Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 24 (8.6.1846)
- Date
- 1846-06-08
- Page
- Seite 358 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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358 auch auf die milden Stiftungen der Israeliten Anwendung finden. Die beste Unterrichts-Methode ist gewiß die eklektische. Die rationale hat eine zerstörende Tendenz, wie sie Herr vr. Geiger in seinem Lehr- und Lesebuche zur Sprache der Mischnah verfolgt hat. Das ist nicht zu billigen, denn 'einmal ist ein blos negatives Verfahren nicht wissenschaftlich *), sodann muß alle Lust und Liebe zu diesem Studium schon beim Beginne unterdrückt werden, wenn der Zweck desselben nur die Erkenntniß sein soll, daß die Gemara nicht die Mischnah, und diese nicht die heilige Schrift verstanden habe, und endlich ist der Geist unserer theologischen Schriften nur dann zu erfassen, wenn man sich ganz in ihre besonderen Eigenthümlichkeiten hinein zu denken vermag. Es sei mir gestattet, ein kleines Beispiel anzuführen. Es liegt mir eben aV 'in vor. Kap. 498, §. 6 wird, nach Maimonides, ausgesprochen: mmo saTa nanujb rwi07a trcna *^nb •’büfc rrTS b^ab Drs. Der Verfasser des ~ite weiß einen Grund nicht anzugeben, warum Maimonides nach dem p"n in der Mischnah (Tr. Bezah 25, a), und nicht nach bh (^n rPTS '■»Btf)/ also gegen den Grundsatz: ■ptap3fi72 '■’S&o bbi ins N^bN, entscheide? Die regelwidrige Dezision läßt sich nicht durch hisiorisch- und philologisch-kritische Hypothesen, sondern einzig und allein durch die den talmudischen Systemen zu Grunde liegende Logik erklären. Es muß nämlich angenommen werden, daß R. Akiba seine Ansicht in Folge seiner Interpretation: 272N722 N72N2 Utes '■»£» W22 b^b (21, b) ausgesprochen hat, und da nach derselben nicht entschieden werden kann (vgl. 'cnn zur letztallegirten Stelle), so wird auch hier seine Meinung nicht rezipirt. Man wird lächeln über diese Erklärungsweise; aber man gebe mir eine andre Erläuterung auf modern wissenschaftlichem Wege! Nur durch Verbindung der alten Manier des Mechanismus mit der wissenschaftlichen Methode kann der Unterricht ertheilt werden. „Der Eklektiker hat den Vortheil," sagt Niemeyer, „das Gute aller Schulen benützen und ihre Fehler leichter vermeiden zu können; er sucht die Winke und Erfahrungen der heterogensten Pädagogen zu vereinigen." Eine dritte Frage aber ist: welche Eltern werden ihre Söhne dem Studium der Lehrwissenschaften widmen wol¬ *) Der Schrift kann ein Werth für die Kritik nicht abgesprcchen, nur sollte sie nicht als Lehr- und Lesebuch ausgegeben werden. Korresp. len, wenn sie die nicht sehr günstigen Aussichten am Ende der mühevollen Laufbahn in Erwägung ziehen? Der Schullehrer erhält ein dürftiges Einkommen, wie es auch dem christlichen Schullehrer stipulirt wird; aber der Israelit kann sich noch weniger mit einem solchen Einkommen begnügen. Bei Mangel und Noth soll er, von Liebe zu seinem heiligen Berufe durchdrungen, unaufhörlich wirken! An den Rabbiner werden unendlich viele Anforderungen hinsichtlich seiner Kenntnisse und seiner sogenannten Gesinnungstüchtigkeit gemacht, und am Ende wird ihm ein verhältnißmäßig ebenso geringes Einkommen bewilligt, während mancher Pfarrer bei einer Dorfgemeinde besser besoldet ist als ein Regierungsrath. Schullchrer-Seminarien und theologische Schulen vermögen daher dem allmälig fühlbar werdenden Mangel an tüchtigen Lehramts- und Rabbinats.Kandidaten nur dann vorzubeugen, wenn man auch Maßregeln ergreift, welche geeignet sind, die betreffenden Stellen gehörig zu dotiren und zu fondiren, denn wir leben nicht mehr in der Zeit, in welcher der glühende Religionseifer alle Hindernisse muthig übersteigt und die auf das Studium zu verwendenden Kosten mit Freude übernimmt, wenn ein sichres Unterkommen nicht in Aussicht gestellt wird. Es müssen auch Stipendien für Studirende ausgesetzt werden, denn einmal sind die Bedürfnisse viel größer als in früheren Zeiten, und dann befinden sich die Söhne aus ehrbaren Familien in einem sehr demüthigenden Gemüthszustande, wenn sie die Kost an fremden Tischen um Gotteswillen erhalten sollen. Ein guter Wille kann aber manches gute Werk anstreben. Mit 50 Fl., die ich von einer Prinzessin rm November 1838 zur beliebigen Verwes düng im Interesse der Gemeinde oder Schule erhalten habe, gründete ich einen Schulfonds, der nunmehr zu einem Kapitale von 1100 Fl. angewachsen ist, aus dessen Zinsen vorläufig die Bücher für die Schulbibliothek und für arme Schulkinder erkauft werden. Ich bewirkte auch ein Legat mit 50 Fl. zur Gründung einer Rabbinats-Stiftung, aber diese bleibt eine Jsops-Pfianze, weil hier dem Wirken die Vermuthuug selbstsüchtiger Absichten entgegenfleht. Sie werden aber fragen, warum ich nicht nach Frankfurt zur Rabbinerversammlung gekommen bin, um meine Wünsche und Ansichten vorzutragen? Ich gebe Ihnen die Antwort, wie ich sie dem Herrn 1)r. Jost unterm 4. Juli v. I. geschrieben habe: „daß die veröffentlichten „Anträge, welche zur Berathung kommen sollen, mit „Recht vermuthen lassen, daß auch die bevorstehende Ver-