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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-04 · Heft 19 (4.5.1846) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 19 (4.5.1846)
Date
1846-05-04
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 ist bekannt, daß es keinen schärfern Blick giebt, als den der Auge«- Gr alles Inkonsequente, für jeden WiderstMch. Mr Erwachsene hat sich an vieles Widersprechende gewohnt, daß eS ihm fast nicht mehr auffällt als solches. Aber die Jugend hat das Auge offen. Und so ist es { natürlich, daß alle Inkonsequenzen, die nothwendig im jetzigen jüdischen Leben theoretisch und praktisch vorhanden sind, im Religionsunterrichte um so greller hervortreten. Das Kind lernt das vierte Gebot, und findet zu Hause seinen Vater am Sabbat mit der Elle in der Hand. Das Kind soll die Gebetordnung aufs Genaueste inne haben, und findet zu Hause das Gebetbuch niemals in der Hand -er Eltern. Ja, mau nenne mir die Gemeinde, wo nicht die jüdisch-deutsche Kurrentschrift als ein nothwendiger Theil des — Religionsunterrichtes gefordert wird. So ist gegenwärtig der jüdische Religionsunterricht voller Widersprüche und Inkonsequenzen sowol in seinen Leistungen, als auch in den Forderungen, die an ihn gestellt werden. Wir dürfen hier nicht von dem Standpunkte der Einzelnen ausgehen, von dem der verschiedenen Ansichten: sondern müssen uns in den Schooß der Gemeinde versetzen, die alle Individualitäten umschließt. Ihre Institute können nicht den eigenthümlichen Charakter einer Meinung haben, sondern' müssen — so Lut es geht —- die Mitte bewahren. Man weiß, wie trostlos solch ein Sammelsarium ist, wo die Stücke der einzelnen Ansichten zusammengeheftet sind zu einem bunten Ganzen — wie kann es aber vermieden werden? Es können nicht überall Synagogen und Schulen, welche verschiedenen Richtungen folgen, neben einander bestehen, und das schon zerrissene Gemeindeleben noch mehr zerreißen. Und wenn Reiche zum Privatunterricht ihre Zuflucht nehmen, so bleibt dieser immer mangelhaft, schadet dem Gemeinleben und Gemeinsinn, und haben die bloß Bemittelten und die große Schaar der Unbemittelten kein Anrecht? Was nun die Schwierigkeiten des jüdischen Religionsunterrichtes noch mehrt, ist das Ungeheure des Materials, das er überwältigen soll, und die wenige Zeit, die ihm gewidmet werden soll. Läßt fich dies in jüdischen Allgemeinschulen in einen gewissen Einklang bringen: so stehen bloße Religionsschulen, deren Zahl die bei Weitem größere ist, an den Orten, wo die jüdischen Kinder die Ortsschulen besuchen, damit in der größten Klemme. Diese können nur solche Zeit in Anspruch nehmen, welche die anderen Schulen übrig lassen. Diese andre Zeit wird aber wieder großen TheilS von Arbeiten für die Schule, Privatunterricht, Rachhülfe, Turnen rc. beansprucht — wie knapp kommen die Religionsschulen da weg! Und doch ist das Material so ungeheuer. Denn abgche^a von den eigentlichen Gegenständen des Religionsunterrichts, ist jenes dadurch gewachsen, daß viele Dinge, die vordem von den Kindern durch die praktische Uebung im elterlichen Hause und im Gottesdienste erlernt wurden, jetzt geradezu und vollständig vom Religionsunterrichte gelehrt werden sollen. Und von welchem Umfange sind diese eigentlichen Gegenstände: die Religions- und Morallehre, die biblische, israelitische und jüdische Geschichte, die hebräische Sprache, um Bibel und Gebetbuch zu verstehen, die Liturgie? Es sind dies Gegenstände, welche mit wenigen Stunden die Woche sich nicht abthun lassen, soll etwas Ordentliches geleistet werden. Endlich kommt hinzu, daß die jüdische Jugend nur wenige Jahre diesem Unterrichte übergeben wird, indem mit dem 13ten oder 14ten Jahre, nach der Konfirmation, der Religionsunterricht aufhört. Es giebt demnächst hier sehr viele Fragen zu erörtern. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Neu-Holland. Sydney, im Oktober. Wir haben früher von dem Bau und der Einweihung der Synagoge in diesem fünften Welttheile berichtet. Leider! folgte derselben Uneinigkeit in der Gemeinde auf den Fuß, und zwar über die Bezahlung der durch den Bau über den Kostenanschlag hinausgegangenen Schulden. Man wandte sich petitionirend an die Legislatur um Unterstützung, so wie um ein Wohnhaus und Besoldung eines jüdischen Kultusbeamten. Aber der Gouverneur hat Beides abgeschlagen, da solches zu bewilligen nicht in seiner Macht stehe. (Jew. Chron.) Persien. Teheran. Nach dem Jew. Intellig, wohnen in dieser Hauptstadt Persiens ungefähr 106 jüdische Familien, welche in der Regel das Persische, jedoch mit eigenem Akzent, sprechen, doch auch meist hebräisch mit Persisch gemischt reden. In den anderen Lheilen des Landes sprechen die Iudm eine Art

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