Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1846)
- Date
- 1846-05-11
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Kopie. Bei den gegenwärtigen Zuständen des Judenthums, dem starren Festhalten althergebrachter, der Seele entbehrender Formen auf der einen, und der schärfsten Negation, wie dem gemüthlosesten Jndifferentismus auf der andern Seite, erblickten alle warmen Anhänger unseres Glaubens und so auch wir, die ergebenst Unterzeichneten, mit Freude das Zusammentreten der ersten Versammlung deutscher Rabbiner zu Braunschweig. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten wir den Debatten der Theilnehmer, unter welchen wir auch Ew. Hochwürden mit Interesse wahrnahmen. Wir hielten uns von der ferner» Wirksamkeit dieses Instituts zu den schönsten Erwartungen für die Zukunft des Iudenthums berechtigt. Um so mehr bedauerten wir cs, als unter den zur zweiten Versammlung erschienenen Rabbinern Ihr Name fehlte. Wir hatten gehofft, daß Ew. Hochwürden dem großen Werke der Regeneration des Judenthums sich nicht entziehen würden, da nach unserm Dafürhalten lediglich die Rabbinerversammlung geeignet ist, das Judcnthum in seiner Wahrheit und seinem Glänze wieder herzusteUen und dem Erkalten der jüngern Generation für den heiligen Glauben unserer Väter kräftig entgegen zu wirken. An Ew. Hochwürden richten wir daher unsre eben so ergebene als dringende Bitte: der nächsten Rabbinerversammlung zu Breslau, wie allen nachfolgenden, beiwohnen zu wollen und durch thätige Mitwirkung das Interesse neuerdings zu bekunden, welches Sie früher für dieses heilbringende Institut an den Tag gelegt haben. Aachen, den 20. April 1846. (Folgen die Unterschriften.) Sr. Hochwürden dem Oberrabbiner Herrn Bodenheimer in Krefeld. Breslau, 26. April. (Schles. Ztg.) Zuverlässige Reisende erzählen folgende Geschichte, welche in den letzten Tagen sich in Krakau zugetragen hat. Drei österreichische Soldaten gingen zum Rabbiner von Krakau, Herrn Meisel, und forderten ihn auf, daß er ihnen in's Gefangniß folge. Als der Rabbiner von ihnen die Vorzeigung des Verhaftsbefehls verlangte, zogen sie drohend ihre Bajonette, woraus der Rabbiner ihre Absicht der Gelderpressung merkte. Er hielt sie nun eine Weile hin, bis glücklicher Weise Leute herbeikamen, welchen es gelang, einen Soldaten festzuhalten. Die übrigen zwei machten sich aus dem Staube. — Nach Privatnachrichten, welche aber noch nicht verbürgt werden können, soll in Zolkiew in Galizien der dortige Rabbiner Hirsch Chajes mit noch 10 anderen reichen Juden von den Bauern ermordet worden sein. Deutschland. München, 27. April. (Bair. Bl.) Der erste Gegenstand der Tagesordnung der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer war der Vortrag über die Gesuche resp.Anträge bezüglich der bürgerlichen und politischen Gleichstellung der israelitischen mit den christlichen Unterthanen. Der Ausschuß stellt den Antrag, cs möge der König gebeten werden, anzuordnen: 1) daß bis zum nächsten Landtag ein Gesetzentwurf zur gänzlichen Beseitigung der gegen die Israeliten bestehenden zivilrechtlichen und prozessualischen Ausnahmsgesetze den Ständen vorgelegt werde; 2) daß das Edikt vom 10. Juni 1813 einer gründlichen und zeitgemäßen Revision unterworfen werde; 3) daß bis dahin der schonendstc Vollzug der §§. 12 und 13 des genannten Edikts angeordnet, und dem Handel mit Landesprodukten auf den Grund der §§. 19 und 20 kein Hinderniß in den Weg gelegt werde. Aus Baiern, im April. (Privatmitth.) In diesen Tagen ist uns eine Broschüre zu Gesichte gekommen: „Die bürgerliche Stellung der Juden in Baiern. Ein Memorandum, der hohen Kammer der Abgeordneten ehrerbietigst vorgelegt von vr. Adler, Distriktsrabbiner in Kisstngen. München, 1846," welche sehr gut und klar geschrieben ist. Wir heben daher einige Stellen hervor. Die erste, beachtenswerthe ist folgende: „Nur das will ich vorzüglich hier zur Ausführung bringen, daß nicht, wie man gewöhnlich glaubt, die Juden es sind, welche gedrückt und zurückgcsetzt werden, und weshalb auch zur Rechtfertigung dieses Verfahrens jede ihrer Schwächen, jede ihrer ältesten Vergehungen, ja jede, obgleich nur Einzelnen zur Last fallende Pflichtverletzung als Grund angeführt wird."