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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-07-13 · Heft 29 (13.7.1846) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 29 (13.7.1846)
Date
1846-07-13
Page
Seite 425 (sequence 9)
Language
German
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425 that das aus Ueberzeugung, was bei Anderen aus Heuchelei geschieht. Und noch vor dem Ende seiner schönen Wirksamkeit sank er um, und ward der Muttererde zurückgegeben. Ihn begleitete die große Anzahl seiner Verehrer, und sah ihn in stiller Wehmuth in die Gruft versenken. Ach, ihr Herz wünschte, daß ein Redner dieser Wehmuth durch einige Worte zum Lobe des Hingeschiedenen Luft mache, der ihre Gefühle in Worte kleide! Ein Redner, der hier so schöne Gelegenheit hatte, und dem es heilige Pflicht ist, das Andenken der Frommen zu ehren, die Trauernden zu beruhigen, und das jugendliche Gemüth zum ähnlichen Leben und Wirken anzufeuern. Das will die Schrift, das will der Talmud, und das will die Vernunft. Aber es erhob sich kein Laut, und unmuthig zerstreuten sich die Versammelten. Moses Mendelson. Hamburg, im Juni. (Privatmitth.) *) Einige kleine Momente eines Gemeindelebens wären für diesmal mitzutheilen. Nachdem bei Gelegenheit eines neuen Leichenwagens als Zubehör der Beerdigungsbrüderschaft zugleich ein besoldetes und uniformirtes Leichengefolge organisirt, und um jede Uebervortheilung unmöglich zu machen ein Tarif aller Bcerdigungs- und Leichengewänder-Kosten zu den wohlfeil möglichsten Preisen festgestellt war, publizirte auch die „neue Beerdigungsgesellschaft" ihre neu revidirten Statuten, welche indeß keine Neuerung enthalten, als daß unter dringenden Umständen auch eine frühere Beerdigung als nach dreimal 24 Stunden gestattet ist und daß jedes Mitglied ein Jahr nach geschehener schriftlicher Kündigung austreten kann. Um so interessanter ist die Zusammenstellung der drei Vorreden zu den drei Auflagen dieser Statuten von 1805, 1825 und 1846. Die erste schildert mit Entrüstung die Folgen des frühen Begrabens. „-selbst die traurigsten Erfahrungen haben keine Veränderung bewirkt," sagt sie. „Unsere Nation fährt fort, ihre Tobten mit sorgfältiger Eile dem Schooße der Erdezu übergeben und trotzt, mit starrem Eigensinn, sogar der bessern Einsicht der Aerzte." Die zweite läßt sich schon auf Argumente ein und sagt: „Dieser Gebrauch -hat sich dermaßen erhalten und als vermeintes Gesetz zu tiefe Wurzel gefaßt, als daß die Macht der *) Von unserm gewöhnlichen Kvrresp. Redakt. Vernunft und die bessere Einsicht der gelehrtesten Aerzte und Naturforscher ihn auszurotten vermöchten (wir verweisen auf die kleine Schrift des Dr. Markus Herz). „Man" fährt fort, die Tobten mit sorgfältiger Eile dem Schooße der Erde zu übergeben, unbekümmert, ob ein untrügliches Zeichen des wirklichen Todes eingetreten sei u. s. w." Die jetzige dritte endlich sagt: „Die Zeit, welche seit der Begründung unsrer Gesellschaft verstrichen ist, hat auch an dem beklagenswerthen Vorurtheil, dessen praktische Bekämpfung dieselbe sich zur Aufgabe gesetzt hat, ihre Macht bewährt. Wir erkennen es bereitwillig an, daß die Gefahr einer zu frühen Beerdigung auch außerhalb des Kreises unsrer Gesellschaft jetzt nicht mehr vorhanden ist." Ich gebe diese Zusammenstellung deshalb, weil sie hoffentlich das historische Vorbild aller unserer Reformbestrebungen, insofern sie sich in den Grenzen des Nützlichen und Nothwendigen halten, geben wird. Denn die echten Reformgenossenschaften bezwecken nichts Anderes, als was wir von der Anticvrnlawligue sehen: sich aufzulösen, sobald die Kornbill durchgegangen ist. Ferner hat unsre Gemeinde definitiv für alle jüdische Dienstboten die bisherigen Termine der Neumondstage Yjar und Eheswan für abgeschafft erklärt: eine legislatorische Bestimmung, die insofern in ihrem Bereiche lag, als Jeder das natürliche Recht hat, auf beliebige Termine zu dingen oder sich zu verdingen, und der Vorstand also als Organ des Gesammtwillcns auftreten konnte. Auch in unserm Schächtwesen ist, und das nicht ganz ohne Kampf, die Veränderung eingetreten, daß unsere angestellten Schochetim jetzt für die Schächter beider Scharren, statt bisher bloß für die des neuen Scharren, schächten. Durch die vermehrte Konkurrenz werden wir wohlfeilere Preise und bessere Waare erlangen. Der Fleischaufschlag von */t Schilling per Pfund, den die Gemeinde bezieht, und der jetzt sein Ungerechtes hat, weil 300 der wohlhabendsten Familien kein koscheres Fleisch essen, während fast alle Armen es thun, der aber größtentheils für Besoldung der Schächter und sonstigen Kultusgegenstände wieder draufgeht, konnte für diesmal noch nicht aufgehoben werden. Endlich ist die „neue Armenordnung für die deutschisraelitische Gemeinde" zu erwähnen, welche am 1. Juli 29*

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