Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1846)
- Date
- 1846-07-06
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
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405 sämmtliche nöthige Gelder unverzinslich und blank vorzuschießen? Vielleicht gar der mit seiner Uneigennützigkeit, Vaterlandsliebe rc. sich so weit spreizende Herr Obersteuerrath Mohl dort? Nein, der bescheidene Jsraelite Benedict. Bamberg, 10. Juni. (Köln. Ztg.) Dem Vernehmen nach beabsichtigt ein Theil des oberfränkischen Adels eine Adresse an den dahier sich aufhaltenden Abgeordneten Freiherrn von Lerchenfeld. Durch diese Adreste soll seltsamer Weise dem genannten Abgeordneten von seinen Wählern die Mißbilligung darüber kundgegeben werden, daß er in der jüngsten Ständeversammlung gelegenheitlich der Juden-Emanzipations-Frage die Sache des gesellschaftlichen Fortschrittes vertreten und außerdem noch hiernach die Prärogative seiner Standesgenofsen nicht genugsam gewahrt habe. Wir zweifeln vor der Hand noch an der Wahrheit dieses Gerüchtes, eines Theils, weil eine derartige Manifestation in der That ein trauriger Beleg für die politische Bildungsstufe gerade jener Standesklasse wäre, welche die meiste Bildung für sich in Anspruch zu nehmen gewohnt ist, und andern Theils, weil den oberfränkischen Adeligen in ihrer Eigenschaft als Wähler des v. Lerchenfeld jedwede Berechtigung zu einer solchen Jndignationsäußerung mangelt. Der Abgeordnete v. Lerchenfeld ist, wie jeder andere baierische Deputirte, über sein ständisches Wirken nur seinem Gewissen und dem ganzen baierischen Volke verantwortlich, keineswegs aber seinen Wählern. Bamberg, 22, Juni. Die hiesige israelitische Gemeinde hat durch eine Deputation dem Herrn Dekan und Abgeordneten Bauer eine Adresse überreicht, in welcher sie ihm für die warme Vertretung, welche derselbe den Rechten der unterdrückten Israeliten in dem eben geschlossenen Landtag angedeihen ließ, ihren herzlichen Dank ausspricht. Wolfenbüttel, 28. Juni. (Privatmitth.) Am 25. d. M. legte der, von seinen zahlreichen Schülern mit Recht hochverehrte, Herr Inspektor S. M. Ehrenberg, nachdem er 40 Jahre lang die Samsonsche Freischule hiesigen Orts geleitet hatte, sein Amt nieder, mit dem Vorbehalte, auch ferner noch seine segensreiche Lhätigkeit der Anstalt zu weihen. Der rüstige 73jährige Greis hatte die hohe Freude, den von der Administration der Samsonschen Freischule zum Direktor derselben berufenen, bereits rühmlichst bekannten, Herrn0r.Phil. Ehrenberg, seinen bisher als Mitarbeiter ihm zur Seite stehenden Sohn, selbst in das neue Amt einzuführen. — Möge die seit 60 Jahren bestehende *) Anstalt, welcher viele angesehene Männer der Gegenwart ihre erste Bildung verdanken, auch ferner gedeihen und sich immer schöner entwickeln, mögen die intelligenten Herren Administratoren das kräftige, gewiß dem höchsten Ideale zustrebende Wirken des neuen Direktors eifrig unterstützen, und möge es dem würdigen, vielverdienten Vater desselben vergönnt sein, noch viele Jahre zum Gedeihen des Instituts mitzuwirken. vr. F. Preußen. Berlin, 27. Juni. (Privatmitth.) Bald wird ein Gesetz über Gemeinde-, Kultus- und Schulwesen der Juden erscheinen, das in seinem Entwürfe zur Begutachtung den angesehensten Männern aller Provinzen vorgelegt worden. Inwiefern diese Begutachtung verschiedene Resultate herbeigeführt habe, und welchen Einfluß diese Gutachten auf das Gesetz haben werden, läßt sich allerdings jetzt noch nicht beurtheilen. Würde die ursprüngliche Abfassung des Entwurfs bleiben, so läßt es sich sagen, daß die Zustände, so wie sie jetzt sind, nur gesetzlich bestimmt, verbleiben werden. Völlige Autonomie der Gemeinden, Freiheit, neue und gesonderte Gemeinden unter Bedingungen zu bilden, eine schiedsrichterliche Instanz ohne Gewalt, sind die Hauptzüge. Berlin, 18. Juni. Vorgestern begannen hier die Wahlen der Stadtverordneten, für welches wichtige Geschäft sich in der Bürgerschaft ein immer größerer Eifer entfaltet, und es sind in verschiedenen Bezirken zwei Juden zu Stadtverordneten gewählt *) Anfangs (1786) bestand das Institut aus einer, später (1790) aus zwei talmudischen Lehranstalten, welch jedoch schon 1807 gänzlich umgestaltet und unter dem Rauien der „Samsonschen Freischule" vereinigt wurden. Man vergl.: Die Sauisonsche Freischule zu Wolfenbüttel. In ihrer Vergangenheit und Gegenwart geschildert von vr. Phil. Ehrenberg. Leipzig, 1844. S. 6 u. 7.