Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1846)
- Date
- 1846-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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cher, obgleich vonHLllelin dem Ausspruche b«l^b mü72 *p« geradezu geleugnet, von keinem Einzigen in den beiden Rabbinerversammlungen in Abrede gestellt und von Einigen sogar kräftig vertreten wurde. Wäret ihr wahr und ttdüch, so hättet ihr das Ding beim rechten Namen nennen und dtzrr Unglauben an den politischen Messias zum corpus delicti machen müssen, anstatt denselben aus gewissen zarten Rücksichten zu Lgnoriren; allein wie ihr aus ReligionkdtnEvligion habt, so scheint ihr auch aus Politik keine Politik zu haben. Ihr stellt mir endlich, da ich in der Rabbinerversammlung einige nicht beweiskräftige talmudische Stellen zitirt haben soll, die schmeichelhafte Alternative, entweder ein *11722 oder arglistiger Verdreher zu sein. (Im Briefe nach Schwerin heißt eS: ich habe mir die Ordination durch ansehnliche talmudische Kenntnisse und durch Verstellung erschlichen, wornach ich meine Hoffnung wenigstens auf die Ansicht *ini72 Ü112 N71 Ü7 setzen konnte; nach der schwabacher Version hingegen ist leider auch diese dahin!) Da nun die Prämisse, welche diesem Urtheile zu Grunde liegt, auf einem Muß beruhet und Abraham Wechsler, der Eohen, wenigstens im Namen eines 22N m?2bn spricht; so muß ich mich diesem Ausspruche nach der hatachischen Bestimmung (Negaim 3) 22N «iniö Bsftn TJnrDb *1:2100 amm n« n«n bKiiö'DTB «im *11N2 *1172« «722 1721« «im «722 *1172« N211I- *NN2 *1721« ohne Zweifel unterwerfen. Wenn ihr jedoch weiter schließt, weil ich vor 12 Monaten einen solchen Fehlgriff als Amhaarez oder Kopher that; so müsse ich mir vor zwanzig Jahren die Morenu vom fürther Rabbinate durch Heuchelei erschlichen haben; so muß wvl jeder vernünftige Mensch an der Gesundheit eurer Logik und eurer Moral zweifeln. Ein solcher "J1Z3E2 117272 mag allenfalls einem Possenreißer oder seichten Ehilukimsager nachgesehen werden; aber vor den Schranken des öffentlichen Gerichts die Eristenz eines Verbrechens dadurch beweisen zu wollen — wie soll mandas wol nennen? Zeigte ich mich in der Rabbinerversammlung unwissend, so trifft eure schwere Anklage des Betrugs nicht nuch, sondern das sürther 12, welches mir ohne Verletzung seiner heiligsten Pflichten nicht eher ein Maturitatszeugniß ertheilen durfte, als bis ihm meine Befähigung außer allem Zweifel gestellt warmer h euch el n laßt sich wol, wie manche Herren nur zu gut wißen, die Frömmigkeit, nicht aber die Fähigkeit. Zeigte ich andern Falls im vorigen Jahre meinen Unglauben, so konnte ich ja innnernoch vor zwei Dezennien gewiß eben so rechtgläubig wie ihr selbst gewesen fein und z. B. Schulinantel und breite Haube für die Hauptzicrden der jüdischen Religion gehalten haben! Was habt ihr also in beiden Fällen bewiesen? Nichts weiter —- als eure Fähigkeit zu lügen; als eure Gewissenlosigkeit, die freche Verleumdungen in die Welt hinaussendet, ohne auch nur einen Schatten von Beweis dafür aufbrlngen zu können, als eure nur' mächtige fanatische Wuth gegen Alles, was nicht zum Hamburgerischen Trosse gehört. , Läge jedoch dieser Vcrfolgungssucht bloß jener religiöse Fanatismus zu Grunde, der vor mehreren Jahren die Fürsprache Rothschilds dafür gewinnen wollte, alle der fortschreitenden Richtung angchörenden Rabbinen Baierns, wie dies in Bezug auf den würdigen Herrn I)r. Löwi wirklich geschehen, als Aufwiegler gegen den König mit Erfolg zu denunziren, und sich sogar nicht entblödet, mit den größten Feinden unsrer Religion, mit den christlichen Missionären, zur Hemmung religiöser Entwicklung gemeinschaftliche Sache zu machen — sie hätte dann weuigitens das Verdienst, nicht neumodisch zu sein; denn sie hat nie ein so irröligiöses und neumodisches Ding, wie das Herz, besessen und gebietet ja von jeher Mord: und Todtschlag der Ketzer selbst an einem auf den Sabbat