Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1846)
- Date
- 1846-05-18
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
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804 lit«n, wogegen sie den Rekurs an das Ministerium des Innern ergriffen hat. Seit unvordenklichen Zeiten hat den Israeliten kein Niederlaffungsrecht in den frriherrlich Riedesel'schen Besitzungen, sowvl in der Stadt als auf dem Lande, zugestanden. Es muß sich nun bald zeigen, in wiefern diese Observanz mit den Bestimmungen der Verfassungsurkunde für die Folge wird fortbestehen können. Hamburg, 5. Mai. (Berl. Ztg.) Als der verstorbene S. H. mach einer schweren Krankheit zum ersten Mal wieder auf der Börse erschien, versammelten sich um ihn die angesehensten Männer der Stavt und brachten ihm ihre Glückwünsche dar; einer der Senatoren sagte zu ihm, in Bezug auf die Opfer, welche S. H. namentlich nach dem Brande dem Wohl der Stadt gebracht: „Sie sind, Herr H., eine der festesten Säulen der Börse." „Darum muß ich auch unten bleiben", antwortete der reiche Jude pikrrt. Damit wollte er sagen, daß es ihn kränke, von den Berathungen des Kommcrziums als Jude ausgeschlossen zu sein. — Als vor einem halben Jahre die Kapitalnoth so groß war, wandte man sich an den Sohn und Erben des verstorbenen H. und bat ihn, hier helfend einzuschreiten, wie es ja sein Vater so oft gethan. Er aber meinte: „Ihr kennt den Juden nur, wenn er helfen soll, darum helfe ich Euch lieber nicht." So wenigstens erzählte man sich in der Stadt. Jetzt ist wiederum ein Versuch gemacht, dem jüdischen Kaufmanne die Theilnahme am Kommerzium zu erwirken, aber der Versuch ist wiederum gescheitert. Der jüdische Kaufmann in Hamburg hat bis heute noch kein Recht, in den Versammlungen der Kaufmannschaft zu erscheinen; an der Börse gilt er so viel, als er Vermögen besitzt, aber von den Berathungen der Kaufmannschaft ist er ausgeschlossen. In der gestern stattgefunvenen Versammlung der Kaufmannschaft wurde eine Revision der Börsensaal- Ordnung beantragt. Der erste Paragraph dieser Propositionen spricht das Recht, in den Versammlungen der Kaufmannschaft zu erscheinen, jedem die Börse besuchenden Kaufmann und Fabrikbesitzer zu, der oder dessen Haus ein eignes Bankv-Konto hat, also auch dem Israeliten. Das will der Hamburger Kaufmann nicht, und unter 300 Anwesenden stimmten 200 gegen diese Proposilion und sie wurde nicht angenommen, wie sie schon mehrmals nicht angenommen wurde. Preußen. Berlin, 9. Mai. (Privatmitth.) Da die A. Zeit. d. Jud. allen besseren Bestrebungen unserer Glaubensgenossen stets ihre Aufmerksamkeit zuwendet, und sie, so weit es an ihr ist, kräftig und einflußreich zu fördern sucht, so wird sie gewiß folgenden Bericht über ein segensreiches Institut aus der hiesigen Spener'schen Ztg. gern aufnehmen. „Zu den öffentlichen Heilanstalten Berlins, welche der ärztlichen Wissenschaft und Kunst die ersprießlichsten Dienste leisten, gehört unstreitig das gymnastisch-orthopädische Institut des als Arzt und Operateur wohlbekannten Dr. H. W. Berend (Oranieuburgerstraße 64). — Es ist in der That erfreulich, wie dies Institut, vor sechs Jahren aus einem kleinen Anfänge entsprossen, sich zu einer so ansehnlichen Höhe emporgeschwungen hat, daß sein gegenwärtiger Bestand mehr als fechszig Kranke beträgt. Von diesen werden sechs durch die atlerh. Unterstützung JI. MM. des Königs und der Königin, und für Rechnung der hiesigen Kommune vier behandelt. Das Institut verdankt diese seine Blüte nicht nur seiner zweckmäßigen Einrichtung, sondern ganz besonders der Fähigkeit und den auch von den höchsten Behörden wiederholt und ehrenvoll anerkcuurten Leistungen seines Dirigenten. Ihm gebührt das große Verdienst, am hiesigen Orte selbstständig eine Heilanstalt errichtet zu haben, 'in welcher die Verkrümmungen des menschlichen Körpers nach ärztlichen Prinzipien und durch alle, von dem neuern Standpunkte dieser Wissenschaft dargebotenen, mechanischen, gymnastischen, wie medizinisch-chirurgischen Hülfsmitteln Heilung oder wenigstens Besserung finden, und damit ist die Orthopädie als eine ausschließlich ärztliche Kunst in Ausübung gebracht. So sahen wir denn in diesem Institut nicht nur treffliche Heilungen und Verbesserungen der Verkrümmungen des Rückgrats, des Halses, der Finger, des Knies, so wie der verschiedenen Formen der Klumpfüße, sondern es sind auch Lähmungen und die Krankheiten der Knochen und Gelenke überhaupt Gegenstand der speziellsten und erfolgreichsten Behandlung. — Von ganz besonderem Interesse aber sind die Bemühungen des Dr. Berend in der Behandlung der Hüftkrankheiten und es ist ihm gelungen, eine Heilmethode in Ausübung zu bringen, durch welche er selbst bei bedeutender Verkürzung des Schenkels, aus skrophulösen, rheumatischen oder anderen Ursachen entstandene, Heilung oder wenigstens wesentliche Besserung zu