Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1846)
- Date
- 1846-05-18
- Page
- Seite 305 (sequence 5)
- Language
- German
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305 erzielen, wie derselbe bereits Ln der Januarsitzung 1845 des deutschen Vereins für Heilwissenschaft hierselbst öffentlich mitgetheilt und wovon sich auch die achtungSwerthesten hiesigen Aerzte, wie die Herren Geheimräthe Barez, Froriep, CaSper, Schlemm, der Herr SanitatSrath Eckart, Hofrath Wallmüller und Andere durch den Augenschein überzeugten. (Siehe ersten und zweiten Bericht des gymnastisch-orthopädischen Instituts in Berlin, Berlin 1842 und 1845, bei Aug. Hirschwald.) — Unter diesen Umständen halten wir den blühenden Fortgang dieser trefflichen Anstalt, welche namentlich für Berlin schon seit längerer Zeit Bedürfniß war, für entschieden gesichert. Dr. G." Oesterreich. Görz, im April. (Privatmitth.) Damit Ihre Leser etwas mehr von Görz erfahren mögen, als daß diese Stadt der Geburts- und Wohnort eines der bedeutendsten israelitischen Gelehrten, unsres vielgeachteten Herrn Reggio ist, will ich gleich vornhinein angeben, daß die hiesige Gemeinde ungefähr 350 Seelen zählt. Unsre israelitische Bevölkerung beschäftigt sich heut zu Tage nicht, wie ehedem, ausschließlich mit dem Handel. Die meisten wohlhabenden Familien betreiben mit günstigem Erfolge die Landwirthschaft, da den Israeliten hier eben so wie im lombardisch - venetianischen Königreiche der Besitz von Ländereien gestattet ist, und zwar in Folge der huldreichen Verfügung Josephs II., vermöge deren die Israeliten hierorts sich mit den übrigen Unlerthanen gleicher Begünstigungen und Rechte zu erfreuen haben sollten. Auch in den industriellen Unternehmungen stehen die Israeliten in Görz den übrigen Einwohnern dieser Stadt keineswegs nach. Vielmehr dürfen wir es eine Auszeichnung nennen, wenn die bedeutenderen Industrie-Anstalten dieser Stadt von unseren Gemeindegliedern gestiftet und geleitet sind. Namcnswerth sind besonders: di« sehr bedeutende k. k. priv. Papiermühle der Frau Helene Ascoli, mit welcher auch 2 Getreidemühlen verbunden sind, die zusammen über 100 Arbeiter beschäftigen; die Seifen-, Unschlittkerzen- und Weinsteinfabrik des Herrn Sal. Luzzatto, welche mehr als 60 Arbeiter ernährt; auch wird die Seidenerzeugung von den hiesigen Israeliten mit großem Eifer betrieben und es darf wol nicht unerwähnt bleiben, daß Herr B. Senigaglia bei der Ausstellung dieses Artikels, wegen der Vorzüglichkeit seiner Erzeugnisse, stets einen Preis davon trägt; ferner erwähne ich eine Lederfabrik, eine Wachskerzenfabrik, anderer geringerer nicht zu gedenken, die sich auch in Händen von Israeliten befinden. Von Handwerkern findet man unter ihnen 2 Schneider, I Weber, 1 Uhrmacher u. A. Auch die Wissenschaft und Literatur hat bei uns ihre Repräsentanten aufzuweisen; der Name Reggio ist überall bekannt. Uebrigens zählt man unter den hiesigen Israeliten 2 Doktoren der Medizin; I Doktor der Rechte; 2 Rabbiner, Zöglinge des Kollegiums von Padua; mehre junge Leute, welche auf den Universitäten zu Wien und Padua die Medizin und Rechte studiren; hierorts mehre Hörer der Philosophie und Studenten des Gymnasiums. Auch haben wir einen jungen Mann in unsrer Mitte, der sich auf die Malerei verlegt, und Musik gehört wie überall auch hier bereits zu den Elementen einer feiner» Erziehung. Für den ersten Kinderuntcrricht besteht hier schon seit mehr als 50 Jahren «ine von der Regierung beaufsichtigte israelitische Trivialschule. In dieser, wie aus den obigen allgemeinen Angaben zu entnehmen ist, nicht zahlreichen aber ziemlich bedeutenden Gemeinde wurden die religiösen und hebräischen Studien von jeher eifrig betrieben. Kaum war hier ein junger Mann zu finden, der in Bibel und Talmud nicht bewandert gewesen wäre und die hiesigen Israeliten hatten sich in dieser Beziehung bei den umliegenden Gemeinden einen günstigen Ruf erworben, so daß diese recht viele, ja die Meisten ihrer Privatlehrer für die hebräische Sprache und israelitischen Studien stets aus unsrer Gemeinde beriefen. Ja, es waren zu jener Zeit dem Religionsstudium zu Liebe die Profanen ganz vernachlässigt, und ein israelitischer Student am hiesigen Gymnasium war noch vor 20 Jahren eine seltene Erscheinung. Allein die gewaltige Bewegung unsrer Zeit machte sich auch bei uns fühlbar, und in wenigen Jahren war die Gestalt der Dinge fast ganz verändert. Es war in den letzten Jahren dahin gekommen, daß alle schulfähige Knaben unsrer Gemeinde sich den Gymnasial- und Universitätsstudien widmeten, und das *vi»Vn mm, die hiesige religiöse Erziehungsanstalt, nur noch ein Paar Zöglinge zahlte. Wol halten außer der neuern Zcitrichlung noch andere zufällige Umstände zu dem beklagenswerlhen Verfalle unserer heiligen