Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1846)
- Date
- 1846-05-25
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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321 rabbiner) anfängt, sich in Journalpolemik hineinzuwerfen, und so in das Getriebe der Oeffentlichkeit zu gerathen — ein bedeutsamer Schritt! Es ist dies in einem in das Journal de Constantinople eingerückten Schreiben. „Dieses Journal hatte nämlich angezeigt, daß die Polizei die Mörder eines jüdischen Kaufmanns entdeckt habe. Der Oberrabbiner lobt nun in seinem Briefe die Toleranz der Redaktion, daß sie nicht die Religion der Mörder bezeichnet und dem Publikum nicht mitgetheilt habe, daß diese Leute dem nichtunirtcn armenischen Patriarchat angehürten. Man dürfe nie die Religion und das Verbrechen mit einander verwechseln. Von der Gerechtigkeitsliebe des Sultans stehe übrigens zu erwarten, daß diese Mörder die verdiente Strafe erhielten. Bei einer ähnlichen Gelegenheit sei die europäische Presse mit großer Härte und Unbilligkeit gegen Juden verfahren, obgleich sie unschuldig gewesen. Der Rabbiner hatte bei dieser Mittheilung einen doppelten Zweck, einmal, das Publikum wissen zu machen, daß die Mörder des Juden Armenier waren, und dann, dem armenischen Patriarchat einen Hieb zu geben, denn dieses hatte sich bei der Pforte für die Mörder, welche aufgehängt werden sollten, verwendet." Frankreich. Paris, im Mai. Die Wahl des Großrabbinen wird erst nach Schebuoth stattsinden. — Die neue Wohllhätigkeitsgesellschaft für unglückliche Fremde hat sich, bei bedeutender Zahl von Subskiptionen, bereits konstituirt. Preußen. Breslau, 7. Mai. (Privatmitth.) Am 3. Mai fand hier die öffentliche Prüfung der Zöglinge der Religions-Unterrichts-Anstalt statt. Zahlreicher als je hatte sich das Publikum eingefunden, und glänzender als je bewährte diese Anstalt ihre Tüchtigkeit. Die Leistungen der Lehrer und Zöglinge waren so allgemein befriedigend, daß sich jetzt schon mehr als 50 neue Schüler gemeldet haben; die Anstalt also von mehr als 300 Zöglingen besucht wird. Ueber die Art des Unterrichts in der Religion, über die Stellung, welche heutigen Tages die Lehre vor den Zeremonien in demselben einnehwen solle, hat sich Geiger in einem kurzen Prüfungs-Programm offen und geistvoll ausgesprochen. Auf den 24. d. M. ist die Konfirmation und Entlassung von 16 Mädchen und 6 Knaben aus der Anstalt festgesetzt. Es ist dies eine Feier, die jedesmal die regste Theilnahme des hiesigen Publikums in Anspruch nimmt. Nächstdem ist es die Rabbiner- Versammlung, die hier die Gemüther Aller in Spannung setzt. Kaum war die Rachricht von der Genehmigung höhern Orts hier verbreitet, als überall eine freudige Regung sich kund gab zur Förderung der Anstalten, um die werthen Gäste Alle mit Auszeichnung zu empfangen. Möchten die Theilnehmenden nur recht zahlreich sich diesmal einsinden, bedenkend, daß es jetzt mehr als je ein energisches Zusammenwirken gilt. . Berlin, 18. Mai. (Privatmitth.) Die Genossenschaft für Reform imJudenthume hat folgende zweite Ansprache erlassen: An unsere deutschen Glaubensbrüder. Ein Jahr ist vorübergegangen, seit von Berlin aus ein Aufruf einiger Männer erging, der zu einer innigen Verbrüderung unter gleichgesinnten Bekennern des Judenthums aufforderte, um diejenige Uebereinstimmung zwischen der äußern Gestaltung und dem inuern Wesen unserer Religion wieder herzustellen, die durch eine allzulange Erstarrung in hergebrachten und veralteten Formen unterbrochen worden war. Weithin nach allen Theilen des deutschen Vaterlandes und auch über die Grenzen desselben hinaus, wurden diese Worte vernommen, und weithin fanden sie Anklang in dem Herzen derer, die eben so treue Bekenner des Judenthums, wie echte Söhne der Zeit, des Vaterlandes sind, denen sie angehören. Nlcht weil es neue und außerordentliche Ideen waren, welche hier plötzlich an den Tag kamen, haben sie sich in der Nähe wie in der Ferne Anerkennung gewonnen, sondern weil es längst erkannte Wahrheiten sind, die in eindringlichen und überzeugenden Worten ausgesprochen wurden; nicht weil ungekannte und fremde Bedürfnisse durch dieselben angeregt wurden, haben sie freudigen Anklang in dem Herzen von Tausenden gefunden, sondern weil sich ein tiefgefühltes und allgemein empfundenes Bedürfniß in denselben kund gab. — Und was vor Allem geeignet war, jenen Worten Vertrauen zu erwerben, es ist die warme Begeisterung für unsre heilige Religion, die sichtbar aus denselben hervortrat, es