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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-08 · Heft 24 (8.6.1846) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 24 (8.6.1846)
Date
1846-06-08
Page
Seite 354 (sequence 10)
Language
German
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354 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 21. Mai. Melodien zu dem israelitischen Gesangbuche, herausgegeben von Di*. E. Kley. Einstimmige Ausgabe für den Schulgebrauch. Hamburg, 1846. — Der kleine Sänger. Eine Sammlung der besten und angenehmsten ein- und zweistimmigen Gesänge, besonders für Schulen. I. Heft. Posen, 1845. — Wenn man gegenwärtig vom israelitischen Standpunkte nur 12 Jahre rückwärts schaut, so kann man sich des fröhlichsten Gefühls, wie nach allen Richtungen auf's Strebsamste so vielen Bedürfnissen abgeholfen worden ist, nicht entschlagen. Damals war nur in Wenigem für das Nothdürftige gesorgt, während man jetzt überall nurdieSchwierigkcit der Wahl hat. Je unangenehmer oft die Zerwürfnisse des Augenblicks auf das aufrichtige Gemüth wirken, desto gewisser sieht man beim Rückblick auf einen vergangenen Zeitraum, die Macht der Zeit das Drängende und Widrige beseitigen, der Vergessenheit übergeben, und hinwiederum eine große Masse des Tüchtigen und segensreich Wirkenden zu bestimmter Benutzung unterstellen. Man verzeihe diese unwillkürlichen Ergüsse bei Beachtung der vorliegenden zwei Heftchen. — Das erstere ist ein Supplement zu der, von uns No. 22 vor. I. angezeigten 4. Auflage des Kley'schen Gesangbuches; es sind meist eigene Melodien, hier zum ersten Male gedruckt, vonLütgert, Heinroth, Bethuel, S. I. Fränkel, Methfeßel, Grönland, Ferd. Hitler u. A., und viele vom gediegensten, eindringlichsten und würdigsten Charakter. Der Herausgeber wünscht aufgefordert zu sein, dieselben zum gottesdienstlichen Gebrauch auch vierstimmig zu ediren. — Das zweite Heftchen, Lieder und Melodien enthaltend, wollte alles Konfessionelle entfernen, um so für alle Jugend brauchbar zu sein. Sind auch die meisten Nummern religiösen und moralischen Inhalts, so ist doch auch die kindliche Welt der Freude und des Spiels nicht übersehen. Texte und Melodien sind aus den bewährtesten Werken gesammelt. Korrespondenz. Hechingen, im April 1846. Salomon Aebi, dcr Theriakolog. — Hiob nnb Faust. — Sigrnaringer Landtag. — Theologische Schulen. (Schluß.) Von der Vergangenheit wenden wir uns zu der Gegenwart. Sie gestaltet sich freundlicher, aber mit den Vorurtheilen schwinden auch viele Gefühle der Pietät. Ich las unlängst in der Augsb. Allgem. Zeitung eine ausführliche Mittheilung über die mit Auswahl herausgegebenen Gedichte von Göthe für Haus und Schule. Göthe für Haus und Schule! Der nicht fromme und nicht sittliche Dichterfürst soll auf Erziehung und Unterricht wirken! Dieses merkwürdige Zeichen der Zeit, in welcher der warme Glaube von der kalten Sonne der Wissenschaft immer mehr verdrängt werden soll, veranlaßt uns, die Quellen aufzusuchen, aus welchen diese Geistesrichtung hervorzugehen scheint. Daß die Philosophie einen großen Einfluß geübt hat, ist unzweifelhafte Thatsache; aber noch größer war und ist die Wirkung der Poesie, denn jene wird nur in den Hörsälen gelehrt, aber diese ist auch in Haus und Schule zugänglich! Sie besticht die Phantasie durch den holden Zauber, den sie verbreitet, und gewinnt durch liebliche Anmuth das Her; für sich. Als die deutsche Poesie sich zu entwickeln begann, gefiel sie sich allein in der griechische Mythe. Die deutschen Klassiker hängen noch mit ganzer Seele an den Lehren ihrer Schule. Wenn Kleist ein Lied vom Frühling singen will, ruft er die heiligen Schatten an, die hohen Gewölbe voll Laub und dunkler schlafender Lüfte, die oft den einsamen Dichtern der Zukunft Vorhang zerrissen, oft ihnen des heitern Olymps azurne Thore geöffnet und Helden und Götter gezeigt haben. Bei Schiller waren die Götter Griechenlands die höchsten Ideale einer glücklichen Weltregierung, während jetzt freundlos, ohne Bruder, ohne Gleichen, keiner Göttin, keiner Irdischen Sohn, ein Andrer in den Reichen deS Aethers herrsche, selig im entvölkerten Gesild, in dem langen Strom der Zeiten ewig nur sein eignes Bild erblicke! Bei Göthe war Ganymed die Personifikation der Idee der Unsterblichkeit. „Ich komm'! ich komme! Wohin? Ach, wohin? Hinauf! hinauf strebt's. Es schweben die Wolken abwärts, die Wolken neigen sich der sehnenden Liebe. Mir! mir! In eurem Schooße aufwärts! Umfangend umfangen! Aufwärts an deinen Busen, allliebender Vater!" Solche Dichtungsarteu haben gewiß zur Verbreitung des Theismus beigetragen. Wenn sich aber die Dichter auf das eigentliche Gebiet des biblisch-metaphysischen Glaubens wagen, so laufen sie Gefahr, auch Elemente zu erzeugen, die diesem Glauben feindselig entgegenwirken. Zu dieser Dichtungs, art dürfte Göthe's Faust gezählt werden. Welches ist die Idee, die dieser Tragödie zu Grunde liegt? Ich glaube, daß Faust ein Seitenstück zu Hiob sein sollte. Göthe wurde älter, er schrieb nicht mehr für die Leser seiner

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