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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-01 · Heft 23 (1.6.1846) · p. Seite 338

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 23 (1.6.1846)
Date
1846-06-01
Page
Seite 338 (sequence 10)
Language
German
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338 Wanderern nach Nordamerika. Gewahrt man sonst bei Auswanderern die höchste Dürftigkeit an Fuhren, Kleidungen und sonstigem Aussehen, so sah man hier in Allem Wohlhabenheit; ein eleganter Omnibus führt die Gesellschaft bis an Ort und Stelle, wo die Einschiffung staltsindet; Alle, insbesondere die mitgehenden hübschen Juvenmädchen, stattlich gekleidet, verbunden mit einem heitern und muntern Aussehen. Oesterreich. Aus dem Oesterreichischen, im Mai. In der wiener Judengemeinde werden Kollekten für die galizischen und krakauer Juden gesammelt, und dieser Tage sind an die krakauer Judengemeinde 6000 Fl. geschickt worden. Das von mehren deutschen Zeitungen mitgetheilte Gerücht von der Ermordung des Kreisrabbiners Hirsch Chajes und anderer reicher Juden in Zolkiew war auch in Krakau stark verbreitet, es hat sich jedoch nicht bestätigt. Die Polizeivvrschrislen gegen den Aufenthalt fremder Juden zu Wien werden jetzt wieder mit großer Strenge gehandhabt. Prag, im Mai. (Privatmitlh.) Schon lange hat hier nichts die Gemülher so sehr in Bewegung gesetzt, als die jüngst eingelaufene Meldung von den Reformplänen, die der leilmeritzer Kreisrabbiner, Herr Pick, der in dem Badeorte Teplitz wohnt, eben auszuführen im Begriff steht. Unter den Umänderungen, die er vorzunehmen gedenkt, steht oben an die Abschaffung des ti\ welche er in der Art ankündigte, daß er seine Gemeinde von dem Zwange, diese Zusatztage zu feiern, in seiner Eigenschaft als Rabbiner aus der tiefsten Ueberzeugung seines Herzens freispricht. Ob nun diese seine Ueberzeugung auch eine auf positive Gesetze zu bauende sei, darüber abzuürtheilen muß den Männern vom Fache überlassen bleiben*), aber höchst auffallend ist es, wie in einer *) Er steht zu vermuthen, daß diese Angelegenheit unserw hiestgen Rabbinatskollegium vorgelegt werden dürste. So viel wir nun, weuigstenS einen Theil desselben kennen, darf bei ihm die Fähigkeit im vollsten Maste vorausgesetzt werden, sich eine auf wissenschaftliche Basis gegründete Ueberjeugung bilden zu können, nur muß e« diese lieber, zengung auch auSsprechen, und nicht Einflüsterungen oder Gemeinde wie Teplitz, wo den Sabbat-, Speise- und anderen Gesetzen, wie nirgend anders so allgemein, so öffentlich entgegengehandelt wird, sich noch eine heftige Opposition gegen eine Maßregel erheben kann, deren Gründe, ob gut oder schlecht, gewiß nicht alle Opponenten zu würdigen verstehen, und es gewinnt den Anschein, daß man auf das ausschließliche Privilegium, das man sich im Verlaufe der Zeit ange» maßt hat, gegen die religiösen Satzungen zu handeln, so versessen ist, und sich gegen jede gesetzliche Erleichterung so anstemmt, weil man dadurch in dem Vergnügen gegen das Gesetz zu handeln wenigstens theilweise verkürzt wird. — Wie man vernimmt beabsichtigt Herr Pick auch eine Abänderung des bisher üblichen Gebetbuches, und ohne Zweifel werden sich die Frommen und Nichtfrommen nach ihren verschiedenen Abstufungen, je nach den Eingebungen eines blöden unbedingten Widerspruchsgeistes oder frommer, wissenschaftlicher Ueberzeugung dagegen erheben, und es wird auf den innern Werth des projektirten Gebetbuches ankommen, ob es sich halten kann oder nicht; jedoch wäre einstweilen Herrn Pick zu rathen, mit Reformen in den Gebeten, deren Form und Inhalt, sei es aus Gewohnheit oder klarer Erfassung, die zartesten Saiten des Menschen berühren, nicht allzurasch zu verfahren, besonders in denjenigen, die sich auf das gelobte Land beziehen; denn so unzeitgemäß diese auch bei dem ersten Anblicke erscheinen mögen, so dürfte doch bei unsrer eigenthümlichen politischen Lage ein Hinblick, wenn auch nur auf ein irdisches Jerusalem, manchem Gemüthe einen Trost gewähren, der ihm nicht leichtfertig genommen werden sollte! —-— Mittlerweile scheint man hier dieses irdische Jeruder Klugheit folgen, vermittelst welcher man die Wahrheit so umschanjt, daß sie nicht mehr zu erkennen ist. Und obwol hier zu seiner Ehre gesggl werden muß, daß hier nicht jene Klugheit gemeint ist, vermittelst welcher man persönliche materielle Interessen verfolgt, sondern bloß diejenige, deren man sich bedient, um dem lautgewordenen Wunsche nach zweckmäßigen Abänderungen gegenüber die Rolle eines vornehmen Konservatismus mit Effekt turchzuführen: so muß doch nachdrücklichst hinzugesetzt werden, daß bei Abverlangung eines wissenschaftlichen Gutachtens nicht gefragt werde was klug, sondern was Rechtens sei, und auf die vorliegende Frage augewendet: ob durch die in Frage stehende Abänderung eine wesentliche religiöse Satzung umgestoße» werde oder nicht. Korresp.

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