Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1846)
- Date
- 1846-07-06
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 Zeremonienrneistcr, dessen Pflicht es ist, über die Religion eines die Loge besuchenden Bruders Erkundigung einzuziehen, solches vernachlässigen, dadurch auch ein Jude Zutritt erhalten haben, und man des Faktums sich vergewissert hätte, „so würde man dem Juden befehlen, hinauszugehen, und wenn er sich dessen weigert, die Versammlung sofort aufheben." Nachdem diese Antwort gelesen, erhob sich der Großmeister und sagte: da die Freimaurerei eine allgemeine Brüderschaft sei, und eine Unterscheidung im Glauben gar nicht kenne, so glaube er nicht seine Pflicht zu erfüllen, wenn er den Repräsentanten der großen Loge von England bei der großen Loge zu Berlin, deren Grundsätze von denen der wahren Freimaurerei so verschieden seien, nicht zurückrufe. Darauf beschloß die große Loge, dem Antrag des Großmeisters gemäß einstimmig: „ihren Repräsentanten bei der großen königlichen Pork-Loge zu Berlin zurückzurufen, und dem Repräsentanten der Letzter» bei der großen Loge zu England, nämlich dem Bruder Ritter Hebeler, durch den ersten Sekretär «»zeigen zu lassen, daß er bei der großen Loge zu England in seiner bisherigen Stellung seinen Platz nicht ferner einnehmen könne." — Bruder Faudel, der unermüdliche Verthcidiger der Rechte der Juden, dem alle Israeliten für sein edles Benehmen in dieser Sache zu Dank verpflichtet sind, meinte, ob es nicht rathsam sei, zur Aufrechthaltung des Friedens über den Gegenstand noch einmal mit der großen preußischen Loge zu kommuniziren, aber der Großmeister sagte, daß solches doch der Würde der großen Loge von England nicht gemäß sei, daß er aber jede sich darbietende Gelegenheit ergreifen werde, durch welche der Friede, welcher zwischen den beiden Logen so viele Jahre bestanden, wieder hergestellt werden könnte. Bruder Faudel stimmte dieser Meinung bei und stattete dem ehrenw. Grafen von Zetland für seinen edeln Eifer in dieser Sache seinen Dank ab. — Bei dieser Verhandlung waren auch mehrere jüdische Brüder gegenwärtig, welche aber sich der Eheilnahme an derselben enthielten. Deutschland. Aus Württemberg, 7. Juni. (Privatmitth.) Folgendes Faktum beweist auf's Neue, daß auch dem Israeliten zur Zeit allgemeiner Noth und Gefahr Geistesgegenwart und Unerschrockenheit nicht mangle. Nach einer Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 29. v. M. haben bei einem am 3. April in Mühringen ausgebrochenen Brande unter Anderen durch ihre Thätigkeit sich ausgezeichnet: Rabbiner Di-. Wassermann, Gebrüder Feüheimer und Leopold Fürst. 13. Juni. Eins unserer öffentlichen Organe enthält unter Heutigem: „Bei Lesung des von Pfarrer Maier in Pflugfelden erschienenen Aufsatzes über Ortsreinigung dachte ich unwillkührlich an den Psarrort Pflaumloch, O. A. Neresheim, wo man stets nicht nur eine musterhafte Reinlichkeit im Orte, sondern auch auf den der Gemeinde zur Unterhaltung obliegenden Straßen trifft, und wo zur Verschönerung der Straßen viel durch Baumsatz geschieht. Dies hat man hauptsächlich dem schon seit vier Jahren aufgestellten, seit einem Jahr durch das Zutrauen der größtentheils aus Christen bestehenden Gemeinde auch zum Gemeindepfleger erwählten — Israeliten, Markus Ellinger, zu verdanken, der sich die Ortsreinlichkeit wie den Baumsatz so sehr angelegen sein läßt, und sich öffentlicher Anerkennung Seitens des königl. Oberamts schon zu erfreuen hatte. Den 14. Dr. Weil (f. No. 24 d. Ztg.) hat Mohl angemessen und gebührend geantwortet. Bemerkenswerth ist nun, daß gerade in Stuttgart, wo Ersterer wegen Eigennutz, Begünstigung des Wuchers und Verrätherei am Vaterland, freilich höchst ungerecht, angegriffen wurde, ein Israelit ein großes und hervorstechendes Beispiel der Uneigennützigkeit, der kräftigsten Agitation gegen denWucher, und des edelsten Patriotismus gegeben und gibt. Bankier Benedict daselbst hat nämlich dem dortigen Stadtrath, in Anbetracht der großen Theuerung, welche kräftige Unterstützung für Arme und Mittelstand erfordert, die Summe von 39,090 Fl. auf geraume Zeit unverzinslich angeboten. Ferner: Es hat sich dieser Tage dort ein Verein konstituirt, der sich zur Aufgabe gestellt, in großen Massen Mehl und Getreide vom Ausland herbeizuschaffen, auf diesseitige Märkte zu bringen und mit Verluff zu verkaufen, um dadurch die— größtentheils durch Wucher so sehr in die Höhe getriebenen — Fruchtpreise gewaltsam herabzudrücken, dort und in der Umgegend dem Publikum billigeres Brod zu verschaffen. Viele reiche und edle Männer sind Mitglieder dieser Gesellschaft. Wer aber hat vorläufig