fallenden Versöhnungstage; sie wäre ferner im gegenwärtigen Falle um so erklärlicher, als Herr Hamburger nach seiner scharfsinnigen Weise das pnin Iplö *12172 wahrscheinlich überseht: du sollst dich von deiner Lüge ferne halten, d. h. sie an einen vom Verleumder und Verleumdeten weit entfernten Ort hinWevdern, damit sie nicht so leicht an den Tag^ommen mögd; Mein bei Herrn Hamburger wurzelt die Verftllgung-sucht keiNeswegS in religiösem Fanatismus, sondern rein im Geblüte; sie ist sein LebenSodem, sein innerstes Element und gleichsam ihm angeboren: denn sie verschonte nie selbst diejenigen, die er als Zierden Israels — wenigstens innerlich — anerkennen mußte. Den ehemaligen fürther Rabbi Salemon Kohen seligen Angedenkens, diesen wahrhaft Heiligen und mit den edelsten Tugenden Geschmückten, dessen Tod Herr Hamburger in einer sehr umfangreichen und — beiläusig bemerkt — auch in exegetischer Beziehung außerordentlich lehrreichen Trauerrede auf das Tiefste zu betrauern schien, nannte er bei Lebzeiten Salmeli Kohn, so wie den weltberühmten Rabbi Abraham Bing zu Würzburg — das Rifle; seine Tyrannei gegen die ehemaligen Mitglieder des weltberühmten sürther l'h kannte - das weiß ganz Fürth — gar keine Grenzen. Vom ersten Rabbi Falkenauer, einem Manne, dessen talmudische Gelehrsamkeit an Fülle und Tiefe nur mit der eines Eibeschitz und Landau sich vergleichen ließ, dessen ganzes — leider so schwergeprüftes — Leben der strengsten Aszetik geweiht war, der allwöchentlich zwei Tage fastete, selbst während der grimmigsten Kälte das eiskalte mp72 frequentirte und nur den einzigen Fehler hatte, ein großer Geist zu sein und die tiefste Achtung auch vor den profanen Wissenschaften zu hegen — von diesem Manne behauptete Herr Hamburger ohne Scheu: er gehe blos deshalb in die mp?2, weil er mit der Lilith Unzucht treibt; diesen Mann nannte Herr Hamburger einen m und b«lUT 2121D; diesen edeln Pegasus zog Herr Hamburger ohne Ende so tief in den Schmutz ver Verleumdung hernieder, daß jener dem großen Hausen ordentlich Abscheu erregte. Einstens goß der Tiefgekränkte sein bitteres Weh in den Worten gegen mich aus: „Hamburger kostet mich das Leben!" Diese von heißen Thränen begleitete Klage ergriff mich der Art. daß ich mich heute noch der Stelle genau erinnere, wo sie geäußert wurde. Drei Wochen später war er eine Leiche. Jetzt war aber auch aus einmal der m in einen Ehasid, Gaon und Stolz Israels verwandelt. Jetzt schrie Herr Hamburger aus dem Gottesacker in scheinbar grenzenloser Verzweiflung: „Groß wie das Meer ist deine Wunde, 0 Zion, wer soll dich heilen!" Sollte Gott! ich hätte schweigen dürfen, wie ich so lange geschwiegen, aber ihr selbst habt mich zum Reden gezwungen. Zeitliche Interessen hätte ich euch, obgleich Familienvater, gern preisgegeben; aber ihr scheltet mich mit verruchter Zunge vordem Angesichte aller Welt einen Betrüger, Heuchler, ja einen Feind meiner Religion und meiner Glaubensgenossen, für welche ich mein Leben bereitwillig lassen würde — da stehen höhere Interessen aus dem Spiele, da muß der Schleier ein Wenig gelüftet werden, das kann und darf Niemand und am Wenigsten ein Rabbiner auf sich ruhen lassen, ohne Menschen mehr als Gott zu fürchten. Ihr wollt ausschließlich die D'-HD sein, und erweist gleichwol uns sogenannten Rabbinen die Ehre, euch an uns «72272 sein, d. h. uns und unser Theuerstes hübsch zu Grab tragen zu wollen; aber wir weisen eure Ehre zurück und möchten gern, so es Gott gefällt, noch ein Weilchen leben, um nach Vermögen die Laien Pflicht zu erfüllen, dem Tobten int Judenthume ein Grab zu bereiten, und wollen nicht zuwarten, bis wir auch das Lebende, das Heilige, unsere N72l*ri aus dem m*i2pn rP2 verlieren, um hinterher vergeblich schreien und jammern zu müssen: Groß wie das Meer ist deine Wunde, 0 Zion, wer soll dich heilen! Hoppstätten, den 10. Juni 1846. Di*. Einhorn, großherzogl. Landrabbiner. Druck von I. B. Hirschfeld.