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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-07-13 · Heft 29 (13.7.1846) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 29 (13.7.1846)
Date
1846-07-13
Page
Seite 426 (sequence 10)
Language
German
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426 in Kraft getreten ist und die Statuten unsrer Armenanstalt, unsres Krankenhauses und unsres Vereins junger Armenfreunde enthält und, als Form und Rahmen betrachtet, für jetzt nichts zu wünschen übrig > läßt. Ohne Zweifel werden auch auswärtige jüdische Gemeinden, die ein eignes Armenwesen besitzen, dies Muster mit benutzen, da die Behörde sich aus Mittheilung von Exemplaren ein Vergnügen macht. Unsere Stabilen haben in dieser Zeit mehrere auf verschiedene Weise achtungswürdige Männer verloren, darunter den auch im Auslande durch seine merkwürdige hebräische und rabbinische Bibliothek (worin 800 Manuskripte sein sollen) berühmte Rentier Heimann Joseph Michael. Les devots s’ea vont, und wer bleibt übrig? Das Gesindel, das es sich heutzutage hcrausnimmt, namentlich in der Presse das, auch dem Andersgesinnten heilige, orthodoxe Judenthum zu vertreten, und das diese Fahne zu einem Deckmantel für Jnfamicen aller Art, für Lügen, Verleumdungen, Denunziationen, Plagiate, Fälschungen mißbraucht, in der falschen Annahme, eben so unwissende Leser zu finden, wie sie selber Schriftsteller sind. — Findet denn das vollgläubige Judenthum in Deutschland gar keine respektablen Repräsentanten mehr? Denn daß cs mit dem Sichtaubstummstellen nicht mehr geht, hat es doch schon längst eingesehen! Ein Verein junger Talmudsreunde, die „Lern- Chebra," hat neulich seinen würdigen Lehrer, den Rabbi Isaak M etz, zu seinem 70sten Geburtstage mit einem sehr werthvollen Geschenke und einem schauderhaften Gedichte begrüßt. Eine Neuerung in der Zeit des Gottesdienstes des Tempels am Sabbatmorgen, wodurch die Predigt erst um 10'/2 Uhr beginnt und die den Zweck hatte, dem großen Theil des Tempelvereins, der jetzt auf Gartenhäusern wohnt, Gelegenheit zu geben, auch während des Sommers das Lokal zu füllen, hat sich als unwirksam bewiesen. Dem l)>. Frankfurter, vereinen sehr ehrenden Ruf nach Außen erhalten, ist seine Stellung verbessert worden und er wird uns nun nicht verlassen. Dr. Salomon ist im Begriff nach Breslau zur Rabbinerversammlung zu gehen. Ich wüßte nicht, woher seine Anwesenheit den etwaigen Einfluß dieser Versammlung zu vergrößern im Stande sein sollte. - Es ist hier ein „offnes Sendschreiben an den Herrn Doktor Stern in Berlin" erschienen, welches, obgleich durchaus ohne Haltung und dem Augenscheine nach mehr von persönlichem Haß oder wenigstens — Neid eingegeben, unter einer Menge von Ungehörigkeiten dennoch einige gesunde Ideen enthält. Zu den Ersteren zähle ich die Behauptung, Reformen könnten nur von Leuten ausgehen, die durch Kenntnisse, Einsicht und Stellung dazu befähigt seien, und daß wir nirgends finden, ein Laie habe eine Reform in's Leben gerufen. Die Geschiche lehrt im Gegentheil, daß alle religiösen Reformen immer erst von Männern aus dem Volke ausgegangen sind, und daß die Schwarzröcke sich gewöhnlich hinterher an den gedeckten Tisch gesetzt haben, so wie die Priester in Jerusalem gar nicht ekel waren, heute dem Jehova, morgen dem Baal, und übermorgen dem Moloch zu opfern, wenn sie nur die Fettstücke erhielten. Wenn Stern, was ich übrigens dahin gestellt sein lasse, sonst durch Kopf und Herz befähigt ist, so kommt cs auf seine äußere Stellung gar nicht an, zumal da er seit Jahren ein jüdischer Lehrer und Erzieher ist. Mendelssohn und Jacobsohn waren auch keine „Geistliche." Vollkommen bcipflichten muß ich aber demPamphletistcn, wenn ihn Stern's Aeußerung empört, „Deutschland ist der Boden, auf welchem das Juden- „thum sich zuerst diese Anerkennung (nämlich die „inter-religiöse Achtung) erringen muß, vermöge „deren ihm der Eintritt in das Leben der Gesammt- „heit erst möglich wird u. s. w." Also das Judenthum soll sich krümmen und winden, den Athem anhalten und die Fußsohlen betreiben, damit-die berliner Polizei so gut ist, es anzuerkenncn. Nein, mein Herr Stern! Deutschland ist leider in so vielen Stücken ein Staat des barbarischen Mittelalters, daß es Mirakel wäre, wenn es gerade in der Judensache auf dem Standpunkt der wahren Gesittung stände. Kommt Deutschland einmal zur völligen politischen Zivilisation, ss werden unsere Angelegenheiten ganz von selbst geordnet sein: das wird aber, so lange noch so viele entgegenstehcnde Interessen die Obermacht haben, nicht geschehen, wir mögen nun unfern Kultus reformiren oder nicht. Und was Preußens „Anerkennung" anbclangt, nun—wir Nichtpreußen haben allen Respekt vor dieser Monarchie, wir finden es auch ganz natürlich, daß z. B. das sehr ehrenwerihe .sche Comptoir sich weit mehr um die

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