Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-25 · Heft 22 (25.5.1846) · p. Seite 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 22 (25.5.1846)
Date
1846-05-25
Page
Seite 325 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225466--07765-3238542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

325 errichtet, wozu jedes Mitglied halbjährlich 15 Sgr. bezahlt." In einer zweiten Sitzung wurden dann die Lehrgegenstände, welche in eine jüdische Volksschule gehören, angegeben und besprochen und demnach ein Stundenplan angefertigt. — Die Berathung über die Einführung der geeignetsten Schul- und Handbücher, namentlich für den Unterricht in der biblischen Geschichte und dem Bibelübersetzen wurde besonders lebhaft. Durch die divergirenden Ansichten über diesen Gegenstand entspann sich eine längere, vielseitige Diskussion, die indeß von den Theilnehmern, denen es nur ernstlich um die Sache zu thun war, ohne eitle Rechthaberei oder Hervordrängung persönlicher Rücksichten, ohne Ansprüche auf Autorität oder sonstige Ungehörigkeiten, die bei dergleichen Veranlassungen wol keine gar zu seltene Erscheinung sind, geführt wurde, — ja, irrt Res. nicht, so fanden Alle in der durch das Wechselgespräch sich entwickelnden Uebung der Vertheidigung der eigenen und der Widerlegung fremder Meinungen einen hohen, geistigen Genuß und lernten die Sache von neuen, bis dahin noch nicht betrachteten Gesichtspunkten kennen. Nachdem man sich im Allgemeinen über die Sache geeinigt hatte, wurde der Beschluß gefaßt: zur Vorbereitung für den Lehrer die deutsche Bibelübersetzung von Dr. Zunz, als Volks- und Schulbibel aber die von Or. Salvmon, die vor jener den Vorzug einer mehr populären Sprache hat, einzuführen. — Leichter einigte man sich in Betreff der übrigen Schulbücher. Für den Unterricht in der jüdischen Geschichte vermißte man ein geeignetes Buch für den Schüler, weshalb sofort eine Kommission zur vorläufigen Bearbeitung eines Entwurfs zu einem solchen Werkchen niedergesetzt wurde. Ebenso wird durch die Konferenz die Herausgabe eines Lesebuchs für israelitische Schulen bewerkstelligt werden, da von den vorhandenen keines als ganz zweckmäßig anerkannt wurde, und versprach Herr Lehrer Friedländer, schon bei der nächsten Zusammenkunft eine solche Arbeit zur Prüfung vorzulegen. Es wurden dann noch einige Anträge, die von den Lehrern in den rvnari abzuhaltenden religiösen Vorträge und die Art ihrer Gehaltauszahlung betreffend zu Protokoll genommen und hierauf die Versammlung vom Präses für geschlossen erklärt. So ist nun dieser, vor noch nicht langer Zeit durch nur wenige, aber gesinnungstüchtige Männer in's Leben gerufene Lehrerverein in ein neues Stadium seiner Entwickelung getreten. Durch die warme Theilnahme des hochwürdigen Herrn Oberrabbinen, der alle Verhandlungen mit einem Eifer, einer Hingabe und einem Reichthume von pädagogischen Kenntnissen und Einsichten leitete, die nicht nur die Herzen der Anwesenden mit Bewunderung für ihn erfüllten, sondern auch zeigten, wie sehr die religiöse und wissenschaftliche Erziehung unsrer Jugend diesem Geistlichen am Herzen liege, hat dieses Institut einen neuen Aufschwung erhalten. Und so leben wir denn nunmehr der begründeten Hoffnung, daß dasselbe mehr und mehr erblühen, an geistigen wie an materiellen Kräften wachsen und segenbringend für viele Gemeinden Israels wirken werde. — Gewiß werden noch viele jüdische Lehrer und selbst aus weiteren Kreisen sich dieser Konferenz anschließen — ja, eine Ehre darin finden, ein thätiges Mitglied derselben zu sein, um so mehr, als noch eine wesentliche Erleichterung des Aufenthaltes am Versammlungsorte in Aussicht gestellt ist, und gewiß werden auch manche Nichtlehrer solch' zeitgemäßem Streben die gerechte Anerkennung nicht versagen, sondern es auf die eine oder andre Weise zu unterstützen suchen. H. Deutschland. München, 8. Mai. (D. A.Z.) Theils gestern Abends, theils noch in der Vormittagssitzung nach der Annahme des Erekutionsgesetzes, wurden, wie unsere Blätter melden, die Ausschußanträge über die Judenpetitionen um Befreiung von den für sie bestehenden Ausnahmsgesetzen zur Berathung gebracht. Während diese Petitionen dem Ausschüsse zur Prüfung Vorlagen, sind bekanntlich ein anderthalb Dutzend Bittschriften gegen Judenemanzipation und selbst gegen alle Konzessionen an Juden bei der Kammer eingelaufen. Alle, mit Ausnahme einer einzigen, stammten aus der Oberpfalz, und eben so wurden sie sämmtlich von einem und demselben Abgeordneten vertreten. Dieser, der Abg. Pfäfsinger, war denn auch der Einzige, welcher gegen die Ausschußanträge daS Wort nahm und Alles vorbrachte, was als geeignet erscheinen kann, Fesseln, Zwang und Unterdrückung unter gewissen Umständen zu entschuldigen oder gar anzurmpfehlen. Alle übrigen Redner, d. h. alle diejenigen Kammermitglieder, welche überhaupt zu sprechen pfle- 22*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.