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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-18 · Heft 21 (18.5.1846) · p. Seite 310

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 21 (18.5.1846)
Date
1846-05-18
Page
Seite 310 (sequence 10)
Language
German
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310 versenken mußte. Er hatte über die Resultate derselben zu berichten, ohne Raum zu haben, sie kritisch zu sichten, zu begründen oder zu entwaffnen. Der Vers. hat hier viele Kunst der Gruppirung bewiesen, indem er Gründe und Gegengründe geschickt hervorhebt und gegenüberstellt; indeß bleibt doch der Leser in der Schwebe hängen, und soll auf einen Boden treten, den er unter sich schwanken fühlt. Zu bemerken ist es noch, daß der Vers, die Reise- und exegetischen Werke höchstens bis Ende der Dreißiger verfolgt hat, die Kenntnißnahme der Leistungen von circa 1838 ab ihm aber entgeht. Das Werk ist jedenfalls eine bedeutende Bereicherung der französischen Literatur. Magdeburg, 4. Mai. Judenlieder. Von August Ianßen. Oldenburg, 1846. Diese Sammlung Gedichte, „von einem Christen den Israeliten" gewidmet, und die Letzteren zum Gegenstände habend, dabei voll des tiefsten Mitgefühls für unsere Schicksale, und zwar aus der reinsten Bewegung des Herzens heraus, da der Vers. sowol in seinem Charakter als in seiner Stellung außerhalb aller Abhängigkeit steht, ist eine so seltene, außergewöhnliche Erscheinung, daß wir hier auf dieselben auch unsrerseits aufmerksam zu machen, freudig verpflichtet uns fühlen. Wie es uns von einem Bekannten, der die Ehre des Umgangs mit Herrn Dr. Ianßen genießt, mitgetheilt worden, ist der Herr Dr. I. Akzessist bei dem großherz. Landgerichte zu Oldenburg, nachdem er Jurisprudenz studirt bat. Seine Vorliebe für Juden und die Erkämpfung ihrer Rechte datirt sich aus frühester Jugend, wo er einst, nachdem er mit anderen Genossen einen Jndenknaben verhöhnt hatte, von seinem Vater, einem biedern, begüterten Landmanne, darüber ernstlich verwarnt und mit der Martergeschichte der Juden bekannt gemacht worden. Er hatte später Gelegenheit, auf der Universität aus dem Umgang mit einem befreundeten Stndirenden jüdischen Glaubens einige nähere KennNuß des Judenthums zu schöpfen. Als Dichter sind Herrn Dr. I. eine volle, warme und begeisterte Sprache, Fluß und Wohlklang, schön gedachte Bilder, Abwechslung eigen. Das Eine, wovor er sich in Acht zu nehme», ist zu große Breite; er läßt sich noch zu sehr binreißen, so daß er den Stoff nicht genug überwältigt und sich nicht weise genug zu beschränken versteht. — Was nun die vorliegenden Gedichte betrifft, so werden sie von zwei Gefühlsrichtungen beherrscht: der Unmuth über die, den Israeliten noch auferleglen Beschränkungen, über die sie noch betastenden Bedrückungen, und die Begeistrnng für die erhabene Vorzeit der israelitischen Nation. Diese beiden Momente sind die Quellen dieser Lieder, von denen wir in ersterer Beziehung so. gern sagen möchten, daß sie antiquirte Dinge betreffen. Mag man in Ländern, wo die Israeliten freierer bürgerlichen Stellung theilhaftig geworden, nicht vergessen, daß viele Hunderttausende unserer Glaubensgenossen, in noch sehr nahen Gebieten, unter all dem Drucke leben, welchen unser Dichter mit so lebhaften Empfindungen schildert. Es ging dem Schreiber dieses neulichst auch so, als ein christlicher Bekannter flach Lesung des „Saron's" (der Sammlung unserer poetischen Arbeiten) wohlwollend ihm vorwarf, warum er nicht mehr vorhandene Zustande gezeichnet habe? Ein kurze Aufzählung von Thatsachen genügte, den Jrrthnm zu zerstreuen. — Unser Dichter behandelt seinen Gegenstand bald vom sentimentalen Standpunkte, bald vom ironischen; und um dem Leser ein Selbsturtheil zu schaffen, und ihn zur Lesung des ganzen Heftchens (128 S.) anzureizen, fügen wir hier zwei Proben hinzu. Umstände verändern die Sache. Beim König saß ein Rath, ein Bauer, Ein Bürger, Diener, Bettelmann; Wie Schlehen, schauten sie so sauer, Den Lippen kaum ein Wort entrann. Denn Jeder hielt in seinen Händen, Ein Schuldregister — ach, so lang! That er dazu sein Antlitz wenden, Dann aus der Brust ein Seufzer drang. Ein Jude kam zu der Versammlung, Hielt vollen Beutel in der Hand; Da gab's nach allen Seiten Stammlung, Von: lieber Freund — und: lang bekannt — Man möchte thun als wie zu Hause — Ob noch die Gattin wohl — und Kind — Und — ihn vielleicht zum nächsten Schmause Man sei zu laden gar gesinnt. Der König spricht: fatal — die Steuern, Sie blieben aus — Krieg zieht daher — Muß Straßen bauen, Schloß erneuern — Die Dienerschaft hat auch Begehr. Der Rath: die Gattin will zum Bade, Der Sohn nach einer Fakultät, Aussteuer braucht die Tochter g'rade, Quartalslag immer kommt so spät.

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