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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-29 · Heft 27 (29.6.1846) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 27 (29.6.1846)
Date
1846-06-29
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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393 Kollegen, wie verderblich wirkend der häufige Lehrerwechsel auf die Heranbildung unsrer Jugend ist; ihr Alle, selbst die es noch nicht erfahren, könnt euch in die Lage eines treuen Lehrers versetzen, der kaum begonnen mit sorgsamer Hand seine Zöglinge zu warten und zu pflegen, oft der geringfügigsten Umstände halber gezwungen ist, die Liebgewonnenen zu verlassen und sie einem Andern, vielleicht Unwürdigen, zu übergeben; ihr wißt es, welche abschreckende Seiten die schwankende, der Laune Einzelner überlassene Stellung des Lehrers diesem selbst darbietet. Ihr Alle seht also ein, daß eine Umgestaltung des Lehrerwesens nothwendig ist, es bleibt uns demnach nur noch die Frage übrig: wie kann hier geholfen werden?— Der Beantwortung dieser Frage stellen sich allerdings manche erhebliche Hindernisse entgegen. Doch der Gedanke, daß das ganze vorgesteckte Ziel vielleicht nicht zu erreichen sei, darf den wahren Mann nicht abschrecken, Hand an's Werk zu legen. Die Unterzeichneten fühlen es nun wohl, daß sie keinesweges die zu diesem Werke Berufenen sind, daß ihnen nicht die Kompetenz zusteht, die Sache anzuregen. Doch da Alles ruhig bleibt, wo eine Regung doch so nvthwendig ist, da Niemand in die Schranken tritt, wo es ein so erhabnes Ziel gilt, da ist es auch dem Unberufenen nicht zu verargen, wenn er es wagt, sein Scherflein zur Anregung der guten Sache beizutragen. Und somit wollen wir denn, um nicht bloß als die die Wunden Entblößenden, sondern auch als die ein Kräutlein zur Heilung Herbeisuchenden zu erscheinen, hiermit unsre unmaßgebliche Meinung darthun. Gerade jetzt hat man, den erfreulichen Aufschwung der Schulen wahrnehmend, von Seiten der hohen Staatsbehörden angefangcn, die Stellung unsrer christlichen Kollegen mit bedeutenden Begünstigungen zu belohnen, überall geschehen Schritte zur Verbesserung der bestehenden Schulverhältnisse. Jetzt, oder nie ist der Zeitpunkt gekommen, wo es gilt, daß auch wir uns einmüthig für unser längst vernachlässigtes Recht erheben. Darum laßt diesen günstigen Augenblick nicht unbenutzt vorüberziehen. Laßt uns versuchen, ob nicht Etwas zur Realisirung unseres Vorhabens bewirkt werde, wenn von allen Seiten, aus allen Regierungsbezirken unseres Vaterlandes gceignetePetitionen eingereicht werden, in denen die gänzlich vernachlässigte Stellung der israelitischen Lehrer, das aus der Verbesserung der bestehenden Verhältnisse entspringende Interesse des Staats selbst, mit eindringlichen Worten dargethan wird. Gewiß werden sich dann auch edeldenkende Männer genug finden, die unsre gerechte Sache befürworten, und dann wird auch unser humaner König nicht länger anstehen, einem bis jetzt gänzlich außer Acht gelassenen Stande zeitgemäße Verbesserungen zu Theil werden zu lassen. Ja, es wäre dies vielleicht schon längst geschehen, wenn von Seiten der Lehrer je die Sache auf eine geeignete Art beantragt worden wäre. Wir wagen diese Behauptung um so eher, da es uns selbst kasualiter von hochstehenden Personen mitgetheilt worden, daß ein Antrag in corpore keinesweges seinen Zweck verfehlen werde. Wolan denn, theure Kollegen, laßt uns hier einmal die frühere Eintracht, die frühere Einmüthigkeit und Einstimmigkeit durch die wirkliche Thal beweisen. Laßt es uns darthun, daß wir wohl unfern wahren Beruf erkennen, wie es Männern und Israeliten geziemt. B. Alsbach, Lehrer und Kantor in Unna. A. Bonnin, Lehrer und Kantor in Camen. Nachwort des Redakteurs. Wir können die Herren Lehrer nur dringend ermahnen, ohne Zögern, den darin ausgesprochenen Gedanken gerade in diesem Augenblicke zu realist'ren. Bald wird ein Gesetz über die Gemeinde- und Schul-Angelegenheiten der preußischen Juden erscheinen. Eine baldige, gedrängte, klare Bittschrift von Vielen könnte der Sache Berücksichtigung zuziehen. Wir, so viel es an uns lag, haben die Sache der jüdischen Lehrer geeigneten Ortes — zur Sprache gebracht und dringend befürwortet. Oesterreich. Papa, 7. Juni. (Privatmitth.) Der gegenwärtig als Oberrabbincr in Groß-Caniffa amtirende Herr Leopold Löw wurde am 2. dieses in gleicher Eigenschaft für die hiesige Gemeinde gewählt. Schon in den vvrausgegangenen nis-Qw-Feiertagen wurde dessen Anstellung von den hiesigen Vorstehern und Gemeinderepräsentanten verhandelt — und in allen drei Synagogen die stattzufindende Wahl im Voraus bekannt gemacht. — Die betreffende Obrigkeit, welche den Wahlakt anordnete und drei Individuen zu kandidiren befahl, welche bereits in einer Gemeinde

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