Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1846)
- Date
- 1846-07-20
- Page
- Seite 431 (sequence 3)
- Language
- German
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431 von jeder gewerblichen, als überhaupt anstrengenden Thatigkeit, wohingegen jede nichtgewerbliche und jede nichtansirengende Thätigkert gestattet sei; 2) daß hingegen zu gottesdienstlichen Zwecken und um sich am Gottesdienste zu betheiligen, selbst eine anstrengende Thäligkeit gestattet sei; 3) daß, wo Lebensgefahr vorhanden, zur Abwehr derselben jede Arbeit geboten sei; 4) daß die Berheiligung am Staatswohle eine so wesentliche Pflicht sei, daß ihr rn Kollisionsfätten selbst der Sabbat weichen müsse, so beim Soldaten im Dienste, beim Beamten im Amte, so weit dies unumgänglich nothwendig. Referent bemerkte zum Schluffe, daß hiermit freilich der wesentliche Punkt der zeitlichen Wohlfarth übergangen sei, hierüber aber in der Debatte einzelne Anträge gemacht werden könnten. Die Debatte hierüber wurde auf den folgenden Tag festgestellt. In nicht öffentlicher Sitzung wurde noch eine Anfrage des Di', med. Arnhold verlesen, ob er einen dritten Sohn beschneiden zu lassen brauche, und ihn unbeschnitten als Jude erziehen könne, da ihm von zweien Knaben der eine in Folge der Bcschneidung höchst geschwächt, der andre gestorben sei. Im Anfang der Nachmittagssitzung wurde vom Präses die an die Gemeinden zu erlassende „Ansprache" zur Sprache gebracht, indem diese in diesem Jahre der Kürze wegen vom Präses der vorigen Versammlung aus, gearbeitet wurde unter eigener Verantwortlichkeit, jedoch so gar nicht Ln's Publikum gebracht ward, daß sie spurlos vorüberging. Man entschied sich für eine Kommission, die, jedoch unter ihrer Verantwortlichkeit, die Ansprache erlasse, und wurden in sie Geiger, S. Adler und Stein gewählt. — Vertheilt wurden ein Bericht des „allgemeinen LandesvereinS im Großherz. Baden zur Verbesserung der inneren und äußeren Zustände der Juden", ein als Manuskript gedrucktes Votum in der Sabbatfrage vom Di'. Sam. Hirsch., ein umfängliches hebräisches Gedicht an die Versammlung von D. B. Schweizer. Hierauf verlas Stein den Bericht der liturgischen Kommission. Derselbe hatte schon vorher einen gedruckten Plan zu einem neuen Gebetbuche vertheilt, in dessen Ausführung sich aber einige 30 Differenzpunkte zwischen den Mitgliedern der Kommission herauSstellte». Diese, welche theils wichtigere Fragen, theils unbedeutende einfchließen, wollte er der Versammlung zur Entscheidung vorlegen. Philippson erhob hiergegen begründete Bedenken. Theils hätte die Vers, so dringende und bedeutende Fragen zu erledigen, daß diese unmöglich eine solche Breite der liturgischen Verhandlungen zulaffen, theils wären die erhobenen Fragen so unwichtig, daß sie von der Versammlung nicht entschieden zu werden brauchen. Man entschied sich daher dahin, eine Kommission zu ernennen, welche von den aufgestellten Fragen die wichtigeren vor die Versammlung zu bringen, die unbedeutenderen selbst zu entscheiden habe. Auf nachdrückliches Verlangen Philippson's wurde jedoch bestimmt, daß die erste Frage, ob der Plan im Allgemeinen überhaupt geeignet sei, jedenfalls vor die Versammlung gebracht werde. In diese zweite liturgische Kommission wurden gewählt: Einhorn, S. Adler, Wechsler, Holdheim, Philippson. Aktenstücke zur dritten Rabbinerversammlung. Referat über den Antrag in Betreff von i-ibn, watta tos mwu und pn pna *), von dem Antragsteller Dr. S. Adler, Rabbiner zu Alzey. Eine der unerquicklichsten, ihrem ganzen inner« Wesen nach längst abgestorbenen religiösen Zeremonien, welche die fade Gewohnheit und der nackte Buchstabenglaube bis in unsre Gegenwart herein, freilich aber nur in einer Form zu erhalten vermochten, welche alles religiösen Warmesioffes baar geworden, sind die von und Nrn. Ursprünglich große Gottesgedanken erregend und zugleich dem Staate und dem äußern religiösen Organismus dadurch nützlich, daß sie einen Theil der Ernährungsmittel für den armen Priesterflamm bildeten, welcher im ehemaligen Gottesstaate Besitz und Eigenthum entbehrte, dienen sie jetzt nur noch dazu, die Religion bei einem Theile des Volkes in leerem Formenwerk aufgehen und erstarren zu machen, bei einem andern Theile sie als ein dumpfes, magisches Wesen erscheinen zu lassen, während ein andrer Theil wieder durch sie sogar oie Anleitung erhält, das göttliche Gesetz durch menschliche List zu umgehen. Die Aufgabe, heute noch das männliche Erstgeborne des reinen Viehes als Opfer Gott zu weihen, hat sich, trotz des Widcrflrebens der Buchstabenmänner, im Verlaufe *) Siehe Protokolle der zweiten Rabb. Vers. 380, No. 15.