Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-29 · Heft 27 (29.6.1846) · p. Seite 395

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 27 (29.6.1846)
Date
1846-06-29
Page
Seite 395 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225471--07840-3238622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

395 auf, zerstörte diesen Glorienschein, zeigte die Pesther Zeitungsredaktion in ihrer nackten Judenfeindlichkeit und züchtigte sie in starken, aber angemessenen Worten. Sie antwortete, wie gewöhnlich solche Judenfresser, mit Jnvektiven, bediente sich Ausdrücke wie jüdische Race, redete die Gesammtheit der Juden per Euch an u. dgl. m. Doch Herr Neustadt griff sie so heftig und kräftig an, daß sie zum Schweigen gezwungen wurde und die Waffen streckte. Der Redakteur der P. Z., der diese gewaltige moralische Schlappe erlitten, E. Glatz (der eigentliche stillschweigende Redakteur, heißt es, sei Herr von Janolim Lretker), ist Protestant und es verdient offene Anerkennung, daß sehr Viele seiner Glaubensgenossen Herrn Neustadt und der Judensache volles Recht wiederfahren ließen. Ja, HerrGrafZay, Generalinspektor sämmtlicher evangelischen Schulen A. C., erklärte sich in einem ungarischen Blatte öffentlich zu Gunsten der Israeliten und des Herrn Neustadt, und äußerte unter Anderm: „Ich glaube im Namen von ,J/u> meiner Glaubensgenossen zu sprechen, wenn ich sage, daß die Juden vollkommen reif zur Emanzipation sind." Zum Danke für das offne, biedere Auftreten des Herrn Neustadt in Sachen des jüdischen Erziehungswesens haben ihm sämmtliche Lehrer der öffentlichen Schulen der Israeliten zu Preßburg eine Dankadresse überreicht, die ich hier mitzutheilen die Ehre habe. Ew. Wohlgeboren! Die kräftigen Worte, die Sie jüngst gesprochen, zur Abwehr der von der Pesther Zeitung gegen die Juden und ihr Erziehungswesen gemachten Angriffe, haben im Herzen eines jeden Israeliten, dem sein Volk und sein Glaube lieb ist, einen mächtigen Anklang, einen tiefen Nachhall gefunden. Von um so größerer Wirkung mußten sie auf jene sein, welche Hebung und Veredlung der Jugend ihres Volkes sich zum Lebenszwecke gemacht, auf jene, die sich der Jugendbildung und Jugenderziehung gewidmet, auf die Lehrer der öffentlichen Schulen. Müssen diese nicht jedes Wort, das für oder gegen die fortschreitende Bildung gesprochen wird, zwiefach empfinden? Und auch wir haben mit tiefer Bekümmerniß jene Anklage, und mit desto größerer Freude Ihre wackere Vertheidigung gelesen. Zwar hat jenes Blatt die Anstalten, an denen wir zu lehren die Ehre haben, ausdrücklich von der Anklage ausgenommen, ja ihnen sogar Lob erthcilt; aber müssen wir nicht ein Lob zurückweiscn, das zur Folie und Unterlage der Verhöhnung unserer Brüder im Glauben dienen soll? Wir wissen es ja am Besten, daß so schwer auch die Last des Broderwerbs auf die Schultern des Israeliten drückt; so sehr er auch sich oft den Bissen Brvd verkümmern muß, um ein redlich, ehrlich Leben zu führen: er doch kein Opfer scheut, um seinem Kinde Unterrricht und Belehrung zu verschaffen. Wir wissen es, daß selbst zur Zeit der größten mittelalterlichen Finsterniß, zur Zeit unsrer strengsten Absperrung und Ausschließung doch das Wort Gottes nie von dem Munde unserer Kinder gewichen ist, daß selbst damals jenes Buch, das von allen gebildeten Völkern als der Born der reinsten, der heiligsten Lehre, als der Urquell der höchsten Weisheit und der erhabensten Sittlichkeit verehrt wird, das Buch der Thora, von unseren Kindern studirt und erlernt wurde. Wie eifrig und angestrengt aber in neuerer Zeit, seitdem die Sonne der Humanität auch uns zu erwärmen begonnen, für die Herstellung und Organisirung der jüdischen Schulen im Vaterlande gearbeitet wird, beweisen die vielen Konkurse zu Besetzungen von Lehrstellen, die fast unaufhörlich die Spalten der vaterländischen Zeitblätter füllen, und wir können außerdem noch für eine Menge von bei uns geschehenen Anfragen um Lehrer für öffentliche Schulen Beweise liefern. Wenn die Bemühungen unserer Glaubensbrüder auf dem Lande weniger fruchtbringend gewesen sind, mögen wol die eigenthümlichen Verhältnisse die Schuld tragen, und dürste es sich bei anderen Konfessionen kaum anders gestalten. Mögen auch die Kräfte unserer Kollegen auf dem Lande minder ausreichend sein, ihr Wille, ihr Streben ist nicht minder gut, und dessen Resultate für ihre Sphäre mehr als hinreichend. Von den einzelnen, in den Dörfern zerstreut lebenden Juden aber eine wohleingerichtete Schule fordern, ist gelinde gesagt eine Thorheit. Wir wissen es Ihnen daher Dank, daß Sie Zweck und Ziel jenes Blattes in's Licht gestellt; wir wissen Ihnen Dank für Ihre warme und kraftvolle Vertheidigug unsrer Sache. Wir wissen Ihnen Dank, daß Sie dargethan, wie es auch in Ungarn Männer gäbe, stets gerüstet zum Kampfe gegen bös. willige und ungerechte Anklage, und wäre der Nimbus, in den sie sich hüllt, auch noch so groß. Sie haben sich daher durch Ihr Auftreten ein Recht er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.