Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-08 · Heft 24 (8.6.1846) · p. Seite 353

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 24 (8.6.1846)
Date
1846-06-08
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225468--07795-3238574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3L3 wodurch seine Entfaltung und Entwickelung einerseits, die Einwanderung Ausländer andrerseits sehr begünstigt wird. Da diese trotzdem schon 1806dom 9. Oktober erlassenen Zirkulare der Landregierung (f. Anhang zur Wiener Zeitung 1806, No. 82), worin einerseits den Beamten verboten wird, keinen fremden Juden ohne besonder» königlichen Konsens einzulassen, andererseits den Juden selbst strengstens aufgeboten wird, keinen solchen Juden, bei Verlust ihres eignen Aufenthaltsrechts, bei sich zu behalten und ihn sogleich der Behörde auszuliefern, — ein Zirkular, das in neueren Zeiten schon mehrere neue Auflagen erlebte —, daß trotzdem die Einwanderung in Ungarn sehr lebhaft, zeigt das sonst unbegreifliche und mit der Vermehrung der christlichen Bevölkerung in gar keinem Verhaltniß stehende Anwachsen der jüdischen Bevölkerung Ungarns. . . . Der gründliche, judenfeindliche Statistiker Ungarns, Schwartner, schrieb schon im ersten Jahrzehnt des laufenden Säkulums von der Anzahl der Juden: „Zusammen in den Städten und in den Flecken und Dörfern auf dem Lande war ihre Zahl im Jahre 1785 75,089; 20 Jahre später oder im Jahre 1805 stieg schon dieselbe auf 127,816; in 20 Jahren also wuchs ihre Summe um 52,727 oder um mehr als -jz. Laßt diese Summe (127,816) in den nächsten 20 Jahren wieder um '/» zunehmen; in 40 Jahren wird sich die erste Zahl der Juden (75,089) beinahe verdreifachen, welches sehr viel ist und mehr ist als ihre Fruchtbarkeit in Egypten." (Statistik, Th. 1. tz. 30.) Der gute Mann würde sich gewiß im Grabe umwenden, wenn er erführe, daß heute Ungarn an 300,000 Juden zählt, ohne daß es — wie er seine Befürchtungen daselbst ausspricht—dadurch zu Grunde gegangen! . . . Die judenfeindliche „Pesther Zeitung" brachte letzthin vergleichende Tabellen der letzten 15 Jahre und machte unter Anderen darauf aufmerksam, wie unverhältnißmäßig, laut Tabellenausweis, die Juden in Pesth zunehmen; — natürlich nicht ohne diese Bemerkung nach ihrer gewöhnlichen Art oder Unart zu judenseindlichen Bemerkungen auszubeuten. Der kestl Hirlap (das Oppositionsorgan) brachte diese Daten nach der Pesther Zeitung, fügte aber mit Bezug auf deren judenfeindliche Bemerkung hinzu: „Manche wollen darin einen Grund finden, mit der Emanzipation zurückzuhalten. Verwirren wir aber die Dinge nicht. Die im Lande wohnenden, hier geborenen Israeliten können mit Recht vom Staate erwarten, all'jener Rechte, die der Nichtadelige genießt, theilhaflig zu werden. . . . Nur müssen andrerseits gegen die zu zahlreiche Einwanderung fremder Juden Maßregeln getroffen werden." . . . Der deutsche Philosoph hat es doch sehr weit gebracht, daß ihm der von ihm so gering geachtete Ungar Lektionen über Menschlichkeit und Gerechtigkeit ertheilen muß. Der geehrte Redakteur der Pesther Zeitung scheint überhaupt vom freien deutschen Denken nichts wissen zu wollen, da er sonst unmöglich — wenn auch Organ der Konservatisten — so sehr an das „historische Recht" klammern würde, demzufolge vielleicht auch jus primae uuciis u. dgl. m. aufrecht erhalten werden müßte. Doch über diese, über ihr Prinzip in unseren Angelegenheiten, so wie über ihre Polemik mit Herrn Neustadt, Redakteur der Presburger Zeitung und der Pannonia, und in ihrer gestrigen Nummer gegen das Sendschreiben unsres verehrten Freundes, Herr Rabb. L., mit Nächstem ein Mehreres. Um für jetzt auf die Zunahme der jüdischen Bevölkerung Ungarns zurück zu kommen. Diese hat nicht nur in der handelbewegten Metropole so unverhältnißmäßig zugenommen (so waren sie 1805 1464 zu 28,096 Nichtjuden, also — 1:19, sind aber nach der letztjährigen Konskription 14,796:96,000 1:6!), sondern auch, wiewol in weit geringerm Maaße, auf dem Lande. So waren sie z. B. in den 80r Jahren des vorigen Säkulums (nach Windisch Statistik) im pesther Komitat ----- 1:135, jetzt (nach dem neuesten Statistiker Henyes) ----- 1:20; presburger Komitat, damals — 1:53, jetzt 1:19; bicharer Komitat, damals 1: 742, jetzt -----1: 69; komorner Komitat, damals 1:97, jetzt ----- 1:30; nergrader Komitat, damals ----- 1:112, jetzt ----- 1: 50, und so in den meisten Komitaten. Man sieht, die Juden nehmen in Ungarn tagtäglich an Zahl und Ansehen zu, und es wäre jedenfalls Zeit, an eine Verbesserung ihrer Lage zu denken, wo das Vaterland dann durch die Einwanderung nicht Juden, sondern Bürger, tüchtige und thätige Ackerbauer, Kaufleute, Handwerker u. gewönne, wo vielleicht auf die leichteste Art dem allgemeinen Schrei der Gegenwart — durch Herbeirufung fremder Kolonisten dem darniederliegenden Ackerbau und der schwachen Industrie auf die Beine zu helfen — Genüge geschehen könnte. . . . Eh». 24*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.