Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 24 (8.6.1846)
- Date
- 1846-06-08
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
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351 genheiten auf die Aufhebung des akademischen Statuts angetragen, welches die jüdischen Studirenden der Philosophie verhindert, auf hiesiger Universität das Doktorexamen zu machen, das Ministerium diesen Antrag aber mit Hinweisung auf das in der Berathung begriffene neue Judenreglement vorläufig ablehnte. Es hat auch noch der Dekan der philosophischen Fakultät, Dr. Bernstein, eine Separateingabe an das Ministerium gemacht, in welcher er namentlich die wesentlichen Nachtheile hervorhob, welche das beregte Statut auf das Studium der jüdischen Studirenden der Philosophie ausübe, weshalb es wünschenswerth erscheine, baß ihnen bis zur Rezulirung der jüdischen Verhältnisse interimistisch gestattet würde, hier das Doktorexamen abzulegen. Das Ministerium konnte sich jedoch nicht veranlaßt finden, von seinem frühern Bescheid abzugchen. Posen, 27. Mai. Gestern Abend ist der um seine Glaubensgenossen so hoch verdiente Sir Moses Montefiorc hier eingetroffen. Heute früh hat eine Deputation der hiesigen israelitischen Korporation diesen hervorragenden Mann begrüßt, und ihm ein splendid aus Pergament gedrucktes und in Sammt prachtvoll eingebundnes Gedicht in hebräischer und deutscher Sprache überreicht, das Sir Moses freundlich entgegennahm. Die hiesigen Israeliten haben sich schaarenweise vor dem Hotel de Buviere versammelt, in der Hoffnung, den berühmten Mann wenigstens s von Angesicht zu Angesicht zu sehen, der keine Anstrengung und kein Opfer gescheut hat, um die gedrückte Lage seiner Glaubensgenossen überall, und besonders in den dem russischen Szepter unterworfenen Ländern, wo ihre Erhebung vorzugsweise noththut, zu lindern. Berlin, 29. Mai. Sir Moses Montefiorc ist gestern Abend mit Gemahlin und Gefolge auf seiner Rückreise aus Rußland und Polen hier angekommen und in einem Hotel unter den Linden abgestiegen. Er wird während der jüdischen Psingstfeiertage hier verweilen. Oesterreich. Pesth, 8. Mai. (Privatmitth.) Lassen Sie sich doch einmal etwas von den Rabbinatsumtrieben in Ungarn erzählen, und Sie werden es sehr erklärlich finden, da trotz dem seit einem Dezennium lebhaft erwachten Geiste und lobenswerthcn Streben der ungarischen Juden doch in unserm Vaterlande besonders in den kleineren Gemeinden Nichts von religiöser Reform recht gedeihen will, und selbst die hie und da auf Anregung Einzelner in's Leben gerufenen zeitgemäßen Institutionen und Einrichtungen es zu keinem Flor bringen, höchstens mühsam fortvegetiren, oft aber auch nach mehrjährigem Hinsterben ganz in's Todtenreich versinken. . . . Wenn irgendwo, so ist bei uns dem Rabbiner ein weites säst unbeschränktes Feld schöner und heilsamer Wirksamkeit eröffnet, da wol allseitig der Wunsch nach Bildung und Reform rege geworden, und dem Rabbiner — der oft der einzige wissenschaftlich Gebildete oder doch der Einzige in seiner Gemeinde ist, der mit philosophischen Studien und einem studicnerzeugten und erfahrungsgereiften Verständnisse der Zeilforderungen ausgerüstet, diese zu würdigen und zu befriedigen weiß — bereitwillig hülfreiche Hand geboten wird, dieselben Zeit und Umständen gemäß zu realisiren, wovon z. B. Kanischa und Arad die sprechendsten Beweise liefern. Und um so schmerzlicher fallt dem Vaterlands- und Fortschrittsfreunde die Wahrnehmung, wie schlimm es mit so vielen Rabbknaten aussieht. Wir wollen für jetzt davon schweigen, daß viele beträchtliche Gemeinden, wie z. B. Altofen, B. Gyarmath, Eisenstadt u. a., theils aus übelangebrachtem Stolze, theils der Gemeindeparteiungen halber schon jahrelang daS Rabbinat unbesetzt und so die geistlichen Angelegenheiten ihrer Kommune verwahrlosen lassen, und wollen wir nur einige Worte von einigen in letzter Zeit mit modernen Rabbinen besetzten Rabbinaten sagen. Nach Szeged in kam vor 2—3 Jahren ein junger gebildeter Theologe, Namens Daniel Silleitzer, als Rabbiner, natürlich nicht durch einstimmige Wahl, da Sz. noch zu viel der Orthodoxen zählt als das ein gebildeter Rabbiner auf allgemeinen Beifall und ungctheilke Anerkennung zählen könnte; genug, er hatte die absolute Majorität und wurde in sein Amt eingesetzt. Mit Stillschweigen übergehend die Chikanen und Plagereien, die der Rabbiner während dieser 2 Jahre stets zu dulden hatte, wollen wir nur das erwähnen, daß er in letzterer Zeit oft schon wochenlang hier verweilte, um seinen Prozeß vor der hochlöbl. Statthalterei zu führen, da seine Gemeinde ihn durchaus wegjagen will. Sein Hauptverbrechen