Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 24 (8.6.1846)
- Date
- 1846-06-08
- Page
- Seite 349 (sequence 5)
- Language
- German
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849 ruhe seinen trefflich ausgearbeiteten Bericht, in dem er als nothwendige Verbesserung deS Kultus die drei Elemente: Aufnahme deutscher Gebete, Begleitung desChoralgesanges mit Orgel und Einführung regelmäßiger Predigten und zwar an den Orten, wo keine Rabbiner wohnhaft sind, von Seiten der Lehrer *), ganz wahr und unwiderlegbar dargestelll und geendet hatte, ergriffen das Wort die Herren Wagner, Rabbiner, Dr. Wolf, Altmann, Rabbinatskandidat, Dr. Kussel, Dr. Eller, Fürst, Rabbiner, ic. re. und der jedesmalige Applaus, der auf die Worte der Redner des Fortschritts folgte, zeigte zur Genüge, daß die Mehrzahl der Versammlung den Geist der Zeit erfaßt und eine durchgreifende, umgestaltende Verbesserung des Kultus für höchst nothwendig erachtet. Eines aber können wir hier nicht ungerügtlassen, da uns der Schluß der Diskussion eine mündliche Entgegnung, zu der wir uns gleich mehreren Anderen erhoben haben, unmöglich machte. Herr Wagner sagt nämlich, als er über die Belehrung des Volkes spricht, daß die Gemeinden an den Orten, wo kein Rabbiner wohnhaft ist, von dem Lehrer Belehrung erhalten sollten, nicht aber wie durch Rabbiner von der Kanzel herab, sondern es seien die sogenannten cwa nnan, bei welchen die ganze Gemeinde versammelt, der passendste und zweckmäßigste Ort und zwar — wie er folgert — weil bei dem in der Synagoge beim öffentlichen Gottesdienst gehaltenen Vortrag Niemand entgegnen könne, was bei den Epn"v3 nicht der Fall ist und was doch sehr wünschenswerth sei. Ist schon diese Behauptung, daß alle Gemeindeglieder bei den sogenannten rman üi“n:ro anwesend seien, falsch, denn das Wort nnan sagt schon an sich, das es ein Verein und nicht die Gemeinde in corpore ist, wie auch in der That nur die Glieder des Vereins erscheinen, so sind sogar bei den in manchen Orten noch gebräuchlichen Gemeindetrm:"’« selten alle Gemeindeglieder anwesend, nie aber das weibliche Geschlecht. Wir müssen gestehen, wir haben alle Herren Redner gut verstanden, nur Herrn Wagner hier nicht. Es ist uns nicht klar, ob derselbe, der doch ein Freund aller Neuerung ist, hier dem alten ^"'«-Lernen das Wort redet. Will er *) Wie dies in Württemberg schon seit Jahren mit gutem Erfolg von der Oberkirchcnbehörde eingcführt ist. das, so schlägt er ja nichts^Neues vor; denn aller Orten, wo ein Lehrer oder sonst ein im Rabbinischen nicht ganz Unerfahrner ist, wird ira gelernt und Herr Wagner weiß so gut als wir, wie es hiebei gehalten wird, wie der Eine sein tnonn naw, der Andre sein und rao ^ipn dabei sagt, der Dritte gar süß schlummert. Sollte Herr Wagner uns dagegen einwenden: Ihr Lehrer haltet gediegene Vorträge, ansprechende, erbauende Reden, so wird sich mehr Theilnahmc zeigen! So fragen wir ihn: Wie vertragen sich hiermit seine vorgeschlagenen so wünschenswerthen Einwendungen von Seiten der Zuhörer? Will er etwa den veralteten b-ivrv wieder heraufbeschwören und eine wie in dem „Maißim und Schnokes" geschilderte Schirsiube schaffen? Zeitgemäße und ansprechende Vorträge werden von manchen Lehrern schon seit Jahren bei den sogenannten gehalten und gottlob auch mit Erfolg, der aber ein noch weit größerer wäre, wenn dieselben in der Synagoge, wo durch den öffentlichen Gottesdienst die Zuhörer schon zur Andacht angeregt sind, statt in den Wohnstuben, wo unmittelbar vor und nach denselben allerlei AUtagsgeschichtchen erzählt, besonders aber die im Laufe der vergangnen Woche in der Handclswelt sich ereigneten Begebenheiten besprochen werden. Böse Zungen wollen aber behaupten, viele Rabbiner unsres Landes wollen das Abhalten gottesdienstlicher Vorträge nur für sich haben. Mehrere Lehrer. München, 23. Mai. Ueber die Verhältniffe der Jsraeliren heißt es im Landtagsabschiede: „Wir haben vor, die Frage: „„Ob und welche Abänderung der über die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen in unserm Königreiche bestehenden Gesetzgebung zeitgemäß und ein Bedürsniß sei,"" in reife Erwägung nehmen zu lassen." Hannover, 23. Mai. In der Sitzung der ersten Kammer am 13. Mai trug der General-Syndikus sieben die Verbesserung der Rechtsverhältnisse der Juden im hiesigen Königreiche bezweckenden Petitionen vor, welche in der Relation und Berathung zu sa inmenge faßt wurden. Sie enthielten, neben der allgemeinen Bitte um völlige Gleichstellung mit den Christen, vier verschiedene Anträge, welche auf den Wunsch des Referenten besonders berathen wurden.