des Diktators Tyffowski in der Synagoge für die Revolution gepredigt hatte, sollte ebenfalls die Freiheit wiedererhalken, als eine neue Denunziation gegen ihn einging. Die frühere Verordnung, nach welcher die Juden am Sonntage nicht in die Stadt gehen dürfen, wird, nachdem sie einige Wochen nach der Revolution unbeachtet blieb, nunmehr wieder streng gehandhabt. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 3. Juni. Rachbiblische Geschichte der hebräischen Sprache von Leopold Dukes. Erstes Heft. Die Sprache der Mischnah. Lexikogrophisch und grammatisch betrachtet. Eßlingen, 1846. Die Arbeiten von Dukes sind längst als zu den schätzbarsten auf diesem Gebiete anerkannt. Unermüdlich, und alle Schwierigkeiten, welche der Förderung dieser Literatur entgegentreten, überwindend, sucht er von seinen weitauSgreifenden Plänen daS Mögliche in'S Werk zu setzen. Indem er nun mit der Idee umgeht, eine „allgemeine Geschichte der hebräischen Sprachforschung" herauSzugeben, welche die Geschichte der Grammatik, Lexikographie und Exegese von SaadiaS bis auf die neuere Zeit umfassen, mir allgemein kulturhistorischen Einleitungen versehen sein, und zugleich hebräische Proben aus Hamburger, leydner, Münchner und anderen Handschriften enthalten soll: läßt er als Vorläufer zwei Hefte vvrangehen, von denen das erste theoretisch die Besiandtheile der spätem Sprache lexikalisch und grammatisch übersichtlich ordnet — das vorliegende Heft — das zweite, bald erfolgende, praktisch, den Ursprung dieser sprachlichen Gebilde literaturgeschrchtlich erforschen, das Verhältniß der Mischnasprache zur Bibel fesistellen :c. soll. — Verfolgen wir den Gang des vorliegenden Heftes. Die Einleitung läßt sich über die Sprachverhältniffe der Judrn überhaupt aus, und zeigt, inwiefern die Juden das Aramäische, Griechische, Althebräische und Altpersische sprachen; skizzirt dann das Geschichtliche der Mischna und des Talmud, und führt einige Literatur an. Die erste Abtheilung giebt das Lexikalische. Die sprachlichen Bestandtheile der Mischna sind hebräische Wörter, von denen jedoch viele in uneigentlichen, viele in ganz anderen Bedeutungen gebraucht werden, als in der Bibel, sehr viele, die der Mischna eigenthümlich sind, und sich weder in der Bibel, noch in den aramäischen Sprachdenkmalen finden; ferner chaldäische Wörter, die aber hebraisirt sind, da sich in der Mischna sehr selten chaldäische Formen finden; endlich fremdsprachliche Wörter, griechische und lateinische. Zu allen diesen Rubriken sind sehr reichliche Beispiele beigebracht. Die zweite Abtheilung enthält das Grammatische, und geht in dieser Beziehung die ganze Formenlehre durch. Die Verwechslung, Versetzung und Zusammenziehung der Buchstaben; die Familien, Quadrilitera, Konjugationen, Zeiten der Verba; die Formation, das Geschlecht, die Deklination der Nomina; die Für- und Zahlwörter; ein alphabetisches Verzeichniß der Partikeln.