Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1846)
- Date
- 1846-05-18
- Page
- Seite 306 (sequence 6)
- Language
- German
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306 Studien in dieser Gemeind« mitgewirkt. Das Hinscheiden unsres ehrwürdigen Rabbiners Abraham Reggio, der bis zum Ende seines thätigen und segensreichen Lebens die rituellen Studien in unsrer Gemeinde aufrecht erhielt, ferner der frühzeitige Tod des in de» italienischen Gemeinden als gründlicher Grammatiker bekannten Sam. Lo—ly, der den Bibel- und jüdisch-literarischen Studien einigen Schwung gegeben hatte, waren der vorzüglichste Grund der endlichen gänzlichen Vernachlässigung unsres niiobn rrmn. Herr I. S. Reggio, der nach dem Ableben seines Vaters gesegneten Andenkens bei uns die Stelle eines Rabbiners vertritt, unsere Gemeindevorsteher, so wie alle Familienvater sahen mit betrübtem Herzen auf diesen traurigen Zustand in Bezug auf die religiöse und moralische Erziehung unsrer Jugend; der Mangel eines energischen, edeln Mannes zur Wiederherstellung des seinem Sturze nahen Gebäudes ward täglich fühlbarer und dringender, und dem Himmel sei Dank — der Scharfblick unsres Herrn Reggio ließ ihn einen solchen in dem Herrn Moses Ehrenreich entdecken, dessen Bekanntschaft er voriges Jahr zu machen Gelegenheit hatte, als dieser ihn vor seiner Heimreise besuchte. Diesen wählte er zur edeln Mission und — die Wahl konnte nicht besser getroffen werden. Herr Ehrcnreich, aus Brody in Galizien, am paduaner Kollegium zum Rabbiner promovirt, stellt wirklich einen würdigen Jünger des berühmten Professors Luzzatto dar, den er in der That sehr schätzt, liebt und achtet. Der lebendige Eifer, die echt religiöse Weihe mit welcher Herr Ehrenreich seinen übernommenen Verpflichtungen obliegt, die zweckmäßige Methode, die er sowol beim Religionsunterrichte als bei den hebräischen Sprachstudien befolget, die innige Liebe und die Zuneigung aller seiner Schüler, die er sich so schnell dadurch erwarb, die angemessenen Reden, die er bei jeder günstigen Gelegenheit seinen Zöglingen hält, bei deren Vortrag auch die Erwachsenen jedes Alters zugegen sind, der glänzende Erfolg einer vor Kurzem gehaltenen Prüfung: erfüllten unsre Gemeinde mit der innigsten Freude, gewannen ihm die Liebe und die Bewunderung Aller, und die wärmste Dankbarkeit der von ihm väterlich geliebten Schüler. Diese günstigen Erfolge bestätigen übrigens, wie der Eifer echter Religionslehrer das Studium der hebräischen Sprache bei seinem heiligen, uralten, bis nun bestandnen und wohlthätig wirkenden Rechte aufrecht halten können, ohne der Erwerbung anderweitiger nützlicher Kenntnisse im Mindesten Eintrag zu thun. Denn die Schüler des rnin iinbni, di« sich im Religions- und hebräischen Studium auszeichneten, sind nicht minder ausgezeichnet in ihren Gymnasialstudien; und die dem Handelsstande und Gewerbe Gewidmeten, benützen mit vielem Vergnügen die Erholungsstunden, die ihnen ihre Beschäftigung vergönnt, dem i-rnn “rabn beizuwohnen. Möge zum Wohle unsrer Gemeinde Herr Ehrenreich noch viele Jahre seine Talente zu Gunsten unsrer Jugend verwenden, und ihr wahres Dankgefühl wird ihm stets unverringert bleiben. Zum Schluffe will ich noch unscrm hochgeachteten Herrn Reggio einige Dankworte weihen, in welche gewiß die ganze Gemeinde gern einstimmen wird, daß er nämlich in der Wahl eines Religionslehrers alle jene kleinlichen Rücksichten standhaft und kräftig zu überwinden wußte, welche wol in vielen Gemeinden eine der ersten Ursachen der Verwahrlosung und Vernachlässigung der religiösen Erziehung ist. G. I. Ascoli. Koritschan in Mähren, 1. Mai. (Privatmitth.) Der Freiherr S. M. von Rothschild hat gegen Ende des Aprils die hiesige schöne Herrschaft, zu welcher auch die hierortige Judengemeinde gehört, landtästlich an sich gekauft, und wird schon vom 1. Juli l. I. unsre Obrigkeit repräsentiren. Sowol alle hiesige Einwohner, als auch besonders die Judenschaft fühlen sich durch dieses Ereigniß zu den schönsten Erwartungen berechtigt. (Es ist dies wol die erste Jsraelitengemeinde, die wieder unter der Herrschaft eines Israeliten steht. Red.) Teplitz, im Mai. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde denkt ernstlich daran, die zweiten Feiertage nicht mehr durch Gottesdienst zu feiern. Sie hat sich deshalb anfragend an mehre jüdische Theologen gewandt, (auch an den Redakt. d. Ztg.)