Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1846)
- Date
- 1846-06-29
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
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392 können den Eifer, mit welchem dieses zeitgemäße Unternehmen betrieben wird, nur loben und läßt sich aus demselben zugleich der Schluß ziehen, welche Hoffnungen und Erwartungen von demselben gehegt werden. Und in der That, wenn wir gerecht sein wollen, so müssen wir gestehen, daß es hier noch eine große Zahl von Männern giebt, die dem Alten zwar durchaus abgeneigt sind und in ihrem Leben sich auch gar nicht um Talmud und Rabbinismus kümmern, die aber doch, weil sie in ihrer Jugend eine fromme Erziehung genossen haben, etwas mehr vom Herkömmlichen beibehalten wissen wollen, als es im Tempel der Reformgenossenschaft der Fall ist. Zwar weiß noch Niemand wie der Gottesdienst in der neuen Synagoge beschaffen sein wird, doch gerade aus diesem Grunde kann sich ihn jeder nach seinem Geschmack einrichten. Daß aber bedeutende Reformen in Aussicht stehen, läßt sich schon aus der ganzen Gestaltung der hiesigen Zustände entnehmen, und geht dies auch noch besonders hervor aus der Opposition, welche Herr vr. Sachs gegen die anderen beiden Nabbinatsassessoren allmalig zu machen anfängt. Zeugniß hievon giebt ein Ercigniß, das an sich höchst unbedeutend, Manchem kaum der Rede werth, ja von einer Stadt wie Berlin sogar lächerlich erscheinen wird, das aber nichtsdestoweniger hier großes Aussehen gemacht hat und bis zu dieser Stunde in vielen jüdischen Kreisen das Tagesgespräch bildet. Eine wohlhabende Familie verlangte nämlich, daß ihre Tochter in der Synagoge getraut werde, wahrend dieser Akt sonst nur in dem Vorhofe vorgenommen wurde. Herr Rabbiner Oettinger schlug dies Ansuchen aus. Die Familie wandte sich an den Vorstand, dieser an Herrn vr. Sachs, der sich bereit erklärte, die Trauung in der Synagoge zu verrichten. Da nun Herr Oettinger einsah, daß ihm sein Widerstand nichts helfen wird, so glaubte er nichts Besseres thun zu können als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und traute daher höchsteigenhändig. Es versteht sich von selbst, daß diese erzwungene Reform, wenn das schöne Wort also zu mißbrauchen erlaubt ist, große Erbitterung bei der orthodoxen Partei hervorgerufen hat, zumal da böse Zungen die Meinung zu verbreiten suchen, daß die ganze Sache abgekartet gewesen sei. Die Reformgenossenschaft hatte den 18. d. M. eine Generalversammlung, in der aber bloß die Wahl eines Chorführers zu Sprache kam; da nur ein Bewerber da war, so wurde er natürlich von der Versammlung bestätigt. Sein Gehalt beläuft sich, wie man hört, nur auf 350 Thlr. Die Generalversammlungen zur Wahl eines ersten Predigers und zur Gründung einer Religionsschule werden binnen Kurzem stattsinden. Schließlich will ich noch die erfreuliche Nachricht mittheilen, daß die Stadtverordnetenwahlen, so weit sie bisher bekannt geworden sind, ein höchst günstiges Resultat für die Juden liefern. Unna (Westphalen), 18. Juni. (Privatmitth.) Ein wohlgemeintes Wort an die israelitischen Lehrer Preußens. Das Assoziationsstreben, welches sich jetzt von so manchen Seiten, in den mannigfaltigsten Sphären kund giebt, ist das schönste, erhabenste Zeichen der Zeit. Nicht mehr ist die Wahrheit und die Begeisterung für das anerkannt Bessere das ausschließliche Gut Einzelner, sondern cs sind solche Gesinnungstüchtige schon in großer Anzahl vorhanden, sie sind selbst zu einem Publikum geworden und darum fühlen sie das Bedürfniß, sich gegenseitig in ihren Begriffen und Meinungen aufzuklären, zu erweitern, zu berichtigen. Insbesondere aber ist da das Streben nach einem einigen Zusammenwirken als heilsam zu erkennen, wo demselben ein längst gefühltes Bedürfniß, eine anerkannte Nothwendigkeit zu Grunde liegt. Betrachten wir nun in dieser Hinsicht unsre Stellung als Jugendlehrer. Daß gerade auf diesem Felde sich Vielerlei findet, was nothwendigerweise einer Umgestaltung bedarf, wird Jeder, der irgend eine Bekanntschaft mit den Verhältnissen der Lehrer hat, zugeben. Eben so unzweifelhaft ist es aber auch, daß Manches nicht durch augenblickliche Abhülfe beseitigt werden kann, daß es vielmehr der Entwickelung der Zeit anheimgestcllt werden muß, wann und wie die Hülse gebracht werden kann. Jedoch ist es insbesondere ein Umstand, der unsers unmaßgeblichen Erachtens noch lange nicht genug gewürdigt ist, der es aber verdiente, einmal zum Vorwurfe ernster Disquisition genommen zu werden, und der sicher zu höchst beachtenswerthen, nicht ohne Einfluß auf die Heranbildung unsrer Jugend, so wie auf die günstigere Stellung der Lehrer selbst bleibenden, Resultaten führen würde, nämlich: die schwankende, der Willkühr Einzelner überlassene Stellung der Lehrer. — Ihr wißt es, theuerste