Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 24 (8.6.1846)
- Date
- 1846-06-08
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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347 —. Der bekannte Dichter Leon Halevy hat den Ehrenlcgionsorden erhalten. (l’Luiv. israel.) —. Die dritte Nummer der ,guire veriie“ ist erschienen, enthält aber außer dem Anfang eines Aufsatzes über die Orgel, nur Lokales. Deutschland. München, 8. Mai. (Privatmitth.) Bekanntlich haben einige Mitglieder der Abgeordnetenkammer die Resormbestrebungen, die im Judenthume thätig sind, zum Vorwände genommen, um — die Juden nicht zu emanzipiren. Man muß dieses Faktum in unsre Geschichte einregistriren. Wir müssen nun endlich überzeugt werden, daß, wie der Prophet sagt, der Mohr sich nicht weiß waschen und der Pardel seine Flecke nicht verlieren kann, der Jude in den Augen derer, die nach seiner Unterdrückung trachten, niemals einen Grund verlieren wird, um den sie ihn zu knechten vorgeben. So oft haben diese Leute gegen den Separatismus des alten Judenthums, gegen Talmud und Rabbiner» gedonnert, und darin den Grund der Nichtemanzipalion gesucht: jetzt suchen sie das Entgegengesetzte hervor. Wir müssen die Herren freilich bitten, was unsre Religion betrifft, die Nase wo anders hinzustecken. Schon schlimm genug, daß unsere Staats- und Rechtsverhältnisse von ihnen abhängen. Würdig sprachen sich hierüber folgende zwei Männer aus. Herr Dck. Würth: Die neueren Bestrebungen der Juden? Sie bezweckten die Aufhebung nicht des Mosaismus, sondern des Talmudismus, und dieses Letztere scheine ihm gerade erfreulich. Die Juden, habe man gesagt, müßten an dem Positiven festhalten? Positiv sei aber nur die ewige Wahrheit, nicht die Form, die sich mit den Zeiten ändere. (Beifall.) Es gebe in unsrer Zeit Extreme. Man wolle einerseits alles Bestehende über den Haufen stoßen; man treibe aber auch andererseits mit den heiligsten Begriffen ein verwegenes Spiel. Es gebe wahre Todtengräber der Menschheit, die den heiligsten Gütern, wie der Freiheit des Gedankens und des Worts u. s. f. ein Grab graben möchten. Aber eine Scholle Erde könne das Licht nicht decken. Es gebe Menschen, welche die Geschichte überhörten. Wohl. Die Weltgeschichte sei das Weltgericht. Es gebe Menschen, die klug wie die Schlangen, aber nicht einfältig wie die Tauben aus weiß schwarz und aus schwarz weiß machen wollten. (Heiterkeit.) Die, weil sie selbst den Kopf in einen finstern Winkel steckten, glaubten, die ganze We;k sehe nicht. Aber die Macht der Wahrheit dringe doch durch. Auch die Juden wollten einen Fortschritt. Um Fortschritt handle es sich hier. Sie hätten neulich viele Millionen für Eisenbahnen votirt. Das sei auch ein Fortschrittsmittel, und wer wollte dem Rade der Zeit in die Speichen fallen? Der Fortschritt sei nicht aufzuhalten, aber er müsse mit Besonnenheit geleitet werden. Er hoffe, daß in den Juden der bessere Geist sich immer mehr geltend machen würde. Herr Dek. Bauer: Wenn ein Geistlicher in dieser Sache das Wort nehme, so möge die Befürchtung nahe liegen, nach gewissen Beispielen, unnöthige Deduktionen über das Wesen des Judenthums zu hören. Fürchte man dies nicht von ihm. Verwandle sich doch die Kammer nicht in einen Sanhedrin. Die Juden wollten keinen Rath, sondern Hülfe. Er kenne jene Gährung im Judenthum zwar wohl, aber er hoffe, sie werde sich zum Guten wenden. Doch davon sei nicht die Rede. Es gelte die Beseitigung der entehrenden Ausnahmsgesctze, entehrend für die Christen nicht minder als für die Juden. Stuttgart, 18. Mai. (Privatmitth.) Ein zwischen dem Publizisten vr. E. Weil, Kollegialasseffor bei der israelitischen Oberkirchenbehörde, verdient wegen seiner warmen Bemühungen um die Emanzipation der Israeliten seines Vaterlandes, und einem, Anfangs unter dem Schutze der Anonymität versteckten, jetzt mit seinem, der zelcbrirtesten Familie Württembergs angehörigen, Namen, Moriz Mo hl, ausgetretenen Gegner, entstandener Kampf in den Räumen des Vvlksblattes „der Beobachter" über unser Eisenbahnwesen (s. diese Ztg. No. 17) gewinnt immer mehr eine den jüdischen Organen theilweise einzuverleibcnde Gestalt, indem M. Mohl fortfährt, der Schmach des Judenhasses sich als Mittels zu bedienen, um zu beweisen, daß l)r. Weil seinen in den „konstitutionellen Jahrbüchern" erschienenen, den Staatsbau tadelnden, Aufsatz, in ursächlichem Zusammenhang mit der Spekulation von Privatunternehmern geschrieben, die seine Glaubensgenossen sind. Während Dr. Weil am Schluffe seiner Vertheidigung hinzufügt, daß er weder persönlich noch auf irgend einem indirekten Wege die preußischen, englischen,