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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-04 · Heft 19 (4.5.1846) · p. Seite 276

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 19 (4.5.1846)
Date
1846-05-04
Page
Seite 276 (sequence 4)
Language
German
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276 besserte) Form öes Gottesdienstes bas Herz Und Ge« müth nicht befriedigen und eine wahre Andacht nicht herbeiführen könne; zu dem Ende soll neben der hebräischen Sprache auch unsrer deutschen Muttersprache ein würdiger Platz im Gottesdienste eingeräumt, die veralteten, der Anschauungs- und Denkungsweise der Gegenwart nicht mehr entsprechenden Gebete entfernt, und den Bedürfnissen der jetzigen Zeit die gebührende Aufmerksamkeit in der Ordnung des Gottesdienstes geschenkt werden; die Vorlesung der Lora soll nach dem dreijährigen Zyklus geschehen, und die Liturgie überhaupt dergestalt geordnet werden, daß sich die Gemeinde mehr als bisher bei der öffentlichen Andacht betheiligen könne. Der Redner erbat sich zum Schluffe die thäti'ge Mitwirkung der Gemeinde zu dem schönen Zwecke, den er im Auge hat; und nach dem zu urtheilen, was bereits seit 14 Jahren in unserer Gemeinde für den Fortschritt gewirkt worden ist, steht zu erwarten, daß dieses Streben nicht nur Anklang, sondern auch bereitwillige Unterstützung zur Ausführung finden wird. Preßburg, 10. April. (Privatmitth.) Unsere, durch das Ansehn der Reichen, welche der Orthodoxie innig ergeben sind, in Frieden, aber auch im Stillstände erhaltene Gemeinde, läßt selten Etwas von sich vernehmen. Einige Notizen mögen hier ihren Platz finden. Der Subrabbiner Daniel Proßnitz, ein Heros in talmudischer Gelehrsamkeit, 87 Jahre alt, ist verstorben; seine Stelle wurde noch in den Trauertagen ganz im Stillen wieder besetzt. — Unsere jüdischen Schulanstalten sind trefflichst organisirt. Die königl. Primär-Hauptschule, die Mädchenschule, die Kleinkinderbewahranstalt, sämmtlich in der Todescoschen Stiftung lozirt, nehmen den ersten Rang ein. (Möchten sich nur die Lehrer, meist gelehrte Männer, besser vertragen!) Die jüdisch-deutsche Talmud-Tora- Schule steht würdig zur Seite, und hat am 6. h. eine glänzende Prüfung, auch in der Landessprache, abgelegt. (Könnten nur die Lehrer besser besoldet werden!) — Herr Leopold Schick, (der Verfasser der „politischen Nesselblätter" und mehrer anonymer Schriften,) läßt jährlich 18 Studirende durch volle 8 Wochen auf seine Kosten speisen. (Möge dieses Beispiel bei anderen Israeliten Preßburgs Nacheiferung finden, wie leicht würde ein Konvikt für jüdische Studenten hergestellt werden können!) Preußen. Bon der Weichsel, im April. (Privatmitth.) Seit einiger Zeit find die Juden von Graudenz und Thorn diejenigen, welche durch die in ihrer Mitte durchgefochtenen Kämpfe die Aufmerksamkeit ihrer Glaubensbrüder auf sich gezogen haben. Die Kämpfe Beider, welche ihrer Natur nach ganz verschieden waren —denn in Graudenz handelte es sich um einige Kultusverbesserungen, in Thorn aber um die lokal-politische Stellung der Juden — wurden vor dem Forum der höheren Behörden geführt und lieferten in ihren Endresultaten einige Aktenstücke, die wol der größern Veröffentlichung nicht unwürdig sein dürsten. Den geehrten Lesern jedoch, denen die Details dieser Kämpfe fremd geblieben, wird folgende Relation zur Würdigung der Aktenstücke genügen. In Graudenz entwarf vor etwa zwei Jahren der dasige Gemeindevorsteher und Ordensritter, Cronbach, eine Synagogenordnung, für welche er den sogenannten orthodoxen Theil der Gemeinde gewonnen, worauf sie auch höhern Orts bestätigt worden. Darüber waren einige Geldaristokratcn in ihrer Eitelkeit verletzt, und sie, die in ihrem Thun und Treiben, Handel und Wandel nichts von dem alten Judenthume wissen, klagten die unschuldige Synagogenordnung als dem Judenthume Gefahr bringend an und störten muthwillig den Gottesdienst durch Unterbrechung des Choralgesanges rc. :c. Darüber kam es zur Klage, die Parteien erhitzten sich, Chikane folgte auf Chikane, und die gegnerische Partei machte bei der Regierung den Antrag, sich als besondere Gemeinde konstituiren zu dürfen. Die Regierung lehnte den Antrag ab, gestattete den Bittstellern jedoch die Einrichtung eines besondern Gottesdienstes, was für die Gegenwart, wo fast in jeder Gemeinde unsres Vaterlandes dergleichen Parteien vorhanden sind, von Wichtigkeit ist. Der Bescheid lautet wörtlich also: „Dem p. Magistrate übersenden wir eine Eingabe des jüdischen Kaufmannes .... und Konsorten nebst Anlagen mit dem Aufträge, den Bittstellern zu eröffnen, daß ihnen der Bestimmung der königl. Ministerien der geistlichen Angelegenheiten und des Innern gemäß, die Einrichtung eines eignen Gottesdienstes in der Wohnung eines ihrer Mitglieder oder in einem gemietheten Lokale, einstweilen und bis die bevorstehende Regulirung des jüdischen Kultus-

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