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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-25 · Heft 22 (25.5.1846) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 22 (25.5.1846)
Date
1846-05-25
Page
Seite 322 (sequence 6)
Language
German
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322 ist das feste und unerschütterliche Vertrauen auf eine schone und große Zukunft des JudenthumS, von dem sie Zeugniß gaben. Aber nicht Zustimmung und Billigung allein war eS, welche jener Aufruf forderte. Zur That, zur entschiedenen und gemeinsamen That sollten diejenigen angeregt werden, die in demselben ihre eigne Ueberzeugung, ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen ausgesprochen fanden. Mit ihrem Namen sollten die Männer der Reform hervortreten, um sich zur offnen Kundgebung ihrer Ueberzeugungen und ihres Strebens zu vereinigen. Mit ihren Kräften sollten sie Mitwirken, um sich zu einer großen und einigen Gesammtheit zu verbrüdern, von welcher das Werk einer wahrhaften Wiederbelebung des Judenthums begonnen, und durch das Organ einer Synode vollbracht werden sollte. Es ist ein bedeutender, ein oft gar schwerer Schritt, der vom Wort zur That führen soll, es finden sich viele Wege, die zwischen der Zustimmung und der Mitwirkung liegen. Doch so tief, so dringend war das Bedürfniß, auf dessen Befriedigung die neue Bewegung gerichtet war, ein so entschiedenes Vertrauen hatten sich jene Worte durch die Gesinnung gewonnen, die sich in denseben kund gab, daß die Zahl derer nicht geringe war, die sich mit Wort und That zu den Gründern des schönen Bundes gesellten, um sofort das Werk der Vereinigung für die große Aufgabe zu beginnen, welche das Judenthum in unserer Zeit von seinen Bekennern fordert. Und mehr als tausend Männer auS den verschiedensten Gegenden des deutschen Vaterlandes sind es, die sich bis heut schon zu einer einigen Genossenschaft für Reform im Judenthum verbunden haben. Doch wollen wir darum auch nicht mit denen rechten, die bis jetzt noch mit ihrer Erklärung zurückgeblieben sind, obwol sie mit ihrer Gesinnung auf demselben Boden stehen, die bis jetzt noch angestanden haben, sich unsrer Vereinigung anzuschließen, obwol sie das Bedürfniß und das Streben iheilen, von dem dieselbe herbeigeführt wurde, die bis jetzt ihre Kräfte noch nicht für die Zwecke der Gesammtheit verwendet haben, obgleich sie vielleicht Ln ihren Kreisen sich schon längst einer ähnlichen Wirksamkeit widmen. Es gilt ein zu heiliges Interesse, als daß man es mißbilligen könnte, wenn Einzelne zögerten, Len schlichten, aber dennoch leicht zu mißdeutenden Worten unbekannter Männer ihr Vertrauen zu schenken; es waren zu viele, zu bedeutsame Rücksichten zu beachten, als daß man von Allen den gleichen Muth eines schnellen und entschiedenen Entschlusses hätte fordern können. Aber fürwahr, das werden die treuesten unserer Freunde, die zuverlässigsten unter unseren Verbündeten sein, die erst sich und uns prüfen wollten, um mit vollem Bewußtsein ein so heiliges Bündniß einzugehen. Darum sind wir nicht schwankend geworden in unsrer Zuversicht, da sich die Zahl der Genossen Anfangs nur langsam mehrte, wir hofften nicht auf atlzurasche Erfolge; wie unerschütterlich wir auch im Vertrauen zu unsrer Sache waren, die die Gewißheit ihres Gedeihens in sich trägt, so wollten wir doch nicht Männer die Unsrigen nennen, welche nur von der Begeisterung des Augenblicks sich hinreißen ließen, sondern solche, die einer wohl geprüften, aber auch um so festern Ueberzeugung folgten. Aber nicht nur gehofft haben wir auf das einstige Gelingen unseres Werkes, wir haben auch muthig Hand angelegt, um es zu beginnen; und nicht Worte allein, auch Thaten sollten davon Zeugniß geben, daß eS uns hoher Ernst sei um die Wiedererweckung des ewig lebendigen Judenthums aus dem Schlummer, in dem es seit Jahrhunderten durch die Verdüsterung seiner Lehren, seit Jahrzehnten durch die Gleichgültigkeit seiner Bekenner feflgehalten wird. Und so lasset uns denn zusehen, ob wir heut ein höheres Recht an Euer Vertrauen, einen begründeter» Anspruch an Eure Mitwirkung für unsre Aufgabe gewonnen haben, als da zum ersten Male das Wort an Euch gerichtet wurde. — Ihr konntet damals fürchten, daß jene Männer des Aufrufs wol des Wortes fähig, aber nicht auch der Thar mächtig seien, in der es sich verwirklichen sollte. Könnt Ihr auch noch heute dieser Besorgniß Raum geben, nachdem in Berlin, in einer Gemeinde, die man so lange der religiösen Gleichgiltigkeit anklagte, ein Gotteshaus aufgerichtet ist, das schon durch sich selbst unwiderlegliches Zeugniß ablegt von der festen Willenskraft, die hier gewaltet, und die nicht auf die Hindernisse, welche im Wege standen, sondern allein auf das Ziel blickte, das sie erreichen wollte? Ein Gottesdienst ist in's Leben getreten, in welchem der Odem tief empfundener Religiosität sichtbar lebendig ist, und in dem sich nicht minder der wahre Geist des JudenthumS wie das religiöse Bedürfniß der Gegenwart zu erkennen giebt. Wo solche That in so kurzem Zeitraum auS der Saat eines Wortes emporwuchs, wer darf da noch länger an dem Ernste, an der lebendigen Kraft dieses Wortes zweifeln? Ihr konntet damals Bedenken tragen, ob das Bedürfniß nach einer Umgestaltung der äußeren Formen im Judenthum, wie tief Ihr auch dasselbe empfunden, in

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