Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 29 (13.7.1846)
- Date
- 1846-07-13
- Page
- Seite 427 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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427 fluktuirenden Wechselkurse und Diskonten kümmert als Rothschild, oder Sina, oder Stieglitz; aber das Judenlhum, das durch die unumgängliche Feindschaft der allgewaltigen Gegner hochgeehrte Judenthum solle sich erst Preußens Anerkennung (oder die der ganzen Pentarchie, falls noch anderswo das Judenthum mit solcher Geringschätzung behandelt würde) erringen — das wollen wir doch lieber ajourniren, bis nach den tausend, tausend Jahren, und dann sehen. Wenn wir unfern Kultus, unsere Erziehungsanstalten, unsere häuslichen Einrichtungen reformiren, so geschieht cs, weil cs uns, unseren Bedürfnissen, unserm Geschmack, unserm Gefühl konvenirt; aber wahrlich nicht um unsere Vorfahren und Miljuden preiszugeben und eine Anerkennung erst zu erringen, die uns keine Menschengewalt rauben oder schmälern kann. Anerkennung mangelt wahrlich dem Judenthum nicht, wol aber der Masse der Juden, und das am Meisten von Seiten einer gewissen Klasse „fortgeschrittener" Juden, die aber noch sehr tief in den Pantoffeln der vorigen Generation stecken und noch heute den seiner Zeit wol nützlichen, jetzt aber grünspänigen Wahn mit sich Herumschleppen, alles Schwunghafte, alles Schöne, alles Noble, alles Geordnete sei nur bei den Christen und gar nicht bei den Juden; alle Rohheit, Beschränktheit, Engherzigkeit und noch Schlimmeres sei nur bei den frommen, und das Gegcntheil nur bei den schinkeneffenden Juden zu finden. — Ist sie aber des „Schweißes der Edlen" werth, diese Anerkennung, deren Mangel eben in jener Stern'schen Aeußcrung seinen naiven Ausdruck findet? Ich zweifle. — Wie man sich aber im Allgemeinen Anerkennung erzwingt, das lehrt mich ein erlebtes Beispiel. In meiner Jugend wurde in den Königreichen Westphalen und Dänemark auf Ansuchen der Juden der Name Jude (als injuriös?) verboten, und es mußte dort „Israelit", hier — wie noch heute der legale Ausdruck heißt — „Bekenner des mosaischen Glaubens" gesagt werden. Daß dadurch nicht eben das Selbstgefühl der Juden gestärkt ward, liegt am Tage. Da legte 1832 Rießer unverzagt seinem Journal den Namen „der Jude" bei, und siehe da, kein Mensch findet den Namen an sich im Allerniindesten degradirend! — Die englisch-jüdischen Blätter, die wir erhalten, bringen nichts Bemerkensw.erthes, außer Gedichte und Gebete bei Gelegenheit von Montefiores Zuhausekunft, von denen dort noch eben solch ein Aufhebens gemacht wird als bei uns vor 40 bis 60 Jahren, zur Zeit der jüdischen „geschickten Menschen". Mannheim, 21. Juni. (Mannh. Journ.) Die Israeliten der bairischen Pfalz überreichten den Abgeordneten Herren Christmann und Stockinger bei deren Rückkunft vom Landtage eine von Rabbiner Dr. Grünbaum verfaßte Adresse. Preußen. Breslau, 30. Juni. Die böhmischen Rabbinen, welche sich zur Rabbinerversammlung begeben wollten, denen aber die Pässe von den nächsten Paßbehörden verweigert worden waren, haben diese von der hohen Regierung erhalten. Köslin, 1. Juli. (Privatmitth.) Am Nachmittag des Sabbats ist am 27. Juni hier zum ersten Male der Gottesdienst in deutscher Sprache mit gut einstudirten Chören vollzogen worden. Sehr begeistert spricht sich im heut. „Volksblatt" ein christlicher Zuhörer, Prof. B., darüber aus. Oesterreich. Agram (Kroatien), im Mai. (Pr'vatmitth.) Der Zustand der hiesigen Gemeinde ist im raschen Heben begriffen, und kann allerdings nur belobt werden. Wir haben jetzt eine wenn gleich etwas beschränkte doch anständige, würdevolle Synagoge, in welcher sowol die gediegenen erbaulichen Vorträge des verehrten Herrn Rabbiners Goldmann — die auch meist einen großen Kreis christlicher Notabilitäten versammeln — wie auch die Leistungen des aus Knaben mehrerer hiesigen Familien gebildeten Chores unter Leitung des hier gebornen und in Wien tüchtig musikalisch gebildeten Kantors Herrn Schwarz den Gottesdienst zu einem wahrhaft erhebenden gestalten. Doch beschränkt sich das Wirken des Herrn Rabbiners nicht nur auf jenes im Gotteshause, sondern dankt man ihm auch die Regelung des Armenwesens, die Anregung zu der nun bestehenden, hohem Orts sanktionirten israelitisch-deutschen Lehranstalt — wo derselbe selbst den Religionsunterricht leitet —, auf deren Leistungen in hebräischen und deutschen Lehrgegenständen unter Leitung der tüchtigen, pädagogisch