Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-18 · Heft 21 (18.5.1846) · p. Seite 311

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 21 (18.5.1846)
Date
1846-05-18
Page
Seite 311 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225465--07750-3238526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

311 Der Bauer: gestern starb die Mähre, Und heute mir der Hengst dazu; Verhagelt ist die Frucht, die schwere, Es brach ein Bein die letzte Kuh. Der Bürger: laufen die Geschäfte Doch, weiß der Himmel, wie so schief! Was lang errungen meine Kräfte, Mit dem davon der Lehrling lief. Der Diener: alt schon sind die Tressen Am Hut, verblichen die Livree; Die Kinder schrieen längst nach Essen, Feurung der Frost trieb in die Höh'. Bettler: o des ergieb'gen Standes, Jüngst mit der Brücke sank er ein, Und in den Gattern des Gewandes Hält Treibjagd nun der Sonnenschein. Den Beutel nimmt der Jude lächelnd, Theilt goldne Spenden rings umher; Da ist's, als breite Lenzhauch, fächelnd, Sich über ein erstarrters Meer. Der König — nickt mit gnäd'gen Mienen, Der Rath -— er schaut so freundlich drein, Der Bauer — spricht von wieder dienen, Der Bürger — all wir Brüder sei'n; Der Diener — holt den Ruhesessel, Der Bettler — reichet fast die Hand; Der Jude sprengt des Schweigens Fessel, Und spricht, den Frohen zugewandt: Die Freiheit, König, gieb nun wieder, Rath, unser Recht, mach' es zur Thal; Reiß, Bürger, Judengassen nieder, Theil, Bauer, mit uns Scholl' und Saat. Wenn wir zum Könige begehren, So fahr' uns, Diener, grob nicht an; Nicht wolle guten Stand verwehren, Bettler, dem Judenbettelmann! Welch' heil'ge Stille! Sollte schmiegen Sich Osterfeier über's Land? Das Athmen Hörle man der Fliegen, Die Spinne flüstern an der Wand. Der König — senkt die Augenlieder, Der Rath, er wendet das Gesicht, Der Diener — kraut am Hutgefieder, Den Bürger — eine Mücke sticht. Der Bauersmann — besteht die Schuhe, Der Bettler prüft den Knotenstab; Da geht der Jud' und blas't voll Ruhe Den Staub von seinen Füßen ab. Und draußen zieht er seinen Beutel, Den leeren — lächelt — spricht dann so: Daß jeglich Wissen, Glauben eitet, Zwar kündet dies der Salomo, Doch, Wahrheit dennoch ist zu fassen, Trotz Salomo, vom Menschenkind; Ich will darauf mein Leben lassen, Wenn das nicht echte Christen find. Eine zweite Probe: Es ist doch eine Schande. Vor fünfzehnhundert Jahren zog Daher die Weltgeschichte, Und sah der Juden Qual und Joch Mit staunendem Gestchte. Sie legte traurig ihre Hand Auf der Gedrückten Bande, Und sprach, den Christen zugewandt: Es ist doch eine Schande. Vor tausend Jahr zum zweiten Mal Zog her die Weltgeschichte, Und sah der Juden Joch und Qual Mit zürnendem Gesichte. Sie rief es oft, sie rief es laut, Sie rief's durch alle Lande: Ihr Christen, was mein Blick geschaut — Es ist doch eine Schande. Die Weltgeschichte wieder kam Vor fünfmal hundert Jahren, Und sprach: die Christen wol vor Scham Zur Grube sind gefahren. Doch von der Juden Angesicht Die Thräne lief zum Sande; Da rief empört die Weltgeschicht': Es ist doch eine Schande. Fünfhundert Jahr sind wieder hin, Schon naht die Weltgeschichte;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.