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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-25 · Heft 22 (25.5.1846) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 22 (25.5.1846)
Date
1846-05-25
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 auch von dem bei Judenbekehrungen üblichen Verfahren in Jerusalem, so find' ich in keinem der beiden Stücke die Ehre des Protestantismus gefördert. Nach jener Predigtweise wird den Juden ein neues Pharisäerthum eingeimpst; sie erscheinen als die eigentlichst, ja ausschließlich zu vollkommenen Christen Berufenen; sie werden eingeladen, durch ihren Uebertritt ihre alten angeerbten Vorrechte über uns Andere anzutreten. Natürlich gefällt diese dogmatische Neuigkeit den judenchristlichen Missionären selber bei Weitem mehr als allen übrigen Protestanten. Uebrigens mag da und dort eine ähnliche Anschauungsweise Vorkommen. Ein vornehmer Engländer hatte zwei Bewerber um die Hand seiner Tochter. Der Eine war ein getaufter Israelit. Diesem gab der Vater unbedingt den Vorzug aus Respekt vor seinem Charakter als Judenchristen." „Was ferner die Bekehrungstaufe in Jerusalem betrifft, so wird sie, so viel ich weiß, von einer Akkomodation an den modernsten Judaismus eingerahmt* *). Sechstausend Piaster (gegen dreihundert Speziesthaler) werden dem Täufling gleichsam **) als Prämie dargeboten; andere Vortheile sollen gleichfalls beträchtlich sein***). Ob man glauben mag, damit im Sinne Christi zu handeln? Vielleicht eher im Sinne der weltlichen Statthalter Christi. Was sagt aber der Protestantismus dazu? f) Uebrigens *) Es ist doch merkwürdig, wie diese Herren, wenn sie selbst einen wunden Fleck der christlichen Kirchen einziigestehen im Begriffe sind, ihn durch eine heuchlerische Eskawetage dem Judenihume, oder doch der Judenhcit zuschieben. Daß die Protestanten ein Paar Judenseelen durch so bedeutende Summen erkaufen, soll „moderner Judaismus" sein, während es doch offenbar „modernes Christenthum" ist, da das Judenthum nicht einmal versucht hat, durch gleiche Mittel diesem Handel zu wehren. Dieser Seelenhandel in Jerusalem ist doch noch etwas übler als die ehemaligen Handelsbuden im Tempel! Redakt. **) Warum „gleichsam"? Die späteren Bemerkungen des Berf. zeigen, daß die 300 Speziesthaler nicht gleichsam, sondern lediglich Prämie sind. Re da kl. ***) Warum hebt ihr Herren nicht hervor, daß es demnach der Judcnheit sehr zur Ehre gereicht, daß demuugeachtet so wenige Individuen sich ködern lassen? Red akt. -j-) Wieder eine Eskamotage des Herrn Tischcndorf! Erst war es „moderner Judaismus", nun schiebt er es der katholischen Kirche unter, was erst der Protestantismus halte ich Jerusalem für das ungünstigste Terrän zu Judenbekehrungen. Hier ist der jüdische Fanatismus *) zu Hause; hier ist der Jude glücklich**), ein Jude zu sein; hier umgeben ihn Erinnerungen, die ihn von Kindheit auf theuer und heilig sind. Diejenigen Juden, die demohngeachret in Jerusalem übergetreten sind, wurden mir als solche bezeichnet, die von ihren eigenen Glaubensgenossen eine Zurücksetzung und zwar aus guten Gründen erfahren hatten ***). So spinnt man goldene Netze und fängt faule Fische. Eine wahre Karrikatur von Bekehrung ist unlängst geliefert worden: Ein Jude wurde zuerst als Kalvinist in Ungarn getauft; dann ward er in Wien Katholik, später walachischer Christ in der Walachei, endlich anglikanischer Protestant unter Bischof Alexander. Wer möchte dafür einstehen, daß dies Individuum seine Bckehrungskarriere nicht mit der Rückkehr zum Judenthume beschließen wird-f). Ist doch erst vor Kurzem ein getaufter Jude sehr bald nach der Laufe wieder Jude geworden." Türkei. Konftantirropel, 22. April. Als eine interessante Neuigkeit heben wir aus einer Zeitungskorrespondenz hervor, daß auch der Chacham-Baschi (Oberzum Handwerk erhoben. Uebrigens ist HerrT. Ln eigner naiver Unschuld. Werden bloß in Jerusalem Prämien für den Uebertritt bezahlt? Er frage in London, Berlin, Kassel rc. nach, da wird er erfahren, daß dies schon lange in Praxis ist. Red akt. *) Also das ist „Fanatismus"! Das treue Festhalten am väterlichen Glauben ist „jüdischer Fanatismus" — aber das Erkaufen einiger Juden für schweres Geld, was ist das? Redakt. **) „Glücklich" ist gerade hier kein rechter Ausdruck. Der Anblick der Trümmer Jerusalems kann keinen Juden „glücklich" machen. Wol aber schwelgt hier der Jude in den erhabenen Erinnerungen; wol fühlt er, daß dort sein eigenster Boden; wol sieht er sich hier dicht vor Augen gerückt, was sonst als heilige Sage durch sein Herz ging; es wird hier Alles Ueberzeugung auf sichtbarem Grunde, was sonst ihm Glaube an die Geschichte war. Redakt. ***) Run, hier Dank Herrn T. für seine unumwundene Aussprache! Redakt. f) Wenigstens sei Herr T. überzeugt, daß das Individuum für seine endliche Rückkehr zum Judenthume, dem Ziele dieser Kirchenwanderung — kein Geld, keine „Prämie", erhält. Redakt.

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