Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 23 (1.6.1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 342 (sequence 14)
- Language
- German
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1342 von Aufhausen geirrt habe; werde er aber Ehre erhalten, so werde man sagen, daß, wenn schon Salomon Zebi solche Ehre errungen hat, wie erst müßten die großen Rabbiner Israels zu Ruhm gelangen, wenn sie sich auf den Kampfplatz begeben wollten. Uebrigens fühle er sich einer solchen Arbeit gewachsen, weil er durch eignen Schaden klug und erfahren wurde, und Ln fremden Sprachen und Ln den christlichen Religionsschriften nicht unbewandert sei. Freilich wisse er wohl, daß er nicht allen Lesern gefallen werde; aber selbst Moses habe ja nicht Jedermann gefallen können, um wie viel weniger dürfe es Salomon Zebi von Aufhausen erwarten! Er schrieb an alle bedeutenden Rabbiner in Deutschland und in Prag, stellte ihnen die Wichtigkeit des Unternehmens vor, und bat sie dringend um ihre Unterstützung. Sie schrieben ihm zwar aufmunternde Antworten zu, aber luden ihm allein das Joch auf den Hals. Deshalb, sagte er, habe ich, weiß Gott, der Alles weiß, große Mühe und leidensvolle Arbeit, weiten Weg, großes Geld und Versäumniß länger als dreiviertel Jahr gehabt, denn ich habe mein Weib mit sechs kleinen Kindern in Elend bei theurer Zeit nackt und bloß zurückgelassen, und ist nicht auf das Papier zu schreiben, welche Roth und Angst ich und sie seither gehabt haben. Aber ich habe Gott, den Allmächtigen, den man vor allen Menschen lieben, und dem man, wie Abraham, die Kinder lieber opfern muß als seine Befehle übertreten, angerufen, und Weib und Kind Ln den Wind geschlagen, um meinen Traktat verfertigen zu können. Ich habe das Buch mit deutschen Lettern drucken lassen, auf Verlangen von hohen und niedrigen christlichen Standespersonen *), aber auch mit hebräischen Lettern für jüdische Männer und Weiber, damit sich Jedermann in vorkommenden Fällen gegen Christen zu vertheidigen wisse, auch daraus einsehe, welche eine große Sünde es ist, einen Christen zu betrügen mit Worten oder Werken. Die Schrift erschien zu Hanau 1615 in der Druckerei von Elias Ulmo, unter dem Titel: „Jüdischer Theriak" **). *)' Wolf a. a. £). III. No. 576 befindet sich im großen Jrrthum, wenn er übersetzt: ‘naön tpistiab vnj’Oln, exposui in libro illo, quem conlra Clirislianos scripsi. **) Name des von dem Arzte Anthromachus unter Nero erfundenen, aus Schlangenkraut, Vipernfleisch und anderen Bestandtheilen zusammengesetzten Gegengiftes. Vgl. Tr. Sabbat 109, b: -pa ib272 ,'p'ntarm a•»BTWb *pa Tr. Nedarim 41, b: anpro Er schrieb gegen seinen Gegner, wie man immer in jener Zeit schrieb, mit persönlicher Anzüglichkeit und leidenschaftlicher Hitze, denn der Kampf gegen die Sache war ein Kampf gegen die Person. Mit naivem, treffendem Witze beschämte er oft den Gegner durch derbe Anspielungen auf dessen frühem Lebenswandel. Oft hätte er Thatsachen, die er in Abrede stellte, durch den Umstand entschuldigen können, daß auch der Jsraelite eine Galle habe, und daß ja selbst der Wurm sich krümme, wenn er getreten werde. Seine Bitte, daß man ihm die Schrift abkaufen wolle, wenigstens aus Mitleid mit ihm, seiner Frau und seinen Kindern, die er in dieser Zeit der Hungersnoth wegen der Ausarbeitung der Vertheidigungsschrift sich selbst habe überlassen müssen, und in Erwägung, daß ihm die Kosten der deutschen Ausgabe nicht ersetzt würden, sowie in Betracht, daß dieses Werk neu in seiner Art, wie noch keines erschienen sei, wurde nicht beachtet. Er reiste selbst zu den zerstreut wohnenden Glaubensgenossen, um sein Werk abzusetzen, und auf dieser Reise starb er zu Regensburg auf offener Straße — den H ung erto d. Aber die Stimme des treuherzigen Theriakologen war nicht verhallt, selbst nicht in den Stürmen des dreißigjährigen Krieges. Wol hatte das Schlangengift des Argwohns und Verdachtes verderbliche Früchte getragen; aber auch die Theriakologie hatte in manchem Herzen Zutrauen und Leutseligkeit erregt. Im Jahre 1680 wurde das Werk in jüdischen Lettern zu Altdorf in der Universitäts-Buchdruckerei neu aufgelegt, und 1681 zu Nürnberg von dem Prediger und Professor Johann Wülfer mit Anmerkungen herausgegebeu. Eisenmenger hat sich unendlich viele Mühe gegeben, Gegenbeweise herbeizubringen (Entdecktes Judenlhum, Th. I. siehe Register S. 982); aber Eisenmenger hat den Fluch eines schuldlos gedrückten Volkes seinem Namen eingeprägt, und das Andenken Zebi's wird gesegnet, seinem heiligen Eifer wird das Gefühl der Bewunderung und seinem Unglück die Thräne des Mitleids gezollt. (Schluß folgt.) ‘9^‘Tin ■'an Kbp*pb. Richtig schreibt Maimonides (Hilch. Chamez IV. §§. 10. 12) psoin. Tur Or. CH. (wiener Ausg.) Kap. 442: 'pirna. Sch. Ar. §.4: fipar^n.