Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 23 (1.6.1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- Seite 334 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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334 hangt ist das Verzeichniß der neu erworbenen Werke, deren höchste Nummer jetzt 1416 ist. Köslin (Pommern), 15. Mai. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat den vr. Jolowicz zum Rabbinen gewählt, den Sabbatgottesdienst nach der braunschweiger Agende, zugleich aber einen Sonntagsgottesdienst nach dem der berliner Reformgenoffenschaft in völliger Eintracht der Gemeinde eingerichtet. Magdeburg, 25. Mai. (Privatmitth.) vr. Frankel hat einen Aufruf erlassen, um im Herbste eine Versammlung jüdischer Theologen zu veranstalten, welche, wie er offen ausspricht, den bisherigen Rabbinerversammlungen opponiren soll. Nach seinem, mit Eklat vollzogenen Ausscheiden aus der zweiten Rabbinerversammlung, nachdem er die erste gar nicht besucht hatte, war dies zu erwarten. Es ist gar nicht zu bezweifeln, daß die Versammlung zu Stande kommt. Welchen Erfolg an sich sie haben werde, und welche Wirkung aus der offnen Spaltung, die durch die beiden Versammlungen nur äußerst befördert werden muß, hcrvorgehen müsse, kann man sich leicht konstruiren, um so mehr, da Frankel schon in dem Aufruf polemisirt, was jedoch wahrscheinlich die Rabbinerversammlung ignoriren wird. Die Geschichte, welche bekanntlich außer dem Amte als Berichterstatterin noch das der Richterin versieht, wird die Fäden scharf verfolgen, durch die man von vorn herein die Rabbinerversammlung seit ihrem ersten Entstehen statt zu einem Nereinigungspunkte der Parteien, zum Gegenstand immer liefern Zwiespaltes gemacht hat. Sie wird Manchem, der jetzt in den heuchlerischen Mantel mystischen Konservatismus sich hüllt, die Larve abreißen und fragen, warum zerrissest du, da du vereinigen zu wollen vorgiebst? — Der Aufruf selbst wird kein bedeutendes Monument sein. Er ist in dem Geiste des christlichen Pietismus geschrieben, anhebend mit den Worten: „Der Glaube ist abhanden gekommen." Bald darauf wird freilich auch zu verstehen gegeben: „daß manches Unwesentliche (!?) abgeschafft werden müsse" — und so bewegt sich das Ganze in dem Halbdunkel, in der impotenlen Mystik, der das klare Wort der Rabb. Lambert und Goudcheaux (s. No. 20) so weit vorzuziehen ist, und welche halb Wehklage, halb Wollen, und keine Thal enthält. Sicherlich wird die Versammlung wohlthätig sei«, de»v einmal müssen doch die Herren aus den Phrasen herauskommrn, und geradezu sagen: was wollen wir eigentlich? Deutschland. Aus Württemberg, 26. April. (Privatmitth.) Durch die öffentliche Besprechung der deutschkatholische» Angelegenheiten werden auch die Unseren öfters angeregt. Man zitirt die uns bereits gewährten Rechte, und folgert daraus, daß solche den Rongeancrn doch wenigstens auch gehörten. Man schreitet weiter — tief gerührt von dem Unrecht, das den Juden seit lange her geschehen! — und sucht darzuthun, wie den Juden alle Rechte gebührten! Doch warum so viel Großmuth? Die Juden sollen das Geleise geben, auf dem die Deutschkatholikcn in den Emanzipationshimmel fahren. Hören wir nur ein Beispiel. Dieser Tage übergab Herr Pfarrer Mayer in Pflugfelden seine Ansichten über Religionsfreiheit der Oeffentlichkeit. Herr Mayer sagt, wie jedem Menschen innere Keligionssreiheit zustehe; diese aber, sobald sie sich äußerlich darstellen will, vom Staate theils mit Gewährung aller, theils nur einzelner Rechte anerkannt werde. Und warum Letzteres dem Staat zustehe? Weil es Rücksichten für das allgemeine Wohl heischen. Diesem setzt er aber entgegen: „Was mit dem allgemeinen Wohl vereinbar ist, demselben nicht widerstreitet, es vielmehr befördert, darf bestehen, das Andre nicht, oder wenigstens nicht in dem Maaße, in welchem es bestehen dürfte, wäre es mit dem allgemeinen Wohl gänzlich eins. Diese Verträglichkeit mit dem allgemeinenWohl ist aber gewiß da überall gewahrt, wo in einer Religionsgesellschaft das allgemeine Sittengesetz als oberster Grundsatz und ein wissenschaftlich gebildeter Lehrstand als Träger desselben in Verbindung mit einem dem obersten Grundsatz gemäß eingerichteten Gottesdienst anerkannt und eingeführt ist." Im Verlauf der Darstellung sagt Herr M. ferner: „daß kein Grund vorhanden ist, den Israeliten, Falls sie sich einzig auf das auch im alten Testament sicher begründete allgemeine Sittengesctz stützen, einen wissenschaftlich gebildeten Lehrstand, einen dem Zweck der Belehrung, Besserung, Erbauung entsprechenden Gottesdienst all-