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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-18 · Heft 21 (18.5.1846) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 21 (18.5.1846)
Date
1846-05-18
Page
Seite 313 (sequence 13)
Language
German
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er fühlte, daß das Vertrauen, welches der amerrkMsche Held genoß, unbegrenzt sei. Er suchte daher in feknem Kopfe nach einem andern Plane. In tiefes Nachdenken versunken, leerte er eine Flasche Meth, und immer über die Mittel zur Erhaltung seines Lebens nachdenkend, schlang er die vollen Gläser hinunter, indem er dem Vaterlande, der Freiheit, dem ruhmwürdigen Andenken seiner berühmten Vorfahren Toaste ausbrachte. Diese Art Flaschen zu leeren lag in seiner Gewohnheit. Nachdem er mehre getrunken, erglänzte ein Freudenstrahl in seinen matten Augen; sichtlich hatte sein Kopf diesen Zweig des Heiles, dem er so sehr nachgesucht, aufgefunden. Wenn ich mir ein Räuschchen tränke, sagte er zu sich selber; man ist nicht Herr seiner Handlungen, wenn man betrunken ist, man wird mich nicht verdammen, wenn man mich ohne Bewußtsein, fast todt findet. Kaum war dieser Gedanke gedacht, als er auch in Ausführung gebracht wurde. Zu dem heimischen Meth fügte er noch danziger Branntwein und trank auf das Wohl seiner Vorfahren, auf das Andenken aller ruhmwürdigen Gedächtnisse und auf das Glück seiner Nachkommen. Endlich fiel er todttrunken unter den Tisch und stieß sich eine Wunde am Kopfe. Als mau das Signal zuw Kampfe gab, schlief er einen so festen Schlaf, daß er weder den Donner der Kanonen, noch den Gesang, noch das Geschrei der Kämpfenden hörte. Die beiden Armeen stehen sich gegenüber; die Polen, ihrem Anführer folgend und in den Tod rennend, indem sie ihre Volkshymne: „Nein! du wirst nicht untergehen, o geliebtes Polen!" fingen. Die Russen, den Befehlen von Katharinens Generalen gehorchend, indem sie sich mit ihrem wilden Hurrahgeschrei auf die Insurgenten stürzen. Nicht weit vom Schlachtfelde befanden sich die Agenten aller europäischen Höfe, um ihren Herrschern den Ausgang dieses Tages, der die Karte Europa's verändern sollte, zu verkünden. Die Sonne war von Wolken bedeckt, als wolle sie nicht Zeugin dieses blutigen Kampfes sein. Der enge Raum einer Zeitschrift erlaubt mir nicht, ein vollständiges Bild dieses schrecklichen Tages zu geben. Man müßte auch, um diese Aufgabe würdig zu lösen, das Talent eines Geschichtsschreibers mit dem eines Dichters vereinen; ich werde also nicht erzählen, wie die tapferen Krakusen, mit ihren schrecklichen Sensen bewaffnet, sich auf die Kanonen des Generals Felsen warfen, wie die freiwilligen Lanziers die Uebermacht in Kämpfen ergrauter Soldaten anshielten. Wir überlassen es unseren Lesern, sich alle dir edlen Anstrengungen der Helden dieses denkwürdigen Tages auszumalen; wir erwähnen allein noch, daß der Polengeneral auf der Höhe seines Ruhmes stand. Er gab seinen Bauern ein Beispiel, indem er sie gegen den Feind führte, er befeuerte sie indem er ihnen von Freiheit und einer bessern Zukunft sprach; er spornte den Adel an, indem er es an seinen alten Ruhm des früher» Polens erinnerte. Der Schuhmacher Kilinski folgte ihm mit den warschauer Freiwilligen. Berko, an der Spitze von dreihundert jungen Israeliten, treu seiner Verpflichtung, griff die erste Kolonne an, und Kosziusko war überall, sich an diesem blutigen Tage verdoppelnd, und alle Schätze eines militärischen Genies entfaltend. Die Sonne, erschien für einen Augenblick über den Wolken; der Sieg lächelte für Polen. Der rechte feindliche Flügel wich unter dem. vereinten Angriffe der Bauern und Bürgern; Berko ist immer der Erste in der Gefahr. Er ist verwundet .... daß Blut fließt aus seinem Arme, aber er verläßt seinen Posten nicht und ermuthigt seine Tupfern, die ihm folgen .... Vorwärts! vorwärts! war sein unaufhörlicher Ruf. Kosziusko, der einen Erfolg von dieser Seite nicht erwartete, kommmt mit den Krakuseu, um dem erschütterten Feinde den letzten Stoß zu geben. Der russische General bemerkt, daß auf diesem Punkte sich das Schicksal des Tages entscheiden würde: er fuhrt neue Slreitkräfte herbei. Der Erfolg entflammt die Polen, der Angriff wird verdoppelt, Berkovergißt seine Wunde und dringt immer vor; endlich weicht der Widerstand. Vergebens langen die letzten lleberrefte der russischen Armee an; kaum dringen sie vor, so werden sie erdrückt von den vorrückenden Kolonnen; schon Hallen die Siegeslieder in den Feldern Polens wieder. Freudenthränen entströmen allen Augen; Bauern, Bürger, Adlige geben sich den glänzendsten Hoffnungen hin. Das alte Polen scheint sich aus seiner Asche stolz und glorreich wieder zu erheben, als wenn es von Neuem die Geschicke des nordöstlichen Europa's lenken sollte. Aber diese Freude war nicht von langer Dauer. Plötzlich und mit einem Male verbarg sich die Sonne; es war gleich einer plötzlichen Sonnenfinsterniß. Auf einmal erschallte ein Schmerzensschrei in der polnischen Armee; auf die Trunkenheit des Sieges folgte die Niedergeschlagenheit der Verzweiflung; die Waffe», mit denen die Kämpfenden die Besiegten verfolgten, entsinken ihren Händen. Man eilt nicht mehr dem Feinde nach, und dieser steht still, erstaunt, daß mau ihn zu Athem kommen läßt.

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