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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-29 · Heft 27 (29.6.1846) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 27 (29.6.1846)
Date
1846-06-29
Page
Seite 398 (sequence 10)
Language
German
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sucht. Er giebt darin eine allgemeine Charakteristik der pentatenchischen Gesetzgebung, wobei er die Grundprinzipien und allgemeinen Gesichtspunkte der Gesetze systematisch zusamruenjdM. Alle Gesetze, behauptet er, bezwecken eine Erhebung und Entfernung vom Sinnlosen. Der Geist sei daL Band mit Gott, und der Mensch habe es Ln seiner Gewalt, ob er es loser oder fester machen wolle. — Außerdem enthalt das Werk Materien aus der aristotelischen Philosophie und viele Zitate arabischer Philosophen, die er nach Gelegenheit kritisirt. Als das Denkmal eines freien und unabhängigen Forschergeistes bleibt dies Werk auch jetzt noch von hohem Werth, wenn es auch nicht mehr unserm Standpunkte der Philosophie entspricht. Es verdient um so mehr hervorgehoben zu werden, als es einer Zeit angehört, wo im übrigen Europa noch düstere Nacht herrschte. Sein Einfluß auf die jüdische Kultur war außerordentlich mächtig; es gab Ln allen Zeiten Anregung zu einer freien, geistigen Bewegung im Judenthume. MaimonideS hatte unglaublich viele Anfeindungen gleich nach dem Erscheinen desselben ausflehen müsse. Die französischen Rabbiner besonders verketzerten und verfolgten ihn mit Bannflüchen. Selbst Beffergesinnte rügten an ihm eine zu große Freisinnigkeit. Sie warfen dem Moreh vor, daß, obschon er die Wurzel des Baumes stärke, die Aeste verstümmle und abhaue, daß er, indem er zwar die allgemeinen Rücksichten befriedige, doch das eben so nöthige Spezielle im jüdischen Glauben beeinträchtige. — Doch darf man nicht wähnen, meinte der Redner, daß MaimonideS kein talmudischer Jude oder gar ein Vorläufer, der heut zu Tage sich breit machenden modernen Aufklärnngssüchtigen gewesen. — Der übrige Theil der Sachs'schen Behandlung der jüdischen Kultur- und Literaturgeschichte war eine skizzirte Uebersicht aller folgenden literarischen Bestrebungen des Abendlandes bis in die neueste Zeit. Der Redner leitete dieselbe mit der Bemerkung ein, daß er nicht mehr die Zeit habe, seine Aufgabe zu erschöpfen; er wolle aber das Unrecht nicht begehn, vor dem strahlenden Glanze der arabisch-spanischen Epoche die Leistungen in den anderen Ländern Europas übersehn zu lassen. — In Frankreich blühte Raschi (geb. 1040 in Troyes) mit seiner Schule, den sogenannten Thosaphats. Derselbe hatte zum Vorgänger den durch heilsame Einrichtungen ums Judenthum hochverdienten R. Gerschom, das Licht des Exils genannt. Raschi ist einzig und unübertroffen als Kommentator der Bibel und des Talmuds. Die Eigenthümlichkeit seiner Erklärungsweise besteht darin, daß er mit Zurückdrängung seiner individuellen Ansicht, dir gleichwol Mitarbeiter und hilft, durch Zuziehung aller ihm bekannten vorhandenen Auslegungen älterer Gelehrten den allgemeinen Sinn der- Gedanken, in die er sich versetzt hat, herauszufördern und anschaulich darzustellen strebt. Durch seine zahlreichen Schüler und Freunde verbreitete er auf Jahrhunderte Gelehrsamkeit in Deutschland. Man muß die grauenvolle Finsterniß dieser Zeit in diesen Ländern in Anschlag bringen, um das Geleistete in seinem ganzen Werthe würdigen zu können. Es ist weniger hervorstrahlend, wenn wir die Juden in beffrer Umgebung sich mit Philosophie und Poesie beschäftigen sehen, als wenn wir mitten in der düstern Barbarei wohlwollende und empfängliche Gesinnung für Kulturbestrebungen antreffen. ' Darin liegt die Apotheose des Judenthums, daß es aus eigner Quelle in noch so finstrer Umgebung vor Barbarei sich zu schützen wußte. Dieser Schutz bestand in der Talmudgelehrsamkeit. Von Poesie konnte in Deutschland nicht die Rede sein; sie hatte zu klagen und zu seufzen. Eine Darstellung der damaligen Kulturverhältniffe könnte nur möglich sein bei einer Geschichte des Talmudstudiums. — Zwischen Spanien und Frankreich war die Provence vermittelnd. Dort treffen wir im 12ten bis 13ten Jahrhundert viele Dichter, Philosophen und Gesetzlehrer. In Italien blühte 1206 Nathan ben Jechiel, bekannt durch seinen Aruch. Das von Maimonides geweckte Leben wirkt in diesen Ländern durch alle folgenden Jahrhunderte mächtig fort. Doch erblickt man nirgends Selbstständigkeit und Originalität. An die Stelle der schöpferischen, epochemachenden Thätigkeit trat eine ordnende und sichtende. Es standen zwar noch Männer auf von umfassender Gelehrsamkeit; doch schlossen sie sich einer vorhandnen Richtung an. — Endlich kam die Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) heran, welche die Zersplitterung der Kultur nach allen Gegenden zur Folge hatte. Die Zeit der Reformation bot nichts Erhebliches noch Erhebendes dar. Der lebenbedrohende, zerschmetternde Druck verwandelte sich in einen schleichenden, kleinlich quälenden, der den Juden zwar das Leben ließ, aber jede sichere Regung niederhielt. Es ist allerdings ein Fortschritt, wenn man die Menschen nicht mehr todtschlägt. Aber das war auch Alles, was diese Zeit vor der nächstvergangnen auszeichnete. Im klebrigen blieb es beim Alten. — Mendelssohn und seine Zeit, endlich die Aufgabe der Jetztzeit waren vorzüglich Gegenstand der 12. Vorlesung, als der Schlußbesprechung, die nichts Erhebliches unsrer Aufmerksamkeit darbot. Man müsse, meinte unter

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