Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-08 · Heft 24 (8.6.1846) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 24 (8.6.1846)
Date
1846-06-08
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225468--07790-3238569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

348 deutschen oder französischen Unternehmer, welche sich um Ucbcrlassung der württembergischcn Eisenbahnen beworben haben, kenne, auch sonst niemals in Verbindung mit ihnen gekommen sei, betrachtet Mohl dieses, als die Gefühlsäußerung eines unruhigen Gewissens, welches fürchtet, das Publikum könne gerade auf die entgegengesetzte Voraussetzung gelangen —: <jiii s’excuse, s’accuse! — Auf den Vorwurf Dr. Weil's aber, daß er sich der unwürdigen, verrosteten Waffe des Judenhasses auf ungeeignetem Felde gegen ihn bedient habe, gicbt Mohl diese — eigentlich erst in ein jüdisches Zeitblatt gehörige — „aufrichtige" Antwort: „Ich betrachte es zwar als ein Unglück für jeden „europäischen Staat, eine israelitische Bevölkerung „von einigem Umfange in seinem gesellschaftlichen „Verbände zu haben, wie ich cs als ein Unglück für „die Israeliten halte, über die Welt zerstreut unter „Völkern zu leben, mit welchen sie vermöge ihres „Glaubens und der dadurch seit Jahrtausenden stereo- „typgewordenen Stammabsonderung, sich nie amal- „gamiren, nie zu einem Volke zusammenwachsen, „bei welchen sie daher auch nie ein wahres und „volles Vaterland gewinnen können. Aber dieses „wechselseitigen Unheils der Zerstreuung der Juden „über andere Völker uncrachtct, oder vielmehr wegen „des auch für die Israeliten darin liegenden Unglücks „würde ich es für eine unsittliche Handlung halten, „einem Israeliten seine Eigenschaft als solchen in's „Gcdächtniß zu rufen oder das Publikum an diese „Eigenschaft zu erinnern, wenn die Handlungsweise „oder eine bestimmte, gegebene Handlung eines Jsrae- „liten nicht eine solche ist, welche in die Kategorie „der so Vielen dieses Volksstammes eigenen gemein- „schädlichcn Wirksamkeit fallt, unter welche ich — „mit der ganzen Welt — den Betrieb oder die Beförderung des Wuchers und die Anpreisung vom „Wucher unzertrennlicher Spekulationen hauptsächlich „rechne, selbst dann rechne, wenn der Beweggrund „hiezu bei dem Einzelnen kein persönliches Interesse, „sondern bloßer israelitischer Körperschaflsgeist oder „das bloße Wohlgefallen an solchen Spekulationen ist." In diese Kategorie der Anpreisung vom Wucher unzertrennlicher Spekulationen fällt, nach Mohl's Ansicht, der Aufsatz des Herrn Dr. Weil, welcher es als größten Fehler der Negierung darzustcllen suche, daß sie die württembergischcn Eisenbahnen nicht von Anfang an Privatunternehmern überlassen habe. „Wo ich sehe" — fährt Mohl fort — „daß mein Vater- „land k. vertheidigt wird, da rufe ich — komme die „Vertheidigung von Juden oder Christen — mit „Freude: hie gut Württemberg all weg! Wo „ich aber sehe, daß cs auf die Vertheidigung der „Spekulation, des Wuchers und der Volksausbeu- „tung abgesehen ist — sehe, daß es von israelitischen „Federn darauf abgesehen ist —da rufe ich und werde „auch ferner rufen: hie gut Israel!" — Aller Augen sind nun auf die Replik des persönlich, wie in seinen Glaubensgenossen schwer beschuldigten Dr. Weil gerichtet in einem Lande, wo man hoffnungsvoll vor den Pforten zu politischer und bürgerlicher Gleichstellung zu stehen glaubt und derartige vorurtheilsvolle Urtheile doppelt schmerzlich empfindet. L. Jebenhausen, 18. Mai. (Privatmitth.) Am 9. Mai d. I. fand die Installation des bisherigen Rabbinatsverwescrs Herz in Folge seiner definitiven Ernennung auf solenne Weise statt, indem nicht nur die israelitische Bürgerschaft, der israelitische Gesangverein viel zur Verherrlichung des von seiner Gemeinde Verehrten beitrug, sondern auch die christlichen Orts- und Bezirksbeamten der Feier durch ihre Anwesenheit eine würdige Weihe zu verleihen wußten. L. Aus dem Badischen, 28. Mai. (Privatmitth.) Am 20. Mai fand in Heidelberg die 2te Generalversammlung des Landesvereins zur Verbesserung der inneren und äußeren Zustände der Juden in Baden statt. Die Gegenstände der Tagesordnung waren: 1) Armenwesen, 2) Verwendung der Oberrathsgeldcr, 3) Verbesserung des Kultus. Die Diskussion ad 1 und 2, an der mehrere schlichte Landleute Theil nahmen, brachte die Abhülfe von Mängeln verschiedener Art unserer Gemeindeverhältnisse in Anregung und bestärkte uns nur fester in der schon längst erlangten Ueberzeugung, daß den Israeliten Badens eine umfassende Gemeindeordnung für ihre Religionsgemeinden nvththue. Der dritte wichtigste und delikateste Gegenstand nahm zur Berathung eine Zeit von 3 Stunden in Anspruch. Nachdem Herr Schriftverfasser Levinger von Karls-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.