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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-01 · Heft 23 (1.6.1846) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 23 (1.6.1846)
Date
1846-06-01
Page
Seite 341 (sequence 13)
Language
German
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341 Dettingen, geboren zu Osterberg bei Memmingen, getauft zu Feuchtwangen 1610 nebst Frau und zwei Kindern, eine Schrift unter dem Titel heraus: „Jüdischer abgestreifter Schlangenbalg" *), worin er seine früheren Glaubensgenossen und ihre Religionsschriften von der schändlichsten Seite darstellte, so daß der Unwille gegen sie sehr groß wurde. Salomon Zebi war ein weitgereister und Ln Hinblick auf seine Zeit gebildeter und vorurtheilsfreier Mann. Auf seinen Wanderungen durch „Deutschland und Welschland" hatte er Gelegenheit, mit christlichen Gelehrten, und durch sie mit dem neuen Testamente bekannt zu werden. Oft wurde er in Versuchung geführt, seinen Glauben zu verlassen. Die sogenannte Judeubekehrung wird angestrebt, weil man sie als vollgültige Zeugen für die Echtheit des ChristenthumS gewinnen möchte, wie man etwa die Mitglieder einer vom Throne gestoßenen Dynastie zur Anerkennung der neuen Regierung zu bewegen sucht; dann aber auch, weit man es für ein religiöses Verdienst hält, wie sich, ein Jahrhundert später, eine von dem König Friedrich von Preußen unterm 8. August 1703 in Betreff deS Alenu-Gebetes erlassene Verfügung offiziell ausdrückte: „In Erwägung, daß die Statt- „halter Gottes auf Erden nicht allein die zeitliche Wohl- „fahrt ihrer anvertrauten Unterthanen befördern, sondern „weil dieselbe nicht allein vor diese Welt geschaffen, und „in dem sterblichen Leibe eine unsterbliche Seele tragen, „auch dafür nöthig zu sorgen haben, daß, wo sie nicht „Alle zu Gott bekehret, wenigstens doch ihr Gericht ein- „stenS ihnen nicht schwerer werde — wenn dann in sol- „cher Erwähnung Wir mit erbarmenden Augen das arme „Judenvolk, so Uns Gott in unsern Landen unterwürfig „gemacht, ansehen, so wünschen wir herzlich, daß dieses „Volk, welches der Herr ehemals so herzlich geliebet, end- „lich von seiner Blindheit möge befreyet und mit uns zu „einer gemeinschaft im Glauben gebracht werden rc. rc." (Beck vom Rechte der Juden, Kap. II. §, 1.) Zebi hatte aber seinem Gemüthe den väterlichen Glauben zu tief eingeprägt, als daß er je in demselben hätte erschüttert werden können. Er las die christlichen Religionsschriften offenbar nur in der Absicht, um die Feinde der israelitischen Religionsschriften mit ihren eigenen Waffen zu bekämpfen (— 2'wnw NU VN), was in jeder Zeit als nothwendig erscheint, weil man dadurch mit der Vertheidigung den Angriff verbinden, und den Kampfplatz auf das jenseitige Gebiet verlegen kann, nach der Taktik der Franzosen, die immer den Krieg in daS Ausland wälzten und dadurch in dem eignen Lande Ruhe und Frieden erhielten. Durch seine freimüthigen Aeußerungen schützte er sich vor weiteren Bekehrungsversuchen. Aber der redliche Zebi hatte zuviel Zutrauen zu den Menschen, seine eigenen Freunde betrogen ihn um sein Vermögen. Gleichwol glühte in seinem Herzen das Feuer der Liebe zu seinen unglücklichen Glaubensgenossen, das kein Mißgeschick zu dämpfen vermochte. Die Widerlegung des Schlangenbalges nahm feine ganze Denk- und Thatkraft in Anspruch, so daß er für jedes andre Geschäft untauglich war. Standespersonen hatten ihm bemerkt, daß die in der bezeichneten Schrift den Juden zur Last gelegten Fehler, Laster und Verbrechen nicht unwahr sein müßten, weil sie sonst von einem jüdischen Gelehrten widerlegt werden würden. Wenn auch die Bessergesinnten sie bezweifeln wollten, so sei doch das rohe Volk jederzeit geneigt, das Böse zu glauben. Er kaufte das Buch und las mit Schrecken die gräßlichen Beschuldigungen gegen seine Glaubensgenossen, die dadurch in ein tieferes Elend gestürzt werden sollten. Zebi betheuerte, daß Brenz ein unverschämter Lügner sei. Dieser kam am Vortage des Zerstörungstages Jerusalems im Harnisch und mit Waffen nach Aufhausen, stellte sich vor die Thüre des Hauses, in welchem sein Gegner wohnte, und fragte ihn, wie er es wagen konnte, sein gegen die Juden geschriebenes Buch ein Lügenbuch zu nennen? Werde er seine Beleidigung nicht zurücknehmen und widerrufen, so werde er ihn auf der Stelle tobten* Zebi aber ließ sich nicht aus der Fassung bringen; vor der Menge, die zusammenttef, schalt er ihn einen Lügner und Verleumder, und schwur, daß er seine Behauptung vor aller Welt noch in diesem Jahre in einer Gegenschrift beweisen werde. Der Feige hatte diesen Muth nicht erwartet, und fluchend und drohend zog er sich zurück. Zebi aber kaufte sich Papier, Feder und Diute, und verfaßte seine Vertheidigungsschrift. Er wollte eifern mit der heiligen Glut des Feuereifers wie Elias, der Tischbite, gegen die Baalsdiener; er wollte schreiben mit geharnischten Worten wie Josephus gegen den Griechen Apion, denn schon zu viele Lästerschriften seien bisher in Deutschland erschienen, ohne daß von einem Israeliten eine Vertheidigung geschrieben worden wäre, so daß man zuletzt glauben müßte, die Beschuldigungen seien in die Wahrheit gegründet. Er sei zwar kein wirklicher Rabbiner, aber eben deswegen könne er den Kampf wagen, denn, sagte er, wie nicht p wenn er irren sollte, so werde man sagen, daß nur Salomon Zebi *) Wolfii Bibi. hebr. I. III. No. 2131.

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