Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 23 (1.6.1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 340 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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340 pfehlen, und wissen dem Verfasser für seine eifrigen Bemühungen einen aufrichtigen Dank. Korrespondenz. Hechingen, im April 1846. dalomon 3cbi, der Thenako'og. — Hiob und Jauft — dtgrnaringcr Landtag. — Theologische Schulen. Der milde Frühling ist erschienen, und ich arbeite wieder in meinem freundlichen Zimmer, das eine schöne Aussicht in die freie Natur darbietet. Die Felder grünen, die Bäume treiben Blüthen, die Quellen rieseln, und diese Quellen erinnern an die Pflicht, die Quellen der Vorurteile gegen das Judenthum und des religiösen Jndifferentismus in demselben aufzusuchen. Es ist in diesen Blättern, aus Anlaß des von einem Christen unter dem Namen eines Juden versuchten Mädchenraubes, die Geschichte einer beabsichtigten Ermordung der Israeliten in Dettingen wegen der ihnen zur Last gelegten Tödtung eines Knaben mitgetheilt worden. Steigen wir in die dufteren Schachten der Zeit weiter hinab, so finden wir in Dettingen selbst die trübe Quelle dieser bösartigen Verleumdung. Es bestätigt sich das altjüdische Sprüchwort, daß alles Böse gegen die Juden von Juden selbst herkomme. Bei diesem Anlaß lernen wir aber auch einen Mann kennen, der mit kühnem Muthe und edler Selbstaufopferung die Vertheidigung der Unschuld übernommen hat. Salomo n Zebi war ein würdiger Vertheidigcr seiner Glaubensgenossen. Er verdient es, daß man seinem Andenken eine ehrenvolle Aufmerksamkeit widme. Er lebte zu Aufhausen (nicht: auf Uffenhausen) unter dem Schenkenstein, welches Dorf feit 1806 zu Württemberg gehört, und in das Dberamt Neresheim eingererht ist. Das Jahr 1614 war schrecklich für die Bewohner des Rieses. Mangel und Elend blickten aus allen Gesichtsmienen hervor. Dabei waren die Israeliten in peinlicher Angst, denn sie fürchteten sich vor den Christen. Im Jahre 1384 waren die Israeliten in Nördliugen theils gerödtet und theils vertrieben worden. Diese ließen sich in den umliegenden Dörfern nieder. Greuelszenen wiederholten sich nicht selten, und sie zitterten bei jedem Unglück, das die Christen betraf, denn sie mußten es büßen. Zwar hatte Kaiser Matthias den Schutzbrief bestätigt, aber seine Hülfe war zu ferne, und nur der ewige und einzige Herr und Beschirmer konnte sie vor dem mordlustigen und raubsüchtigen Pöbel schützen. Um jedoch den Schein des Rechtes für sich zu gewinnen, wurden den Unglücklichen Verbrechen angedichtet, und um es wahrscheinlich zu machen, daß die Gedemüthigten und Friedliebenden sich Verbrechen gegen die Christen erlaubten, wurde der Religionshaß als Quelle ihres FrevelmutheS angegeben. Auf den Grund solcher Verdächtigungen ließ sie Kaiser Wenzel aus Prag vertreiben; sie mußten aber vorher den Edelleuten die Schuldscheine zurückgeben, und den Bürgern die Hälfte der Forderungen erlassen. Aehnliche Verfügungen erließen im Jahre 1604 Maximilian, Erzherzog von Oesterreich, Adolf II., Fürst zu Anhalt-Köthen, und andere Fürsten des deutschen Reiches. Es ist also kein Wunder, daß die armen Israeliten des Haardtfeldes in entsetzlicher Furcht schwebten, de^rn von Innen quälte sie der Hunger, und von Außen schreckte sie der Pöbelhaß. Salomen Zebi aber wußte nichts von dieser Furcht. Ein einziger Gedanke beseelte sein ganzes Wesen; er ließ ihn Alles vergessen, was außer ihm vorging. Er war ein hartbedrängter Familienvater. Seine kummervolle Frau forderte Geld, und seine sechs unerzogenen, hungerbleichen Kinder verlangten Brod; aber er hatte weder Geld noch Brod. Die Sorgen rissen ihn schmerzlich Ln das Alltagsleben herab, aber er unterdrückte die Thränen der Wehmuth über das eigne Unglück, denn die Noth feiner Glaubensgenossen erschien ihm größer, und sie zu mildern hielt er für die heiligste Pflicht. Er fühlte sich glücklich in dem Bestreben, seine Gefühle, die sein Herz erfüllten, seine Gedanken, die seinen Geist bewegten, niederzuschreiben. Die Beschuldigung nämlich, daß der jüdische Glaube Haß und Verachtung gegen das Christenthum und seine Bekenner vorschreibe, war von getauften Juden ansgegangen, die, nachdem sie ihren Geld- und Charakter-Kredit bei ihren Glaubensgenossen verloren hatten, durch Anschwärzung und Verleumdung derselben ihr Heil bei den Christen versuchten. In diesem Sinne und zu diesem Zwecke gaben sie Schriften heraus, z. B. Anton Magarita, der ganze jüdische Glaube, 1530 *); Viktor von Carben, Juden- Büchlein, 1556**); Ernst Ferdinand Heß, Inden-Geißel, 1601***); Johann Adrian von Emden, Send- und Warnungsschreiben an die Juden, 1610 -f). Im Jahre 1614 gab Samuel Friedrich Brenz, hochgräflicher Diener zu *) Wolfii Bibi. hebr. I. III. No. 335. **) No. 565. ***) No. 217. f) No. 809.