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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-15 · Heft 25 (15.6.1846) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 25 (15.6.1846)
Date
1846-06-15
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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367 treten und in ihrer Begegnung mit der Philosophie der Gegenwart eine eben so hervorragende Stellung «innehmen werde, wie in der Blüthenzeit der Philosophie der Araber unter der Herrschaft der Weltweisheit eines Aristoteles, und mein fester Vorsatz war es, allen späteren Versammlungen beizuwohnen. Doch bald machte sich unter der Majorität der Versammlung eine Richtung bemerkbar, mit der ich mich aus Ueberzeugung nicht befreunden konnte, die im vorigen Jahre schon manchem Beförderer des gemäßigten Fortschritts zum Austritt aus der Versammlung Veranlassung gab, und die allem Anscheine nach durch den Einfluß, den das neue Institut des berliner Reformvereins unverkennbar auf die Rabbinervcrsammlung übt, an Macht und Ausdehnung gewinnen dürfte und wenn die meisten Mitglieder einer Versammlung die zur Berakhung vorliegenden Fragen nicht vom Standpunkte des positiv-historischen Judenthums beurtheilt wissen wollen, was vermag eine Stimme in die Wagschale zu legen? Ihre gerechten Wünsche sollen aber nicht vergeblich an mich gerichtet worden sein; Ihre Hoffnungen werde ich nicht vereiteln; Sie hegen zu mir das Vertrauen, daß mir die Kraft inwohne, für das Wiederaufblühen des Judenthums zu wirken, nun so will ich auch an der Regeneration desselben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln arbeiten und gereicht es mir zum besonder» Vergnügen, Ihnen mittheilen zu können, daß wir, Herr Or. Frankel, Oberrabbiner zu Dresden, ich und noch andere gleichgesinnte Männer, entschlossen sind, eine Rabbinerversammlung im gemäßigten Sinne in's Leben zu rufen, deren erste Sitzung, so Gott will, schon im Laufe dieses Sommers abgehalten werden soll. Genehmigen Sie das Versprechen, daß ich ein treuer Anhänger dieser Rabbinerversammlung sein werde, die auch nichts anderes bezweckt, als die Aufstellung reiner Glaubensprinzipien, die Läuterung der Zeremonialgcsetze, die Veredelung des Gottesdienstes und die Erfüllung jener großen Worte eines Jesaias: das Volk, welches in Finsterniß wandelt, sieht ein großes Licht. Unter dem Ausdrucke meiner vollkommenen Hochachtung, habe ich Sie zu ersuchen, die übrigen geehrten Mitbetheiligten von diesen meinen Gesinnungen gefälligst in Kenntniß setzen zu wollen. Krefeld, den 12. Mai 1846. Der Oberrabbiner (gez.) L. Boden he im er. Magdeburg, 1. Juni. In obigem Artikel gaben wir die Antwort des Oberrabbinen Bodenheimer an die Petitionäre zu Aachen. Es wurde uns bei Uebersendung derselben mitgetheilt, daß Herr Bod. die Bedingung gestellt, daß sie unverkürzt und ohne Anmerkungen abgedruckt werde. Wir würden bei diesem Vorbehalt sie zurückgewiesen haben, wenn wir nicht bedacht hätten, daß, da wir die Eingabe an ihn gegeben, man uns der Parteilichkeit beschuldigen würde, so wir die Antwort vorenthielten. Wir haben daher die Bedingung erfüllt, und haben nun das volle Recht, mit Einigem in einem besondern Artikel die Antwort zu beleuchten. Wir sind weit davon entfernt, mit Phrasen Krieg zu führen, und lassen daher dieselben ganz auf sich beruhen. Bodenheimer, der auf der ersten Rabbinerversammlung oft genug den Schulchan Aruch als die „Quellen" des Judenthums, bei welchen stehen zu bleiben, bezeichnet hat, wird schon wissen, wie er hiermit die großen Themata, die er in seinem salbungsvollen Schreiben aufstellt, zu Rande bringt. Wir wollen nur an Fakta erinnern. Bodenh. besuchte die erste Rabbinerversammlung, nahm regen Theil an ihr; er ließ sich ohne zu widersprechen, in die Kommissionen wählen, er erklärt, als er abreist, daß er gern der Versammlung beigcwohnt habe; er erklärt, „daß er dieses erkläre, damit jede Verdächtigung von Außen gegen die Versammlung entfernt bleibe." (Protok. S. 63.) Um dieses Vernehmens mit der Rabbinerversammlung willen wird er zum Oberrabbiner in Krefeld erwählt, (so sagen seine Wähler selbst, s. No. 20. S. 293.) Von da ab ändert es sich. Er beachtet die Kommissionen, in die er, ohne es abzulehnen, gewählt worden, gar nicht, er ignorirt die zweite Rabbinerversammlung ganz und gar. Ist dies das Benehmen eines geraden, das Wohl des Judenthums so im Auge habenden Mannes, wie es diese Herren mit süßen Worten breit vor sich tragen? Damals, vor der zweiten Rabbinerversammlung, hatte doch die Reformgenossenschaft noch keine Berührung mit jener gehabt. Es waren dieselben Männer, es waren noch andere „gemäßigte" Männer da; auch Frankel kam. Warum kam Bodenheimer nicht? Wir wollen nur Eines ansühren: wenn Bodenh. gekommen wäre, so wäre die Majorität oder doch die Parität auf Seiten der für die Nothwendigkeit der hebräischen Sprache gewesen, denn es häkelte sich ja

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