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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-22 · Heft 26 (22.6.1846) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 26 (22.6.1846)
Date
1846-06-22
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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384 (erschien auch von Wort zu Wort im 5eleokor) zu übersetzen und Sie um die Aufnahme desselben zu bitten. Der Verfasser ist Graf Zay, Superintendent der gesammten evangelischen Glaubensgenossenschast Ungarns. „Ein in No. 666 d. Bl. mitgetheilter Artikel klagt einen evangelischen Prediger des Judenhasses an, und zwar in einem Tone, als wäre die Meinung dieses einzelnen Predigers auch die der ganzen Genossenschaft. In Folge meiner Stellung halte ich es für meine heilige Pflicht, der hiedurch zu verbreiten beabsichtigten falschen Meinung entgegenzutreten, und wage es, die nicht nur meiner Wenigkeit eigenen, sondern dem größten Theil der unter meinem Protektorat stehenden Glaubensgenossen gemeinschaftlichen Gefühle und Ansichten in Angelegenheit der Judensache, dem werthen Publikum kurz auseinander zu setzen. Die evangelischen Glaubensgenossen Ungarns sind nicht einverstanden mit denen die behaupten, „daß die Emanzipation der Juden dem christlichen Staatssysteme widerstreitet, weil es diesem als eine unerläßliche Pflicht erscheint, die Gefühle der Liebe, der Humanität und der Aufopferung, welche die christliche Religion lehrt und in ihren Bekennern erweckt, bei jedem Bürger vorauszusetzen/' und zwar deswegen nicht, weil sie wissen, daß auch die jüdische Religion in dieser Hinsicht von den Gefühlen ihrer Bekenner dem Lande eine ähnliche Garantie als die christliche Religion giebt, daß auch jene die Grundsätze der Liebe und Selbstaufopferung lehrt und diesen entsprechende Gefühle unter ihren Bekennern verbreitet, und so, wer den Staat und die Kirche von einander geschieden aufzufassen vermag, wer, von dem Bürger vorzüglich Moralität fordernd, die Religion der vollkommnen Gewissensfreiheit überläßt, der kann über die politische Verbesserung der Juden nicht im Zweifel sein. Wenn nun aber auch die Ideen des christlichen Staates zur Richtschnur aufgestellt werden, dann muß sich auch das Verfahren mit den Juden auf den wahren Grundsätzen des Christenthums gründen, welche in folgenden Worten des Apostel Paul ausgedrückt sind: „die Beschneidung oder Nichtbeschneidung sind nichts, sondern die Befolgung der göttlichen Gebote wird verlangt." Die Evangelischen Ungarns sind nicht einverstanden mit denen die sagen, „daß die Juden zur Ausübung konstitutioneller Rechte noch nicht reif sind, weil sie sich durch ihr bürgerliches Leben und ihre Denkungsweise von den übrigen Konfessionen separiren;" — und darum nicht, weil es eine natürliche Folge dieser Behauptung ist, daß die Juden der Willkühr unterworfen bleiben sollen, als wenn die Willkühr zur Freiheit und zur Bildung führte. Es ist wahrlich eine sonderbare Folgerung: man stößt den Menschen in den Kvth, er wird ganz schmuzig und muß so lange von der gebildeten Gesellschaft ausgeschlossen bleiben, bis er sich nicht gereinigt hat, aber hierzu wird ihm das Wasser und die Bürste versagt. Die Juden separiren sich blos deshalb von den Christen, weil sie durch grausame Verfolgung und Ausschließung von der bürgerlichen Gesellschaft genöthigt waren sich hinter ihre religiösen Gebräuche und ihre Nationalität zurückzuziehen und sich mit dem Partikularismus zu verschanzen. Wenn man aber jetzt in der Zeit der Humanität und der Duldung im Geiste dieser beiden mit ihnen verführe, werden solche schützende Scheidewände unnütz werden und sie selbst werden selbe niederreißen. Die Evangelischen Ungarns können mit denen nicht übereinstimmen die sagen, „daß bevor ein Gesetz zur Emanzipation der Juden gebracht würde, müsse man erst die übrigen mit bürgerlichen Rechten nicht versehenen Klassen befreien;" — und zwar deshalb nicht, weil sie in dieser Aeußerung nichts als süße Worte, d. h. eine in Philanthropismus gehüllte Engherzigkeit erblicken; denn wenn einst die gesetzliche Befreiung der Unterthanen zur Sprache kömmt, wird es wieder heißen: die Bauern sind zur vollkommnen Emanzipation noch nicht reif, und vielleichtauch, daß man erst die Juden emanzipiren müsse. Die Evangelischen Ungarns sind mit jenen nicht einverstanden die sagen, „daß die Juden sich nicht mehr zu beklagen haben, da die ungarische Legislatur bis jetzt ihr Schicksal genugsam gesichert hat;" — und zwar darum nicht, weil sie, überhaupt alle theilweisen Verordnungen verwerfend, es für schädlich halten die Juden in eine solche Lage zu versetzen, daß sie in dem beschränkten Kreis der Konkurrenz mit verstellter Rechtschaffenheit an den Christen sich rächen können, anstatt daß man ihnen durch eine vollkommene Anordnung den Weg zur vollkommenen Vereinigung mit unsrer Nationalität eröffnete; denn je weniger den Juden die Entwickelung verwehrt wird,

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