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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-04 · Heft 19 (4.5.1846) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 19 (4.5.1846)
Date
1846-05-04
Page
Seite 284 (sequence 12)
Language
German
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284 den Grundbesitzern Vorschuß und gelangte auf diese Weise zu einem Ungeheuern Vermögen. Ich war zwanzig Jahr alt, als mein Vater beschloß, mir einen Theil seiner Geschäfte anzuvertrauen, um mich an den Handel, den ich nach seinem Tode fortführen sollte, zu gewöhnen. Eines Tages schickte er mich nach Konary. „Kaufe," sagte er mir, „alles Getreide, was du dort finden kannst. Ich habe soeben einen bedeutenden Auftrag von einem danziger Hause bekommen." Ich reiste: es war der 3. Mai 1780. Ich erinnere mich des Tages, weil er eine Epoche in meinem Leben bildete. Ich komme in Konary an. Ter Besitzer war nicht gegenwärtig; der Intendant, der mir dies meldete, fügte hinzu, daß wenn ich gekommen sei, um Getreide zu kaufen, so könne ich mich an dessen Tochter wenden, die die Vollmacht habe, im Namen ihres Vaters zu unterhandeln. Man hieß mich in den Garten treten. Ich trug zu der Zeit einen schwarzen Kaftan, eine Tracht, die die polnischen Juden vom Adel aus den Zeiten Kasimir des Großen entlehnt haben, und einen Hut mit breitem Rande, der zum Nothfalle als Regenschirm hätte dienen können. Tie Tochter des Herrn von Konary, Johanne, saß auf einer Rasenbank, in der Hand ein Buch haltend, in welchem sie las. Ihre Schönheit Ihnen zu beschreiben wäre unmöglich. Sie war eine Blondine, mit blauen Augen; ihr reiches Haar fiel in üppigen Locken auf ihre schönen Schultern, die Weiße ihrer Haut war durch das Inkarnat der Gesundheit und des Wohlbehagens erhöhet. Ter Eindruck ihrer Erscheinung auf mich war der Art, daß mein Hut meinen Händen entfiel, meine Beine zitterten; ich war im Begriff auf die Knie zu sinken; dies war für mich kein Weib, sondern ei» Engel. „Fürchten Sie sich nicht vor dem Fräulein," sagte zu mir der Intendant; dann sich an die Schloßdame wendend, fügte er hinzu: „Haben Sie Rücksicht für ihn, er ist der Sohn des Handelsmanns (so benannte man meinen Vater): er ist zum ersten Male in seinen Geschäften, deshalb ist es nicht zu bewundern, daß er zittert. Er ist da um Getreide zu kaufen." Ich mußte sehr lächerlich gewesen sein, denn Johanne lachte, als sie mich betrachtete; dann sich zu fassen bemühend, sagte sie zu mir in einem gütigen Tone: „Wenn Sie um Getreide zu kaufen gekommen sind, so wird der Handel nicht lange dauern, denn die Befehle meines Vaters sind bestimmt, ich kann nichts au ihnen ändern; wenn Sie mir nicht 20 polnische Gulden für das Hektolitre geben können, kann ich eS Ihnen nicht überlassen." Der Preis, den mir mein Vater zu bieten gesagt hatte, war weit höher als der, den sie mir abforderte. Ich hätte also sogleich akzeptiren können; aber nach und nach kehrte mein Muth zurück, und ich verlängerte die Unterredung über die Beschaffenheit des Getreides, über die Zahlungstermine, über die Lieferung der Ernte; ich empfand ein nie gefühltes Glück in der Nähe derjenigen zu weilen, die mir die Gottheit auf der Erde vorstellte. Ich hätte Alles kaufen können, ich that es nicht, um noch einmal das Vergnügen, Johannen betrachten zu können, zu genießen. Beim Abschiednehmen von ihr war ich eben so linkisch, als bei meiner Ankunft. Die schöne Schloßdame lachte, aber warf zu gleicher Zeit einen wohlwollenden Blick auf mich, der mir deutlich sagte, daß sie den wahren Grund meiner Ueberraschung und Ungeschicklichkeit errathen. Ich brauche Ihnen wol nicht erst zu sagen, General, daß ich jede Gelegenheit benutzte, nach Konary zu gehen. Wenn JohannenS Vater Geld gebrauchte, eilte ich hin, es ihm zu bringen. Als seine Pachtung durch einen Bauer aus Rache wegen einer ungerecht erlittenen Züchtigung in Brand gesteckt worden, sammt der darauf stehenden Ernte zerstört wurde, rettete ich diese Familie von einem gewissen Ruin, indem ich ihr nämlich die Ernten der folgenden Jahr abkaufte. Johannen war meine Liebe nicht unbekannt, obgleich nie ein Wort, ein Blick oder ein Zeichen meiner Seits ihr die Gefühle meines Herzens ausgedrückt hat. Ich kannte ihre Spaziergänge, ich wußte wenn sie in den Wald oder in die Kirche ging. Wie oft legte ich mich platt auf die Erde, hinter einem Baum oder Gesträuch versteckt, um so glücklich zu sein, sie betrachten und bewundern zu können. Jetzt merken Sie wol, wieso ich den Wald von Konary so gut kenne; denn wenn ich es übernahm, Sie geheime Fußpfade inmitten der Kosacken zu führen, so konnte ich es dreist, denn kein Baum an den Orten, wo Johanne einmal gewandelt, war mir unbekannt. Einstmals blieb ich ziemlich lange in ihrer Nähe, glaubend nicht von ihr bemerkt zu werden: aber wie erstaunt war ich, als ich ihre Stimme mich rufen hörte. „Berko," sagte sie zu mir, „glaubt Ihr, daß meine Familie darein willige, daß ich einen Mann, der Euer Kostüm trägt, heirathe?" Nach einem Augenblick des Lachens warf sie mir einen wohlwollenden Blick zu und eilte davon, mich auf meinem Platze erstaunt, verblüfft von dem eben Vorgefallenen zurücklaffend. Ich erinnere mich, daß Johanne immer diesen

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