Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-15 · Heft 25 (15.6.1846) · p. Seite 368

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 25 (15.6.1846)
Date
1846-06-15
Page
Seite 368 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225469--07811-3238591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

368 bloß um eine Stimme, und Frankel hätte seinen Rückzug nicht halten können! Jetzt tritt nun Herr Bodenh. mit großen Phrasen auf. Dock es sei: es sind dies Alles Armseligkeiten, über die der Stab bald gebrochen sein wird. Der Eine kommt, um, sobald er erst eine Pfründe hat, nicht wieder zu kommen. Der Andre kommt, um wieder davon zu laufen. Die laufen nun wieder zusammen, um was Apartes zu machen. Ist das Ernst? ist das Wissenschaftlichkeit? Ist das moralische Würde? Kinderei, Versteckspielen. Und damit glaubt man der Zeit Sand in die Augen zu streuen? Damit den Gang der Entwickelung zu beherrschen? Es ist lächerlich und fade zugleich. Deutschland. Hannover, 1 Juni. (Privatmitth.) Die „zur Errichtung einer Bildungsanstalt für jüdische Lehrer" ernannte Kommission hat einen zweiten Aufruf erscheinen lassen. Seit dem ersten, im Januar erschienenen sind einige Tausend Thaler Beiträge eingegangen, so daß bereits 1600 Thaler Gold und 1600 Thaler Kour. zinslich belegt worden sind. Die Provinz steht der Residenz sehr nach, indem in dieser 2000 Thlr. und vom KriegsagWten Cohen 1000 Lhlr. Gold dargebracht wurden, von auswärts, wie Frankfurt a. M., Berlin, Kassel, London fast 300 Thlr., aber aus der Provinz kaum 900 Thlr. Da aber durch obige Fonds das Institut doch immer schon eine Zukunft hat, so läßt sich erwarten, daß die Gaben sich baldigst mehren. Kassel, 23. Mai. 163 Mitglieder der israelitischen Gemeinde haben bei dem Borstande darauf angetragcn, Fasse! zu berufen. Da nun Hirsch aus Emden nach Mähren kommen wird, so werden Deutschland und Mähren mit den beiden Männern tauschen. Aus Baicrn, 31. Mai. (Privatmitth.) Als zu Anfang dieses Jahrs unsere Stände zusammentraten, da regte sich's mächtig unter der israelitischen baierschen Bevölkerung und es war erfreulich wahrzunehmen, wie nicht nur in gebildeten Kreisen, sondern auch in den mindergebildeten, obschon man sich in diesen von den zu erlangenden Rechten mitunter sonderbare Begriffe machte, Alles aufgeboten ward, um den Landesvertretern unsere gedrückte Lage und unsere Ansprüche in den beredtesten Ausdrücken an's Herz zu legen. Schöne, inhaltsschwere Petitionen liefen ein, die fast alle, ein ungeheurer Fortschritt gegen frühere Zeit, aus jüdischen Federn geflossen waren. Unter den Personen, welche sich durch aufopfernden Eifer hervorthaten, sind zu nennen: die Herren von Hirsch in Würzburg, Joseph Kohn von Mt. Erlbach, Heinrich Neumann von Pappenheim und die Herren Rabbinen vr. Adler in Kissingen und Rosenfeld in Bamberg. Die desfallsige Vorstellung des letztgenannten Nestors unserer wissenschaftlich gebildeten Rabbinen hat selbst in der Kammer ihren Lobredner gefunden. Gleichwol mußte Jeder, der mit dem herrschenden Regierungssystem nur einigermaßen vertraut war, der sich in's Gedächtniß rief, daß unseren Ständen die Initiative nicht zusteht, der die durch eine stiefmütterliche Gesetzgebung bezüglich unsrer, erzeugte christliche Volksgesinnung kannte, die hinwiederum durch manche Erscheinung unsrerseits eine nicht empfehlende Folie erhielt: der konnte ohne Prophet oder Sohn eines Propheten zu sein, sich nur einen geringen Erfolg versprechen, der durfte es, wollte man das Volk nicht mit leeren Hoffnungen einwiegen, aussprechen, daß alle diese schönen Bestrebungen, die vielfältigen Opfer leider einer zur Zeit verlornen Sache gebracht werden. Dies sprach auch Schreiber dieses in d. Bl. unverholen aus. Das hat man mir aber gewaltig übel genommen und andere Blätter haben deshalb Seitenhiebe austheilen zu müssen geglaubt. Besonders gebehrdet sich der Korrespondent eines gewissen Blattes gleich manchem bösen Weibe, die immer schweigen zu wollen vorgiebt, während ihr böses Maul von Schimpfreden überfließt. So spricht immer auch jener vom Schweigen über diesen Gegenstand, während er selbst fortwährend veröffentlicht, was er nur darüber weiß. Jetzt vermögen wir den wirklichen Erfolg zu übersehen: die Stände haben gesprochen und beschlossen, der Landtagsabschied ist erschienen und unsre Sache ist auch nicht um ein Haar breit weiter gerückt. Ueberschauen wir nochmal die Vorkommnisse. Petitionen aus allen Kreisen liefen ein, einzelne Ständemitglieder haben sie sich als Anträge angeeignet, gewiß eine erfreuliche Erscheinung. War es an und für sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.