Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1846)
- Date
- 1846-06-29
- Page
- Seite 394 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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394 als Rabbiner fungirten und der ungarischen Sprache mächtig sind, sprach sich zugleich dahin aus, daß ihrerseits der Wunsch dahin geht, daß der liebe Gott unsrer Gemeinde das Glück gebe, den in Ungarn so hochgefeierten Rabbi Löw für sich gewinnen zu können. Die beiden Mitkanditirten waren: Herr M. Zipser, Rabbiner zu Weiffenburg und M. Steinhard, Rabbiner zu Arad. Der Wahlakt unter Vorsitz des hochherrschastlichen Fiskals von Papoy und des Kommissärs von Polluk, im Beisein der hiesigen a-’:r,'“i, der Vorsteher der fwmp man und sonstiger Vertreter und Notablen, war sehr feierlich; — und nachdem die Abstimmung stattfand und laute Eljvn- Rufe erschollen, hielt der hochgelehrte Präses der Wahlkommission an die sehr zahlreiche Versammlung eine Rede, worin derselbe den friedlichen Gemeinsinn der Anwesenden belobte und den Wunsch aussprach, daß der längst entbehrte Friede nun in alle Gemüther einkehren möchte. Sehr ergreifend war seine Hinweisung, daß innere Parteiungen einst die Israeliten um ihr Jerusalem und die Magyaren um ihr Budü brachten. Am 3. dieses begaben sich sogleich die drei ersten Vorsteher, der Komitatsvorstcher und ein Gemeindevertreter nach Groß-Caniffa, um den neuerwählten Herrn Oberrabbiner als solchen zu begrüßen. Sowol die hochwürdige Person des Herrn Oberrabbiners, dessen Empfangsweise so wie die sämmtlichen von Herrn Oberrabbiner geleiteten Institute erfüllten die Deputirtcn mit unsäglicher Verehrung — und überzeugte sich dieselbe, wie es das höchste Opfer des erwählten Herrn Oberrabbiners sei, die hvchstfriedliche, angesehene und wohlorganisirte canissaer Gemeinde zu verlassen, um in eine, wenn auch an Zahl bedeutend größere, jedoch an Wirren und Unfrieden übervolle Gemeinde zu gehen, wo kaum die Keime zu künftigen Schöpfungen vorhanden sind. Nur das religiöse Hochgefühl gottgefälliger Aufopferung konnte unfern neuerwählten Herrn Oberrabbiner hiezu bewegen, daß er ein zur Ernte reifes Feld verläßt, um auf ein braches sich zu begeben, dort Pflanzungen des Herrn anzulegen. Gott verleihe ihm hiezu seinen Segen, und gebe ihm ferner Muth, Kraft und Ausdauer. Noch ist zu bemerken, daß die Aufnahmsurkunde (auf Pergament in wunderschöner Kapsel) als erstes Beispiel in ungarischer Sprache abgesaßt war, so auch das Rückschreiben des Herrn Oberrabbiners Löw an die Gemeinde. Preßbrirg, 10. Juni. (Privatmitth.) Die seit einem Jahre erscheinende Pesther Zeitung hat sich die Juden zum stehenden Thema und Vorwurf gemacht. Sie will Vertreterin der königl. freien Städte, des deutschen Elements sein; dies glaubt sie am Besten dadurch zu zeigen, daß sie in jeder Nummer einen in der feindseligsten Weise gehaltenen Aufsatz oder ein Paar prickelnde Notizen bringt, und stets den Refrän wiederholt: das Treiben der Juden im Vaterlande ist kein Heilsames. Besonders sucht diese Zeitung aus zusammgeklaubten pesther Kriminalmiszellcn herauszuklügeln, daß die Juden verhältnißmaßig mehr Verbrecher zählen als die anderen Konfessionen, und daß die unterste jüdische Volksschicht verderbt sei. Dabei leuchtet aus jeder Zeile die böswilligste Absicht so wie die totale Unkenntniß des jüdischen sozialen und politischen Bestrebens hervor. Unter Anderm hat es ihr beliebt, das jüdische Erziehungswesen in ihr Bereich zu ziehen. Sie gestand zwar zu, daß in Preßburg, Pesth und anderen Orten die Schulen der Israeliten wahre Musterschulen sein mögen, fügte aber spöttisch hinzu, daß dort Rothschilds und Todeskos Geld im Spiele sei, und fragte höhnisch, wie es um die Erziehung der Juden auf dem Lande stehe? Dabei wurde weidlich gegen die jüdischen Journalisten und Redakteure losgezogen, daß sie die Mängel und Fehler der Juden nicht genug aufdecken*). Sie behauptet, man wolle sich dem christlichen Publikum bloß im Sabbatstaate zeigen, wasche die schmutzige Wäsche aber nur eu tumillo aus **), die Juden sehen dem Emanzipationsmessias müssig entgegen, sie aber räth ihnen in sarkastisch bitterer Manier besser zu werden. So gehässig dieser wie alle vorausgegangenen Angriffe waren, wagte doch Niemand eine Antwort, denn die Redaktion hatte sich das Ansehen zu geben gewußt, als wäre ihr Blatt ein Regierungsorgan, als rede sie im Sinne und Geiste eines Höher», und das Opposition-Machen ist bei uns noch nicht ohne Gefahr. Da trat Herr Adolph Neustadt, Redakteur der Preßburger Zeitung, *) Die A. Zeit, des I. hat stets Mängel und Fehler, wo sie sich fanden, gerügt, aber die P. Z. will sie in ihrer Manier pikant und feindlich gerügt haben. An merk. d. Refcr. **) Dann wird sie doch ausgewaschen; aber die Pesther Wäscherin kommt um den ihr so lieben Schmutz. Anmerk. d. Refer.