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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-04 · Heft 19 (4.5.1846) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 19 (4.5.1846)
Date
1846-05-04
Page
Seite 280 (sequence 8)
Language
German
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280 Während diese Sache schwebte, war dasThorner Wochenblatt der Kampfplatz sehr entgegengesetzter Ansichten, doch führte die freisinnige, humane Partei das letzte Wort. Auf eine sehr infamirende Aussprache erwiederten kräftig der 'evangelische Prediger Gessel und der israelitische Prediger zu Kulm, vr. Jolowicz. Posen, 28. April. (Die öffentlichen Blätter enthalten folgenden Artikel; merkwürdiger Weise hat man uns bis jetzt nicht einmal ein Exemplar des „Aufrufs" zukommen lassen. Die Redaktion.) Recht bedeutsam und folgenreich verspricht ein Unternehmen zu werden, daß die hiesige Judenschast in's Leben zu rufen im Begriffe steht: die Gründung einer ausschließlich jüdischen Ackerbaukolonie. Ein Konnte, an dessen Spitze der Oberrabbiner Eiger steht, und zu dessen Mitgliedern auch unser überall thätiger Polizeipräsident v. Minutoli gehört, hat einen etwas voluminösen Aufruf erlassen, aus dem wir hier das Wesentlichste mittheilen wollen. Zm Eingänge wird gesagt, daß sowol die Bibel und der Talmud als die ganze Geschichte der Juden überzeugend nachwiesen, daß das jüdische Volk, sowol bei seiner ursprünglich theokratischen als später monarchischen Verfassung, sich fast ausschließlich mit dem Ackerbau und der Viehzucht beschäftigt, und durch diese Beschäftigung seine Wohlfahrt und seinen Wohlstand begründet habe. Erst mit der Einführung des Feudalsystems in Europa sei den Juden der Feldbau versperrt worden, und erst seit den Kreuzzügen sei ihnen das Wanderleben und der Handel als einzig ihnen gelassener Erwerbszweig aufgenöthigt worden. Durch die Fortschritte der Zivilisation seien aber jetzt alle jene Verhältnisse glücklich umgestaltet. Fast in allen Ländern lasse man die Juden mehr oder weniger an den Bürgerrechten Theil nehmen, und daher erscheine immer fühlbarer das Bedürfniß, den ärmern Theil der Juden von dem veralteten Klein- und Trödelhandel, durch den er jetzt noch sein Kummerleben erhalten müsse,' nach und nach abzuziehen, ihn für Arbeit, ordentliche Gewerbe, namentlich für Ackerbau, Viehzucht und ländliche Beschäftigungen zu gewinnen und zu einem möglichst nützlichen Mitgliede der bürgerlichen Gesellschaft zu erheben. Dann wird gesagt, wie es keineswegs zu verkennen sei, daß der Jugendunterricht und die Erziehung der Juden in unsrer Provinz sichtbar fortschrriten und das Bedürfniß nach allgemeiner gründlicher wissenschaftlicher Bildung immer erfreulicher sich rege, daß aber noch älter als die Wissenschaft und ein noch größeres Bedürfniß die Feldarbeit sei; darum habe auch der Oberrabbiner Salomon Eiger vor Allem sich die Aufgabe gestellt, die landwirthschaftliche Betriebsamkeit unter den Juden im Großherzogthume Posen nach allen Seiten hin zu fördern. Er habe die von ihm zuerst aufgefaßte Idee der Kolonisation der Juden unserm Könige vorgetragen, der sie^wohlgefällig ausgenommen und verheißen habe, dem sich bildenden Vereine, sobald die erforderlichen Mittel vorhanden sein würden, durch erbpachtliche Ueberlassung geeigneter disponibler Domänengrundstücke wirksame Unterstützung angedeihen zu lassen. In Folge dessen habe sich nun ein Zentralverein zur Begründung der in Rede stehenden Kolonisation unter dem Vorsitze des Oberrabbiners gebildet, dessen Protektorat der Oberpräsident v. Beurmann angenommen habe. Die Sache hat bereits allgemeinen Anklang im Publikum gefunden, und es seien Anmeldungen zur Kolonisation von jüdischen Familien eingegangen, deren Zahl schon gegenwärtig auf mehre Hunderte sich belaufe, von denen die Hälfte ihre kleinen Kapitalien vertrauensvoll der neuen Lebensthätigkeit widmen und dem Vereine zur Disposition stellen wolle. Gerade der erste Versuch sei von besonderer Wichtigkeit, wenn daraus eine echte Wohlthat für die große Anzahl von Juden in hiesiger Provinz und noch mehr für die bedrückten Israeliten in Polen und Rußland ° hervorgehen solle; der erste Versuch müsse daher gleich in größerm Umfang in's Leben treten, und eine angemessene Anzahl jüdischer Landwirthe zu einer ansehnlichen Landgemeinde vereinen, damit gleichzeitig für die Befriedigung des kirchlichen und Unterrichtsbedürfnisses gesorgt werden könne. Die Kolonie werde unter Leitung eines erfahrenen Oekonomen in's Leben treten; christliches Gesinde nur so lange gehalten werden dürfen, als dies die Unterweisung in den verschiedenen landwirthschaftlichen Zweigen erforderlich mache; der Handel bleibe ausgeschlossen, und die Aussicht auf Erwerbung von Grund und Boden zu Eigenthum solle möglichst gefördert werden. Zur Unterstützung des Unternehmens habe die hiesige israelitische Korporation einen Hülfsbeitrag von jährlich 688 Thlrn. etatsmäßig ausgesetzt, und es seien sonst noch namhafte Beiträge in

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