Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1846)
- Date
- 1846-05-04
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
- Language
- German
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ms Chaldäisch, welches fie lledLIee nennen. Sie werden vom Könige, namentlich aber von des Königs Mut« 1er gefchützr, so daß sie jetzt in etwas leidlicheren Verhältnissen leben, als früher. Im Allgemeinen sind sie sehr arm. Frankreich. Paris, im März. Nach dem Univ. isr. hat das Zentralkonsistorium mit den in Paris befindlichen Delegirten eine Session über die Wahl eines Großrabbinen gehalten. Der Beschluß fiel dahin aus, zuerst bei den Provinzialkonsistorien anzufragen, welche Kandidaten dazu vorhanden sind. Das neue Zentralkonsistorium scheint sich zu wesentlichen Veränderungen im Kultus zu neigen. Oesterreich. Aus Ungarn, 12. April. (Privatmitth.) Die Deutschen pflegen die Juden Ungarn's ziemlich über die Achsel anzusehen. Jenseits Pesth glauben sie, mit Ausnahme einiger einzelnen Gemeinden — viele sind deren nicht — Nacht und Nebel verbreitet. Weil die ungarischen -Berichte — insonders der Mg. Zeit, des Jud. — oft an Breite, oft auch an Schwulst leiden, glaubt man die Bildung oberflächlich, eine fremde Pflanze. Ich weiß es aus Erfahrung, daß man sogar diese Artikel in Deutschland wenig liest. Weil das ungarische Judenthum noch nicht in die krampfhaften Zuckungen verfallen ist, wie das deutsche, will man von seiner Tüchtigkeit nichts wissen. Möchten unsere deutschen Glaubensgenossen sich eines Bessern überzeugt halten! In Deutschland ist man entweder Enthusiast, oder indifferent. In Deutschland erwacht bald hier, bald dort eine wahre Wuth — bald verraucht's. Frägt man nach Jahren wieder nach, ist es eine vergessene Sache, hie und da giebt eine Ruine des alten Schlachtfeldes Kunde. Es wird Alles schnell; es vergeht Alles schnell. In Deutschland geschieht Vieles aus Ostentation, aus Bedürfniß wenig. In Deutschland macht man vielen Lärmen, aber es sind nur die Chorführer; der große Schweif hinterdrein gefällt sich darin, aber vor der Sonne schmilzt er wieder zusammen. Nicht so in Ungarn. Hier meinen es sehr Viele wahrhaft ernst um ihre Religio»; hier glüht ein schönes Feuer in der Brust; hier bemüht man sich um Ernsthaftes; hier macht man mit dem Judenthume nicht gefährliche Experimente, Hamit recht Viele hinterdrein den Kopf schütteln können über die Unverbesserlichkeit. Langsam, aber sicher geht die Zivilisation unter den ungarischen Juden vorwärts. Man hat hier über das ewige Geschrei um den Kultus noch nicht Schule und Industrie vergessen. Es ist eine gleichmäßige und den Verhältnissen angemessene Bildung, die wir anstreben. Wir wollen beglückt werden in derselben, und Juden und Ungarn zugleich sein. Wir bewundern oft Deutschland, wir lernen von Deutschland, aber — wir beneiden es nicht! Teplitz, 19. April. (Privatmitth.) Im Laufe des eben verflossenen Passah-Festes hat der Herr Kreisrabbiner Pick in drei Kanzelvorträgen der hiesigen Gemeinde einen sprechenden Beweis geliefert, wie sehr er dem Fortschritte im Judenthume zugethan ist, und wie eifrig er sich bemüht, die Bedürfnisse der Zeit mit den Anforderungen der Religion in Einklang zu bringen, Zn der ersten Predigt sprach sich derselbe im Allgemeinen aus, wie dringend es nöthig sei, daß Erschwerungen und Zusätze, die sich mit dem Geiste der Zeit nicht mehr vereinigen lassen, so wie Gebräuche und Zeremonien, die in der Jetztzeit ihre Bedeutung verloren haben, — von Seiten des Rabbiners als nicht mehr bindend erklärt werden, damit man nicht mit der Schale auch den Kern, mit dem blos Hinzugefügten nicht auch das gesetzlich Gebotene wegwerfe, und erklärte, sich in einer Reihe von Vorträgen hierüber näßer aussprechen zu wollen. Herr Rabbiner Pick hat auch wirklich schon in der darauf folgenden Rede die zweiten Festtage besprochen, und nach einer klaren und gründlichen Darlegung, aus welchen Ursachen diese Feier entstanden, und wie so diese Ursachen nun nicht mehr vorhanden, daher auch die Nothwendigkeit der Feier der zweiten Festtage nicht mehr anzuerkennen sei, im Angesichte der zahlreich versammelten Gemeinde die Erklärung abgegeben, daß er von derBerbindlichkeit zur Feier der zweiten Festtage losspreche. In seinem dritten Vortrage verbreitete sich Herr Rabbiner Pick über die gottesdienstlichen Einrichtungen, welche er einzuführen beabsichtigt, indem die gegenwärtige (wenn auch hierorts bereits sehr ver-