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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-29 · Heft 27 (29.6.1846) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 27 (29.6.1846)
Date
1846-06-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Beilage zur Allgemeinen Zeitung -es Jndenthums, No. SV. Gegenerklärung. No. 23 dieser Blätter lese ich eben eine Erklärung des wirklichen, wohlbestallten und mit einer echten Mo re na l'.!) versehenen Rabbiners zu Schwabach, einem durch seinen Nabbi und seine öffentliche Anstalt gleichberühmten Orte, welche meiner an Herrn Hamburger in Fürth neulich ergangnen Aufforderung genügen soll. Da man nun unmöglich das fanatische Geschwätze eines jeden unwissenden und dreisten Menschen einer öffentlichen Widerlegung würdigen kann, ohne die Achtung vor sich selbst und die heilige Mission der jüdischen Journalistik in gleicher Weise zu verletzen; so würde ich die erwähnte Erklärung mir stillschweigender Verachtung übergangen haben, müßte ich dieselbe nicht als im Namen des hochwürdigen Herrn Hamburger abgegeben betrachten, eines Mannes, dessen unheilvoller Einfluß auf den jüdischen Plebs selbst den größten und heiligsten Männern in Israel von jeher die bittersten Oualen bereitet hat. So bediene ich mich denn bloß diesmal noch dieses geschätzten Blattes zu meiner Vertheidignng mit dem festen Vorsatze, allen ferneren Angriffen der Art entweder Schweigen oder gerichtliche Klage entgegenzusctzen. Abraham Wechsler beginnt, um den herben Nabbi Wolf Hamburger zu entfern, mit einem Pschatchen, in welchem er sich als einen Priester darstcllt, welcher mit der Märtyrerkrone auf dem Haupte seinem Herrn (Hamburger) das erstgeborne Kind seiner Muse zum Opfer darbringt und sich dadurch verunreinigt. Hiegcgen ist nicht das Geringste einzuwcnden, und ich habe nur noch das zu bemerken, daß das Opfer selbst ein unreines-und noch dazu sehr fehlerhaftes, ein den Waldgöttern der Lüge dargebrachter Bock sei. Nach dieser Einleitung unmittelbar hinter dem Rücken des glänzenden Priesters, wird nun dem Publikum meine schwarze, ungeheure Frivolität vorgeführt, die es wagt, die Lüge eines unnatürlichen Lehrers eine — Lüge zu nennen. Es ist frivol vom Schüler, dem Lehrer den mörderischen Dolch aus der Hand zn reißen, der ihn meuchlings niederstoßen soll! Im schwabacher Rabbinate scheinen auch die Wörterbücher für unrein gehalten zu werden! Wir waren nun über die Präliminarien hinweg und kommen zur Thatsache. Herr Hamburger, wird erzählt, hat mich auf eine von den schweriner Vorstehern (?) an ihn desfalls gestellte Anfrage für unwürdig erklärt, einer religiösen und friedseligen Gemeinde vorzuftehen und aus meiner in den Nabbinerprotokollen abgegebenen Meinung das Resultat meines unverkennbarcnCharakters und meiner Gesinnungen geschöpft. (Wenn der Herr Rabbircr seine Predigten eben so vortrefflich styllsirt und dabei seine Gemeinde erbaut, so muß diese wirklich eine sehr friedselige sein!) Da hätten wir also endlich das Herz des priesterlichen Opfers, den furchtbaren Zeugen, welcher mein Todesurtheil hervorgerufen. Ich soll und muß ein frivoler Mensch, ein frecher Friedensstörer, ein Leugner der göttlichen Offenbarung und des persönlichen Messias, ein Verhöhner des dritten Buches Mosis (das unglücklicher Weise in den betreffenden Voten mit keiner Sylbe von mir erwähnt wird!!), ein Judenfeind und endlich durch Heuchelei und Betrug in den Besitz der Morena (wo hat der Nabbi oren gelernt?) — vor zwanzig Jahren gekommen sein, weil ich in der Rabbinerversammlung vorigen Jahres in liebereinstimmung mit dem größten Theile meiner anwesenden Amtsbrüder die Ueberzeugung aussprach, mit der Zerstörung des Tempels sei nach dem Willen Gottes der nur für eine frühere Entwicklungsstufe des JudenthumS passende Opferdienst auf ewige Zelten erloschen, und das Mefsiasreich bestehe in der geistigen Wiedergeburt und der von den Propheten verkündigten, durch Israel zu vermittelnden Vereinigung aller Menschen in Liebe und Glauben. (Protokolle S. 74, 75, 121.) Man weiß in der That nicht, was man von dieser Beweisführung am Meisten bewundern soll, ob die darin sich aussprcchende Bosheit oder Unwissenheit! Jeremias, Micha und alle jene Propheten, die in klaren Worten aussprechen, daß der Herr kein Wohlgefallen an blutigen Opfern finde, sind also ebenfalls Leugner der göttlichen Offenbarung, Verhöhner des Pentateuchs! Der große MaimonideS, der in seinem 2^22' III. 32 die Theorie ausstellt: Gott habe den Opserdienst blos deshalb zugelassen, weil auch die Heiden damals in ihren Tempeln Thieropfer darbrachten und die menschliche Natur nun einmal zur Gewohnheit huineige, woraus doch natürlich selbst der bornirteste Kopf den Schluß zu ziehen versieht, daß, nachdem wir diese Gewohnheit seit achtzehnhundert Jahren abgeftreist haben, die Wiederherstellung des ehemals nur geduldeten Opferdienftes als einer ursprünglich heidnischen Sitte dem Allerheiligften mißfallen müsse — derselbe Maimonides, auf dessen breiter Schulter die sogenannte Orthodoxie ihre Purzelbäume schlägt und Chilukimtänze aufführt, auf dessen Aussprüche eure Verketzerungssucht als auf heilige Orakel sich beruft, er ist also nach eurem Urtheile ebenfalls ein Leugner der göttliechen Offenbarung, ein Verhöhner des dritten Buches Mosis! Ihr wollt ferner in meiner Aeußerung, die messianische Hoffnung sei auf geistige Wiedergeburt gerichtet, die Leugnung des persönlichen Messias nachgewiesen haben. Damit habt ihr aber nur das bewiesen, daß ihr, wie es den echten Morena s ziemt, kein deutsches Wort versteht. Wer die aus den Protokollen (S. 75) zitirte Stelle im Zusammenhänge liest und begreift, der sieht auf den ersten Anblick, daß die geistige Wiedergeburt hier blos den politischen, keineswegs aber den persönlichen Messias ausschlicßt, wel-

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