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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-08 · Heft 24 (8.6.1846) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 24 (8.6.1846)
Date
1846-06-08
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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346 sie erklärt, daß der Beamte, insoweit er sich am Sabbate den Geschäften nicht entziehen kann, seinen Amtspflichten genügen müsse, vorausgesetzt, daß er in andrer Weise, namentlich im Hause, die Weihe des Sabbats herzustetlen bemüht ist," beschränken zu wollen und noch als dritten Vorschlag hinzuzufügen mit Berücksichtigung des von einem jüdischen Oekonomen gestellten Antrages (Protokolle S. 174 und S. 380, 9!o. 23): 3) „Die Versammlung wolle erklären, daß, so sehr sie das Verbot der werktägigen, gewerblichen Beschäftigung am Sabbate geachtet und befestigt zu sehen wünschen muß, sie dennoch den vom Leben gebotenen dringenden Rücksichten insofern zu weichen sich veranlaßt sieht, daß sie die Feldarbeit des jüdischen Oekonomen, sowie den Gewerbsbctrieb eines jüdischen Handwerkers durch nichtjüdische Arbeiter und Gesellen gestattet." Geiger. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 14. Mai. Das neue Zentralkonsistorium hat sein Programm ausgesprochen und zwar seine Wünsche und Meinungen dahin festgcstellt: „1) In einen Ritus, in eine Synagoge, die den Namen „französische Synagoge" annehmen soll, die beiden besonderen Riten zu vereinen, welche jetzt als deutsche und portugiesische bestehen. Diese Bereinigung könnte ohne Hindernisse statthaben, durch die Vermischung der beiden Rituels, durch Einführung derselben religiösen Melodieen in alle Synagogen, und durch Annahme der portugiesischen Aussprache des Hebräischen, da die deutsche gleicher Weise durch Geschmack, Uebcrliescrung und Wissenschaft zurückgewiesen wird. 2) Mehr Glanz, Würde und Ucbereinstimmung unseren religiösen Zeremonicen zu geben, denen wenigstens, welche im Tempel vor sich gehen, die genau genommen den öffentlichen Kultus bilden, und worunter man die Trauungen, die Beerdigungen und die Konfirmationen rechnen muß. 3) Aus unseren Gebeten, öffentlichen und häuslichen, jedes Wort, das in einem unsrer bürgerlichen und politischen Stellung im Schoße Frankreichs, unsres alleinigen Vaterlandes, zuwiderlausenden Sinne ausgelegt werden kann, zu entfernen, und die P iutim, welche maßlos den Gottesdienst verlängern, ohne dem Geiste oder Herzen Etwas zu sagen, gänzlich abzuschaffen. 4) Die Orgel in alle Synagogen zur Feier unserer religiösen und nationalen Feste einzuführen. 5) Den, bis jetzt von der Synagoge ausgeschlossenen, Mädchen eine bestimmtere (plus netto) und würdigere Stellung in unsrer Gemeinde zu geben, indem wir sie in unserm Kultus von ihrer Geburt an durch einen Akt weihen, dessen Form später bestimmt werden wird; indem wir für sie die Zeremonie der Konfirmation obligatorisch machen, und sie am öffentlichen Gebet in unserm Tempel bctheiligen. 6) Ueberall in die Beschneidung die Verbesserungen, welche die Fortschritte der Wissenschaft fordern, einzusühren. 7) Bei Gelegenheit der Trauungen und Beerdigungen jede intolerante Forschung bezüglich der Personen aufhören zu lassen, und zwar durch Annahme des Prinzips, daß jedes Individuum, von einem israelitischen Vater oder von einer israelitischen Mutter geboren, sich selbst als Israeliten bekennt, als ein Mitglied unsrer Gemeinde betrachtet werde. 8) Zu vervollständigen und zu reformiren, wo möglich, den Unterricht der Rabbinerschule in Metz, indem zu den Studien daselbst die eigentliche Theologie, die biblische Exegese, die religiöse Diskussion, allgemeine Begriffe vom bürgerlichen und politischen Recht hinzugesügt, und die französische Sprache für die deutsche in allen Zweigen, wo diese noch in Gebrauch ist, eingeführt wird. 9) Immer mehr und mehr bei den Rabbincn Frankreichs die Ueberzeugung zu verbreiten, daß ihr Amt ein Amt der Liebe ebenso wie der Belehrung ist; daß ihre Pflicht nicht bloß ist, von der Kanzel das Gesetz Gottes zu lehren, und zweifelhafte Fragen zu lösen, sondern Kranke und Trauernde zu besuchen, sei's in den Hospitälern, sei's in den Privathäusern, Trost und des Wortes Wohlthat in die Gefängnisse zu bringen, in allen Herzen die Liebe zu Kenntnissen, zur Ordnung und Arbeit zu wecken." Dies ist das Programm des neuen Zentralkonsistoriums; aber bereits hat sich auch dort die Parteiung desselben als Zankapfels bemächtigt.

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